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Reiche Obsternte und Mast in den Wäldern

Keiner muss in den sauren Apfel beißen

HAMELN-PYRMONT. In einen sauren Apfel beißen muss in diesem Jahr im wahrsten Sinne des Wortes niemand. „Die Äpfel haben in diesem Jahr 1,5 bis zwei Prozent mehr Zucker als in den Vorjahren, sie sind deutlich süßer als sonst, haben weniger Säure“, sagt Christoph Wedeking, auf dessen Plantagen 53 000 Obstbäume stehen.

veröffentlicht am 23.09.2018 um 15:52 Uhr
aktualisiert am 23.09.2018 um 17:50 Uhr

Äpfel gibt es in Hülle und Fülle in den Gärten und auf den Plantagen. Ob sie lange lagerfähig sind, muss sich herausstellen. Foto: sto

Autor:

PETER JAHN
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Auf dem Hamelner Wochenmarkt bilden sich allerdings in diesem Jahr am Verkaufswagen des Obstbauern aus Vornhagen trotzdem keine langen Schlangen. „Die Kunden essen erst einmal das Obst aus den eigenen Gärten und das gibt es in diesem Jahr in Hülle und Fülle. Das habe den Umsatz seit Ende August deutlich zurückgehen lassen, das Verhalten sei aber natürlich nachvollziehbar, so Wedeking.

Überreich ist auch die Ernte bei Kirschen, Pflaumen, Zwetschen, Mirabellen und Birnen ausgefallen, die Quittenbäume tragen derzeit noch schwer an ihrer Last. „Wir beginnen jetzt mit dem Pflücken der späten Sorten, das war sonst Mitte Oktober der Fall. Es ist ein Jahr mit einem ungewöhnlich hohen Obstertrag. Die Blüte ist nicht wie im Vorjahr verfroren, die Bestäubung war optimal und dann das durchgehend schöne Wetter bis zur Ernte“, sieht Wedeking als Grund für die Masse an Obst. Für seine Berufskollegen und ihn bedeute das, einen langen Atem zu haben, denn „der Apfelmarkt ist derzeit vollkommen zusammengebrochen, die Preise sind im Keller. Möglicherweise ändere sich die Situation in einigen Monaten, „denn für Privatleute ist es schwierig, die Äpfel lange zu lagern. Da haben wir Erzeuger andere Möglichkeiten und können dann hoffentlich unsere Läger öffnen, wenn der Apfel wieder gefragt ist.“

Spätestens im nächsten Herbst dürfte die Nachfrage nach Äpfeln das heimische Angebot übertreffen, mutmaßt Wedeking. „Höchstwahrscheinlich wird die Ernte 2019 deutlich geringer als in diesem Jahr. Die Alternanz, also ein geringer Ertrag nach einem Jahr, in dem die Bäume schier unter ihrer Last zusammenbrechen, dürfte viele Obstanbauer treffen“, führt er aus. Unter Alternanz versteht man die Schwankung des Fruchtertrages im zweijährlichen Rhythmus an Obstbäumen.

2 Bilder
Ein Mastjahr - die Eichen im Wald hängen voller Früchte. Foto: PJ

2018 wäre ohnehin ein gutes Obstjahr gewesen. Nichts Ungewöhnliches also? Wenn da nicht im Vorjahr viele Blüten verfroren wären. Die Bäume steckten wenig Energie in die Ausbildung von Früchten. Mit der Folge, dass sie ausruhen und neue Blütenknospen anlegen könnten.

Ackerbauern klagen über eine schlechte Ernte. Die Erträge sind gering ausgefallen. Schuld sind Hitze und Trockenheit. Ganz anders sieht es beim Obst und anderen Baumfrüchten aus. Und dass dies so ist, erklären Fachleute so: Die gute Ernte ist auf die Wärme im Frühjahr und Sommer zurückzuführen. Erinnern wir uns ans Frühjahr mit seiner Blütenpracht. Ein Baum hat schöner geblüht als der nächste.

Bereits zehn Prozent einer Vollblüte reichen für einen guten Ertrag aus. Kein Frost im Frühjahr ist auch für Dr. Behrndt vom Niedersächsischen Forstamt in Hessisch Oldendorf ein Grund für die reiche Fruchtbildung im Wald. Ist es kalt, dann ist der Pollenflug geringer und es sind weniger Insekten unterwegs, die für eine Befruchtung sorgen. Die Mastjahre – dieser Ausdruck stammt aus der Zeit, als noch Schweine zum Fressen unter die Waldbäume getrieben wurden – scheinen zuzunehmen. Womit dies zusammenhängt, darüber gibt es Theorien. Ob es einem vermehrten Stress der Bäume oder dem Klimawandel zugeschrieben werden muss, ist nicht abschließend geklärt.

Im Mastjahr, wenn Millionen Bucheckern auf dem Waldboden liegen, finden viele Waldtiere satte Nahrung. Für die Bäume selbst hat das Mastjahr sowohl Vor- aber auch Nachteile. Viele Samen fallen auf fruchtbaren Boden, andererseits kostet die Fruchtbildung viel Energie. Das bedeutet, dass das Wachstum gebremst, die Bäume geschwächt und damit anfälliger für Schädlinge, Trockenheit und andere negative Einflüsse sind.



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