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Kommunen stehen vor Entsorgungsproblemen

Keiner will den Klärschlamm haben

,Hameln-Pyrmont. Viele Klärwerke fürchten derzeit, wegen der neuen Düngemittel-Verordnung für die Landwirtschaft künftig auf dem Klärschlamm sitzen zu bleiben.

veröffentlicht am 02.05.2018 um 15:51 Uhr

Noch werden die Klärwerke im Landkreis ihre Rest-Schlämme an die Landwirtschaft los. Doch langfristig wird man über eine Verbrennung nachdenken müssen. Foto: Wal
Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Coppenbrügge-Salzhemmendorf zur Autorenseite
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Klärschlamm ist ein Abfallprodukt aus der Abwasserreinigung im Klärwerk. Der Schlamm ist reich an Nährstoffen und wird deshalb bislang häufig als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt. Doch für immer mehr Betreiber von Kläranlagen wird das zum Problem: Die Bundesregierung ist dabei, Vorschriften zu verschärfen.Und auf der Seite der Landwirtschaft sorgt die neue Düngemittelverordnung dafür, dass ehemalige Abnehmer lieber auf den einst beliebten organischen Dünger mit seinen vielen Mineralstoffe und Spurenelemente, Kalk und Phosphor aus dem Klärwerk verzichten. Denn für landwirtschaftliche Flächen gibt es strikte Mengenbegrenzungen und dazu enge Grenzwerte für die Schadstoffbelastung des Klärschlamms mit giftigen Schwermetallen über Krankheitserreger bis hin zu Rückständen von Arzneimitteln.

Kurzum: Die landwirtschaftliche Klärschlammentsorgung, von der bislang beide Partner profitierten – die Gemeinden konnten ihren Klärschlamm kostengünstig entsorgen und die Bauern erhielten einen günstigen und effektiven Dünger – eliminiert sich derzeit auf dem Verordnungswege. Auf Grünland, Obst- und Gemüseanbauflächen und in Forsts darf beispielsweise gar kein Klärschlamm mehr verwendet werden. Mit dem Ergebnis, dass Klärwerke ihre Restschlämme schon bis nach Polen verschiffen ließen, um sie los zu werden.

Für Rainer Sander, Agrarberater beim Landvolk Weserbergland, ist das neue Desinteresse der Agrarier am Klärschlamm auch hierzulande zu beobachten und erklärbar: Problem im Klärschlamm seien die Stickstoffverbindungen, die dem Landwirt in seiner Düngebilanz gemäß neuer Düngemittelverordnung zu 100 Prozent angerechnet werden, aber im Vegetationsjahr nur zu zehn Prozent pflanzenverfügbar sind. Ein ähnliches Problem ergibt sich übrigens auch beim Kompost, den die kommunalen Kompostwerke auch nur noch schwer an den Landwirte bringen. „Mit solchen Düngemitteln zerschieße ich mir den Düngeplan,“ fasst Sander das neue Verordnungsproblem mit den organischen Düngemitteln zusammen. Eigentlich bedauerlich, wie er zugibt: Sei doch der Klärschlamm in unserer Region kaum Schwermetall-belastet und wegen seines hohen Anteils an kostbarem Phosphor und leicht löslichem Kalk ein attraktiver Dünger.

Die in Hameln ansässigen Abwasserbetriebe Weserbergland stellen die Beseitigung und Reinigung des Abwassers für rund 56 000 Einwohner der Stadt Hameln und etwa 23 000 Einwohner der einleitenden Nachbargemeinde Flecken Aerzen und von sechs Ortsteilen aus den Flecken Coppenbrügge, der Gemeinde Emmerthal und der Stadt Hessisch Oldendorf sicher. Hier fallen jährlich rund 3000 Tonnen Klärschlamm-Trockensubstanz an, die entsorgt werden müssen.

Während Klärwerke rund um Hannover derzeit teilweise schon auf ihrem Schlamm sitzen bleiben, ist das Hamelner Klärwerk „eines der wenigen, das seinen Schlamm noch günstig in der Landwirtschaft loswerden kann“, erklärt Dipl.-Ing. Ralf Wilde als Vorstand der Abwasserbetriebe Weserbergland: „Wir haben noch die kommenden drei Jahre Entsorgungssicherheit.“ Wenn auch nicht über heimische Landwirte, die sich den Dünger mit dem Trecker abholen, so doch über ein Entsorgungsunternehmen, das den Klärschlamm regelmäßig abholt und die schadstoffüberprüften Rückstände überregional an Vertrags-Landwirte abgibt. „Die Abnahme unserer Kontingente ist so gesichert; und das zu annehmbaren Preisen“, so Wilde.

Langfristig, so weiß Wilde, wird aber auch für die Abwasserbetriebe Weserbergland nach dieser Übergangsfrist nur eine thermische Beseitigung der Klärschlämme übrig bleiben. Und da es in Niedersachsen bislang keine Anlagen gibt und die Kapazitäten bestehender Anlagen beispielsweise in Hamburg oder Nordrhein-Westfalen bereits ausgelastete seien, habe man schon Kontakt mit einigen größeren Abwasser-Entsorgern in Südniedersachsen aufgenommen, um sich gemeinsam Gedanken über eine Klärschlamm-Verbrennung zu machen. Hier wäre eine gemeinsamfinanzierte oder über einen gewerblichen Partner betriebene Klärschlamm-Verbrennungsanlage als Lösung des Problems denkbar.



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