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Lindenbrunn-Geschäftsführer fürchtet dauerhafte Lärmbelästigung durch Güterverkehr

„Krankenhausstandort gefährdet“

Coppenbrügge. „Massive wirtschaftliche Probleme“ befürchtet der Geschäftsführer des Krankenhauses Lindenbrunn, Frank Schmidt, bei einem Ausbau der Güterstrecke durch das Weserbergland. Die Pläne für die Schiene sorgen seit langer Zeit für Diskussionsstoff. Zuletzt hat sich der Arbeitgeberverband der Unternehmen im Weserbergland (AdU) als Befürworter eines Ausbaus zu Wort gemeldet. Für das Krankenhaus Lindenbrunn, langjähriges Mitglied im Arbeitgeberverband AdU, habe diese jüngste Pressemitteilung „irritierend“ gewirkt. Ohne Rücksprache mit einem der hauptbetroffenen Arbeitgeber habe der Verband eine Empfehlung für den Ausbau der Güterstrecke abgegeben. Hierzu habe das Krankenhaus beim AdU auch schriftlich Stellung bezogen.

veröffentlicht am 03.03.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 21:41 Uhr

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Mit rund 400 Beschäftigten zählt das Krankenhaus Lindenbrunn zu den größten Arbeitgebern im Ostkreis von Hameln-Pyrmont. Das Krankenhaus liegt direkt an der Bahnstrecke Löhne–Elze, auf der der Güterverkehr entlanggeführt werden könnte. Schmidt spricht sich klar gegen dieses Vorhaben aus: „Ein Ausbau des Güterverkehrs auf dieser Strecke hätte fatale Auswirkungen auf den Betrieb des Krankenhauses Lindenbrunn und könnte sogar den gesamten Standort gefährden.“ Durch den zunehmenden Schienenverkehr sowie die damit verbundene erhöhte Lärmbelästigung würden sich gleich mehrere Probleme für das Krankenhaus ergeben.

Das Krankenhaus Lindenbrunn ist nur über einen einzigen Bahnübergang zu erreichen. Schmidt: „Alle Personen, die zu uns kommen oder uns wieder verlassen, müssen diesen Bahnübergang nutzen. Bei steigendem Schienenverkehr ist damit zu rechnen, dass die Schranken entsprechend oft geschlossen sind, was die Erreichbarkeit des Krankenhauses stark einschränkt. Ein echtes logistisches Problem bedenkt man, dass täglich rund 600 Verkehrsteilnehmer den Bahnübergang zweimal passieren müssen.“ Die Patientenversorgung, wie sie derzeit erfolge, sei unter diesen Umständen kaum vorstellbar. Massive wirtschaftliche Probleme wären zu erwarten.

Die Stationen 10 und 11, die dem Bahndamm am nächsten liegen, müssten aufgrund der erhöhten Lärmbelästigung geschlossen werden. „Im Ergebnis würden von unseren 212 Betten 48 nicht belegbar sein. Das wäre wirtschaftlich nicht tragbar und könnte das wirtschaftliche Aus am Standort bedeuten“, so Schmidt.

Lindenbrunn-Geschäftsführer Frank Schmidt

Mit Sorge betrachtet es auch Hans-Ulrich Peschka, Bürgermeister in Coppenbrügge, „wenn so ein Flagschiff Schlagseite bekommen sollte“. Lindenbrunn ist der größte Arbeitgeber der Gemeinde. Die AdU-Äußerung, der Strecken-Ausbau könne Arbeitsplätze schaffen, hält Peschka für „Wunschdenken“.

Kritik hatte sich der AdU mit seinem neuerlichen Statement auch von der Bürgerinitiative „BI Transit“ eingehandelt. „Der Ausbau der Güterstrecke muss als langfristige Investition für das Weserbergland gesehen und auch wirtschaftlich als solche genutzt werden“, so der AdU. Die Bürgerinitiative bemängelt, der Verband liefere keine stichhaltigen Begründungen dafür, wie „eine schwere Güterbahn-Transitstrecke wirtschaftliche Vorteile für die Region haben“ könnte.

Die starke Lärmbelästigung sei außerdem für den gesamten Heilungsprozess der Patienten hinderlich, sagt Dr. Manfred Gogol, Chefarzt und Ärztlicher Direktor des Krankenhauses: „Aus medizinischer Sicht steht ohne Zweifel fest, dass die dauerhafte Wahrnehmung von Geräuschen in einer hohen Intensität nicht nur selber zu Krankheiten führt, sondern umgekehrt auch die Heilungsprozesse von Patienten im Krankenhaus verlangsamt. Für uns ist es insofern von besonderer Bedeutung, weil wir viele Patienten haben, die gerade aufgrund von neurologischen oder anderen Erkrankungen hier behandelt werden und durch solche Stressexpositionen in ihrem Heilungsprozess erheblich beeinträchtigt werden.“

Die Weltgesundheitsorganisation empfehle für Krankenhäuser nachts nur eine Lärmbelästigung von maximal 55 Dezibel. Abhängig von der Geschwindigkeit und der kürzesten Distanz zum Krankenhaus von circa 40 Metern, könne man sich problemlos vorstellen, dass ein Güterzug Werte von bis zu 100 Dezibel erreicht. Bisher findet der Bahnverkehr vor dem Krankenhaus Lindenbrunn nur zweimal pro Stunde tagsüber statt, in der Zeit zwischen 22 Uhr und 5.30 Uhr ruht der Verkehr. hen



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