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Heftige Auseinandersetzung zwischen Ursula Körtner und Kreisrätin Petra Broistedt

Krach um Schulkonzept für den Landkreis

Hameln-Pyrmont. Die Fronten waren schnell geklärt: „Diesem Entwurf eines Konzepts zur Weiterentwicklung der Schulen im ländlichen Raum werden wir nicht zustimmen.“ Der Emmerthaler CDU-Kommunalpolitiker Rolf Keller hatte seine Wortmeldung bereits abgegeben, noch bevor Kreisrätin Petra Broistedt den Entwurf in der Schulausschusssitzung am Donnerstag im Kreishaus vorgestellt hatte, verwies dann aber darauf, dass er nur als Erster in der folgenden Debatte zu Wort kommen wolle. „Sie wollen Emmerthal Ihren Plänen opfern“, warf Keller der Kreisrätin später vor. Zur wohnortnahen Beschulung gehörten Einrichtungen in Emmerthal und Aerzen, betonte er und forderte seine SPD-Kollegin Ruth Leunig auf, mit der CDU in dem Weserort dafür zu sorgen, dass die Johann-Comenius-Schule erhalten bleibe.

veröffentlicht am 23.11.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 03:21 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß
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Leunig signalisierte zwar Zustimmung zu dem Konzeptentwurf, forderte aber eine Änderung der Passagen, in denen von einer Sekundarstufe-I-Beschulung im „Raum Aerzen/Emmerthal“ die Rede war, und setzte sich damit durch, die Beschlussvorlage durch die Formulierung „in Aerzen und Emmerthal“ zu ergänzen und Passagen zu streichen, die ein Aus für einen der beiden Haupt- und Realschulstandorte nahelegen könnten. Richtig Feuer unter dem Dach des Kreishauses kam auf, als Ursula Körtner die Kreisrätin vehement attackierte und ihr vorwarf, sie betreibe mit dem Entwurf eine „Kannibalisierung“ von Aerzen und Emmerthal. „Sie hetzen die beiden Orte gegeneinander auf“, übte sie scharfe Kritik. Seit der Entwurf bekanntgeworden sei, herrsche „überall im Landkreis Unruhe und Verunsicherung“. Broistedt habe bereits beschlossen, das Konzept umzusetzen. „Das können Sie uns nicht als ergebnisoffen verkaufen“, erboste sich Körtner, „ich bin fassungslos.“ Broistedt ihrerseits zahlte mit gleicher Münze zurück und warf der CDU-Kreistagsabgeordneten vor: „Wer behauptet, wir hätten schon Schulschließungen beschlossen, der lügt.“

Dass von der Verwaltung in den Entwurf geschrieben worden war, integrierte Gesamtschulen seien außer für Emmerthal und Aerzen wegen der dort bis 2030 stark rückläufigen Schülerzahlen – Zahlen, die von der CDU angezweifelt wurden – an allen anderen Schulstandorten mit Sekundarstufe I machbar, sorgte bei den Christdemokraten für die Besorgnis, dass offenbar auch die Kooperativen Gesamtschulen in Salzhemmendorf und Bad Münder in IGSen umgewandelt werden sollten. „Lassen Sie doch die eigenständigen Schulen selbst ihre Konzepte entwickeln“, forderte Körtner, „die können das besser als selbst ernannte Schulexperten.“

Auch dass die KGSen in ihrer Entwicklung von der Verwaltung „beobachtet“ werden sollen, regte Körtner auf. „Auch das schafft doch nur Verunsicherung“, warf sie Broistedt vor. Und wollte weiter wissen, wer denn den im Konzeptentwurf genannten Sanierungsbedarf in Höhe von 9,2 Millionen Euro für die Emmerthaler Schule festgestellt habe. „Das will ich genau und im Detail wissen.“ In Schutz genommen wurde Broistedt von Karl-Heinz Brandt (SPD) und Wilhelm Koops (Grüne). Brandt bezeichnete die Diskussion als dringend notwendig, die Zahlen bildeten nur die Realität ab. „Wenn wir nichts tun“, betonte er, „wird das Unheil kommen und umso größer werden.“ Was Körtner äußere, seien Diffamierungen und Unterstellungen, Falschinterpretationen und Verfälschungen. Auch Klaus-Peter Symanski (Unabhängige), der zur Gruppe mit FDP und CDU gehört, stellte sich vor Broistedt: „Die darf hier nicht an die Wand genagelt werden“, erklärte er und erntete damit nicht druckreife Beschimpfungen. Für die FDP lobte Helmut Zeddies die Arbeit der KGS in Salzhemmendorf, obwohl auch seine Partei früher zu den erbitterten Gegnern dieser Schulform gehört hatte. Eine mögliche „Nachjustierung“, wie in dem Entwurf vorgeschlagen, habe sie nicht nötig. Statt als Verwaltung Neutralität zu bewahren, habe sich Broistedt ins Lager der IGS-Befürworter geschlagen. Dabei seien die auch kein Allheilmittel gegen die Folgen des demografischen Wandels.

Um eine größere Beteiligung und mehr Transparenz bei der Entwicklung des Konzepts zu erreichen, sollen nun nach dem Willen des Schulausschusses alle Beteiligten vom Schüler bis zu den Kommunen beteiligt werden. Die CDU lehnte die Vorlage trotzdem ab.

Im Mittelpunkt der Debatte im Schulausschuss: die Johann-Comenius-Schule.

Dana



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