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Beveraner Paul Radicke mit dem Verdienstkreuz ausgezeichnet

Kampf gegen das Vergessen

Bevern (rei). Die Vergangenheit hat Paul Radicke nie losgelassen. 1947, mit knapp 19 Jahren, wurde der heute 81-Jährige in seiner Heimat Köthen quasi „von der Straße weg“ verhaftet. Der Grund: Die Weitergabe eines Spottgedichtes über die sowjetische Besatzungsmacht und die SED. Ein sowjetisches Militärtribunal verurteilte ihn zu zehn Jahren Arbeitslager. Sechs Jahre und acht Monate verbrachte der junge Mann hinter Gittern, davon zweieinhalb Jahre im ehemaligen NS-KZ Sachsenhausen, das nach dem Krieg nahtlos von den Sowjets als sogenanntes Speziallager weitergenutzt wurde. Zuvor war er in Lagern des sowjetischen Staatssicherheitsdienstes in Dessau und Halle untergebracht, später dann in den DDR-Strafvollzugsanstalten Untermaßfeld, Brandenburg-Görden und Waldheim.

veröffentlicht am 26.10.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 10:21 Uhr

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Hunger und Tod waren in diesen Jahren allgegenwärtig. Nach der Freilassung flüchtete er über West-Berlin in die BRD. In Bevern fand Paul Radicke eine neue Heimat. Neben Beruf und Familie widmete er sich dem Gemeinwohl: Von 1981 bis 1996 als FDP-Ratsmitglied, davon einige Jahre als stellvertretender Bürgermeister, und er gehört zu den Mitbegründern des Freundeskreises Schloss Bevern. Nach dem Fall der Mauer 1989/90 begann für ihn eine Phase seines Lebens, über die er selbst nur staunen kann.

Als Zeitzeuge widmete er sich fortan der Aufgabe, die stalinistisch-kommunistischen Verbrechen anzuprangern und für ein würdiges Gedenken an die Opfer zu sorgen. Er verließ sich nicht nur auf sein phänomenales Gedächtnis, er vergrub sich auch in Akten: Und so „fand“ er beispielsweise 1998 die in Untermaßfeld in den Jahren 1950/51 verstorbenen Häftlinge, deren Urnen 1968 anonym auf dem Parkfriedhof Meiningen verscharrt wurden. Eine zentrale Rolle in seinem Kampf gegen das Vergessen spielte jedoch das ehemalige KZ Sachsenhausen in Brandenburg. 14 Jahre war er stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen.

Einen passenderen Rahmen konnte es für die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Paul Radicke daher auch kaum geben: Sie fand im Rahmen der Gedenkfeier anlässlich des 65. Jahrestages der Wiederinbetriebnahme des KZ Sachsenhausen in der Fachhochschule der Polizei in Oranienburg vor rund 200 geladenen Gästen statt.



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