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Fehlende Rettungsgasse sorgt für Stress und kostet wertvolle Zeit

Keine Rettungsgasse bei A2-Crash: Frust bei den Einsatzkräften

AUETAL. Zwei schwere Unfälle auf der Autobahn 2 im Bereich der Gemeinde Auetal in nur einer Woche – und beide Male fehlte die Rettungsgasse. Die Feuerwehrleute und Einsatzkräfte des Rettungsdienstes sind frustriert und sauer. Die Strafen müssten verschärft und rigoros durchgesetzt werden, fordern daher viele.

veröffentlicht am 23.06.2017 um 16:26 Uhr
aktualisiert am 23.06.2017 um 16:58 Uhr

Mit dem Gerätewagen kommt der Feuerwehrmann nach einem Unfall auf der Autobahn 2 gerade so zwischen den Lkw hindurch. Für die großen Einsatzfahrzeuge ist die Gasse jedoch zu schmal. Foto: la
Kerstin Lange

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Kerstin Lange Redakteurin zur Autorenseite
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„Wir haben uns beim letzten Einsatz zwei Fahrzeuge beschädigt, weil es einfach viel zu eng war. Ein Spiegel ist abgebrochen und einen Lackschaden hat es an den Löschfahrzeugen gegeben“, erzählt Stefanie Kautscha von der Feuerwehr Rehren-Westerwald. Aber das sei nicht das eigentliche Problem. „Wir werden mit der Meldung Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person alarmiert, eilen so schnell es geht zum Feuerwehrgerätehaus, springen in unsere Einsatzkleidung und in die Fahrzeuge, und wenn wir auf der Anfahrt zur Unfallstelle sind, sehen wir schon den Rettungshubschrauber über der Autobahn kreisen.

Spätestens dann ist klar, dass es hier um jede Minute geht. Hochkonzentriert und so schnell es irgendwie geht, werden die Einsatzfahrzeuge zur Unfallstelle gesteuert – und plötzlich müssen wir stoppen, weil vier Lastwagen alle drei Spuren blockieren.“ Da schlage die Konzentration in Wut um. „Man will helfen und weiß, dass man dringend gebraucht wird, aber man ist hilflos und kann nichts machen“, so die Feuerwehrfrau. Stephan Meier, Ortsbrandmeister der Stützpunktwehr Rolfshagen, ist aus dem Einsatzfahrzeug gesprungen und hat die Fahrer von Sattelzügen und Pkw dazu aufgefordert die Rettungsgasse zu bilden.

„Ich musste unsere Leute einweisen, damit sie mit den Feuerwehrfahrzeugen überhaupt durchkamen. Die Lkw standen sogar in der dritten Reihe und sind nicht ein Minimum an die Seite gefahren“, so Meier.„Und während wir darauf warten, dass die Auto- und Lastwagenfahrer Platz machen, kreisen unsere Gedanken um das Unfallopfer, das eingeklemmt in seinem Führerhaus auf unsere Hilfe wartet. Das ist kaum auszuhalten“, beschreibt Kautscha. Verärgert sind die Feuerwehrleute auch darüber, dass der Fahrer des Einsatzfahrzeuges, bei dem der Spiegel abgebrochen wurde, bei der Polizei seinen Führerschein vorzeigen musste, die Ignoranten der Rettungsgasse aber nicht zur Verantwortung gezogen wurden. Ein Polizist vor Ort stellte dazu fest, dass sich das bei dem geringen Bußgeld nicht lohnen würde: „Das macht mehr Papierkram, als dass es etwas bringt.“

„Die Strafen müssen verschärft und dann auch ohne Wenn und Aber geahndet werden“, meint der Auetaler Gemeindebrandmeister Michael Möller. „Und Lkw haben auf der dritten Spur überhaupt nichts zu suchen. Das muss grundsätzlich verboten werden.“ Die Feuerwehrleute würden bei Einsätzen immer im Grenzbereich fahren. „Da geht schon mal etwas kaputt, aber wenn das wegen der Sturheit einiger Verkehrsteilnehmer geschieht, dann ist das ein zusätzliches Ärgernis und eine weitere Belastung für unsere Leute, die ohnehin schon unter erheblichem psychischem Druck stehen“, so Möller. „Immerhin sind das alles Ehrenamtliche und was passiert, wenn die alle nicht mehr rausfahren, weil sie einfach genug haben oder wenn immer erst gewürfelt wird, wer beim nächsten Einsatz ans Steuer geht und unter Umständen das Auto kaputt fährt?“

Der Auetaler Gemeindebrandmeister spricht sich klar für deutlich höhere Strafen aus, für ein Überholverbot für Lkw, vor allem in den unfallträchtigen Bereichen der A 2, und für mehr Werbung für die Rettungsgasse. „Österreich sollte uns dabei ein Vorbild sein. Hier kostet es gut 2000 Euro, wenn man keine Rettungsgasse bildet. Außerdem gibt es entlang und direkt auf der Autobahn immer wieder riesige Hinweisschilder und Plakate, wie die Rettungsgasse funktioniert. Die ständige Wiederholung scheint wirklich etwas zu bringen, denn es ist den Verkehrsteilnehmern tiefer im Bewusstsein“, sagt Möller.

Einen ersten Schritt hat die Bundesregierung getan. Der Bundesrat billigte kürzlich abschließend ein Gesetz, das „Behinderung von hilfeleistenden Personen“ unter Strafe stellt. Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe soll belangt werden, „wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not Hilfeleistende der Feuerwehr, des Katastrophenschutzes oder eines Rettungsdienstes behindert“. Wer keine Rettungsgasse bildet, kann dafür also in den Knast wandern. „Das wäre ein Signal“, glaubt Möller. Er hofft aber, dass die Verkehrsteilnehmer auch so kapieren, dass bei Einsätzen jede Minute zählt.

Mein Standpunkt
Kerstin Lange
Von Kerstin Lange

Ich wünsche niemandem etwas Schlechtes, aber manchmal denke ich doch, dass die Ignoranten der Rettungsgasse selbst einmal – nur für ein paar Minuten und nur leicht verletzt – in einem Unfallfahrzeug sitzen und auf Hilfe warten sollten. Ganz sicher würden sie ihr Verhalten dann sehr schnell ändern.

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