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Agaplesion-Klinikum bestätigt Fall/ Bundesweite Häufigkeit nicht bekannt

Klinikum Schaumburg: Erneut Patient am falschen Bein operiert

WESERBERGLAND. Bei einer Operation im Agaplesion-Klinikum Schaumburg ist erneut ein Patient am falschen Bein operiert worden. Das bestätigte Pressesprecherin Nina Bernard auf Anfrage der SZ/LZ. Aus Datenschutzgründen könne man aber keine Details zu dem Fall nennen. Über mehrere Tage hat die Zeitung recherchiert, wie oft derartige Verwechslungen in Deutschland vorkommen. Die Dunkelziffer soll laut einem Experten dreistellig sein.

veröffentlicht am 23.11.2018 um 10:37 Uhr
aktualisiert am 23.11.2018 um 12:06 Uhr

Ein moderner Operationssaal. Symbolfoto: dpa

Autor:

Hans Weimann und Jakob Gokl
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Weder das Geschlecht des Patienten, noch die Art des Eingriffs sind deswegen bekannt. Das Klinikum sei aber „mit dem/der Betroffenen im Einvernehmen.“ Es ist bereits der zweite derartige Fehler im Jahr 2018. Schon im März dieses Jahres deckte die Zeitung auf, dass ein Patient am Klinikum am falschen Bein operiert wurde.

Geschäftsführer Achim Rogge erklärte damals, am Krankenhaus gebe es eine sogenannte „RISK-List“. Diese sei vergleichbar mit der Checkliste der Piloten vor einem Flug. „Diese Maßnahmen machen eine Seitenverwechslung eigentlich unmöglich.“ Wie es nun bereits zum zweiten Mal zu einem derartigen Fehler kommen konnte, wollte Pressesprecherin Bernard „auch aus Gründen der Fürsorgepflicht gegenüber unseren Mitarbeitenden“ nicht beantworten.

Nach Informationen dieser Zeitung hapert es in vielen deutschen Krankenhäusern bei der Umsetzung dieser „RISK-List“. Sie wird von Mitarbeitern oft als reine Fleißaufgabe betrachtet. Dabei kann diese von der WHO ausgearbeitete – und weltweit angewandte – Sicherheitsmaßnahme derart gravierende Fehler beinahe zur Gänze ausschließen.

Wie oft werden Patienten am falschen Bein operiert?

Zwei derart gravierende Fehler in nur einem Jahr: Das klingt zunächst fatal. Doch wie schneidet das Schaumburger Klinikum im Vergleich zum Bundesdurchschnitt ab? Erstaunlicherweise gibt es keinerlei Meldepflicht für Fehlbehandlungen im Krankenhaus. Trotz ausgiebiger Recherche unserer Zeitung konnte daher niemand die Frage beantworten, wie oft in deutschen Krankenhäusern bei Operationen Körperteile verwechselt werden.

Etwas Licht ins Dunkel kann Dr. Max Skorning vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen bringen. Er ist der Leiter der Stabsbereichs Qualität und Patientensicherheit.

Für das Jahr 2017 zählten die Krankenkassen genau sechs Operationen am falschen Körperteil. „Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs“, betont Skorning. Da die Krankenhäuser nicht verpflichtet sind, Fehlbehandlungen zu melden, sei man auf Meldungen der Patienten angewiesen. Der Wert sei daher nicht repräsentativ. Der Experte geht von einer auf jeden Fall dreistelligen Anzahl von Vorfällen aus. „Schön wäre es aber, richtige Zahlen zu haben.“ Dabei sei, das betont Skorning immer wieder, eine derartige Verwechslung eigentlich leicht zu verhindern. „Solche Ereignisse nennen wir ,NEVER-Events‘“. Übersetzt also Situationen, die niemals stattfinden dürfen. Treten solche Fehler dennoch, und dann auch noch verstärkt in einer Klinik auf, „dann stimmt etwas im Prozess nicht“, so Skorning.

Er kennt auch die Probleme, die dazu führen, dass die vorgeschrieben Checklisten ignoriert würden. „Die Leute fühlen sich gegängelt. Sie sagen sich, ,das weiß ich doch alles, das brauche ich als erfahrener Arzt nicht‘.“ Und Pfleger fühlten sich vielleicht gehemmt, einen Arzt von der Operation abzuhalten.

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen fordert seit Jahren, ein zentrales Melderegister für Fehlbehandlungen. „Ohne Zahlen wissen wir auch nicht, ob wir besser werden“, so Skorning. 2016 sei die OP-Checkliste verpflichtend eingeführt worden. Ob sie eingehalten wird, und ob dadurch OP-Fehler verhindert werden, wisse aber niemand, da keine bundesweite Zahlen vorliegen. Dabei hätten Studien gezeigt, dass die Checkliste „sagenhafte Erfolge“ für die Patientensicherheit bringe.



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