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Was Dewezet-Sommerabenteurer auf der Abraumhalde und in der K+S-Fabrik bei Bokeloh erleben

Kalimandscharo – ein Berg wird grün

Bokeloh. Kalimandscharo wird er liebevoll genannt. Er ist ein Wahrzeichen der Region Steinhuder Meer. Weithin sichtbar überragt der bis zu 174 Meter hohe Berg das ihm zu Füßen liegende platte Land. Segler schätzen ihn als „Wetterpropheten“: „Wenn der Berg leuchtet, wird das Wetter gut“, sagen sie. Dafür soll es sogar eine physikalische Erklärung geben; denn dieser Berg ist kein gewöhnlicher Berg, sondern ein Salzberg. Genauer gesagt: die Abraumhalde des bei Bokeloh gelegenen Werkes Sigmundshall der K+S GmbH, wo die kommerziell nicht verwertbaren Überreste der Kalisalzproduktion landen. Hier, vor den Toren von Bokeloh, werden rund um die Uhr Rohsalze aus dem Bergwerk gefördert, laufen auf der Abraumhalde ständig die Bänder. Hier kommt man normalerweise nicht rauf. Sieben Dewezet-Sommerabenteurer aber durften das gestern.

veröffentlicht am 24.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 04:21 Uhr

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Autor:

Karin Rohr
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Dr. Reinhard Noack, Leiter der KCL-Produktion, und sein Kollege Thomas Vogel empfangen die Leser und „füttern“ sie in den nächsten drei Stunden mit ebenso fachkundigen wie spannenden Informationen zum Salzabbau in der Grube, zu Fabrikbetrieb und Produktionsverfahren. Die kleine Gruppe erfährt, wie viele Tonnen täglich gefördert werden und was später mit dem Salz passiert.

Zunächst wird Kalimandscharo erklommen, nicht zu Fuß, versteht sich, sondern im PS-starken Kleintransporter: Auf einer unwegsamen Piste, die die Spuren von schwerem Arbeitsgerät trägt, geht’s steil bergauf. „Hier wollen alle hoch“, erzählt Noack, „wenn es alle zwei Jahre einen Tag der offenen Tür gibt.“ Dann steht die Produktion still, werden die Besucher Gruppe für Gruppe nach oben gefahren – denn: Der Ausblick ist sensationell. „Ein Traum“, schwärmt Stephanie Hülsemann, der der Anblick von Kalimandscharo aus ihrer Kindheit in Heidorn vertraut ist, aber auf dem Berg war sie noch nie. Auch die anderen Sommerabenteurer staunen: In der Ferne glitzert das Steinhuder Meer in der Sonne, ist der Fliegerhorst von Wunstorf zu sehen, formieren sich Felder, Wiesen und Dörfer zu einer Spielzeuglandschaft, in der emsiges Treiben herrscht. Hier oben aber, in dieser wüstenartigen Einsamkeit, ist es ungewöhnlich still. Nur der Wind fegt über den Berg. Erst ab Windstärke 7 stehen die Bänder still, erfahren wir. Unter unseren Füßen fühlen sich die Steinsalze – Rückstände der Fabrikproduktion, die hier aufgehalded wird – tatsächlich hart wie Stein an.

Wieder unten, wird mit dem Wagen der Berg umrundet. An einer Flanke trägt er schon grün. Damit Niederschläge möglichst wenig Salze auflösen können, wird die Halde abgedeckt und begrünt, erklärt Noack: „100 Pflanzenarten haben sich hier schon angesiedelt.“ Die Glanzmelde, die extrem salzliebend ist, sei immer die erste: „Danach folgt Ringelgras.“ Die knapp 100 Weinstöcke, die ein Kollege pflanzen ließ, sind eher ein Kuriosum, gedeihen aber. Spannend wird’s dann auch in der Fabrik, wo Noack die Produktionsabläufe erklärt – von der elektrostatischen Aufbereitung über die Heißverlösung bis zur Flotation. Das meiste wird elektronisch gesteuert: Im zentralen Leitstand haben zwei Mitarbeiter die Produktionsabläufe rund um die Uhr im Auge. „250 Leute arbeiten hier über Tage“, erklärt Noack. Unten, in der Grube, zu der kein Unbefugter Zutritt hat, sind weit über 400 Bergleute tätig – bei Temperaturen bis zu 60 Grad Celsius in 1400 Metern Tiefe. Knochenarbeit. Die je nach „Wetter“ unter Tage nur wenige Stunde und mit viel trinken geleistet werden kann. Dass die Fabrik seit 1905 Rohsalze fördert, über ein eigenes Kraftwerk verfügt, täglich 4000 Tonnen produziert, die über Werkszüge abtransportiert und zum Teil an der Verladestation Sachsenhagen am Mittellandkanal verschifft werden, erfahren wir. Die Sommerabenteurer sind beeindruckt – und entgeistert, als Noack sagt: „2020 ist vermutlich Schluss.“ Und Sigmundshall Geschichte. „Es gibt nicht mehr genug Halderaum“, nennt Noack als einen Grund. Aber auch nicht mehr unbegrenzt Rohstoff.

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Die Abraumhalde wird dann komplett abgedeckt. Und Kalimandscharo grün.

Auf Kalimandscharo: Dr. Reinhard Noack erläutert den Sommerabenteurern den Kalibergbau und die Produktion. In der Ferne sieht man das Steinhuder Meer,

Fotos: kar



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