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113 Jahre und doch nicht zum alten Eisen: Historisches Weserschiff erhält an der Elbe eine Grundsanierung

„Kaiser Wilhelm“ dampft bald wieder

Mit Schäden am eigenen Rumpf musste er es immer wieder aufnehmen. Außerdem mit Geldnöten, mit vereinsinternen Querelen, schließlich mit einer unzufriedenen Mannschaft, die teils abmusterte und von Bord ging. Stürmische Zeiten für den alten Raddampfer „Kaiser Wilhelm“, der einst auf der Weser zwischen Hannoversch Münden und Hameln verkehrte und weltweit einer der letzten im weitgehend original erhaltenen Zustand ist. Seit 1970 ist er als Museumsdampfer zwischen Lauenburg und Bleckede im Einsatz. Und seit Jahren stehen er und seine Betreiber unter Druck. Obwohl hin und wieder sogar von einer Stilllegung die Rede war: Die Schwachstellen wurden repariert, der Fahrbetrieb konnte, wenn mitunter auch eingeschränkt, immer wieder weitergehen.

veröffentlicht am 11.11.2013 um 18:07 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 03:41 Uhr

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Autor:

von alda maria grüter
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So dampft er denn noch immer auf der Elbe, der „Kaiser Wilhelm“. 113 Jahre hat das Schiff auf dem Kiel. Im September hat es die 43. Saison hinter sich gebracht, diesmal allerdings nur an vier Wochenenden insgesamt 863 zahlende Ausflügler spazieren gefahren. Jetzt hat der Dampfer sein Winterquartier bezogen, wo er einer umfassenden Reparatur unterzogen wird. Er soll künftig Kurs auf ein ruhigeres Fahrwasser nehmen. Während der jüngsten Versammlung des Vereins zur Förderung des Lauenburger Elbschifffahrtmuseums und Eigentümers des Fahrzeugs sei „ein handlungsfähiger Vorstand gewählt worden, der auch Aufträge vergeben darf“, sagt der Vorsitzende Markus Reich. Vor Ort, in der Hitzler-Werft in Lauenburg, werde klar Schiff gemacht. Fit für die nächsten Jahre soll „Kaiser Wilhelm“ die Werft im kommenden Jahr verlassen, blickt Reich optimistisch in die Zukunft. „Wir gehen fest davon aus, dass pünktlich am 1. Mai 2014 die neue Saison beginnen kann und ein voller Fahrbetrieb an zehn Wochenenden angeboten wird.“

Möglich macht es eine Finanzspritze aus Berlin: Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat dem Förderverein 400 000 Euro für die Grundsanierung zugesagt. Sie umfasst unter anderem Arbeiten am Schiffsboden und an der Dampfmaschine. „Ziel der Restaurierung ist, die Funktionstüchtigkeit des Schiffes zu erhalten“, erläutert Reich. Um weiterhin „sicher fahren zu können“, werde der Verein allerdings immer wieder Geldkanäle anzapfen müssen. Denn auch künftig würden Instandsetzungsarbeiten fällig sein, um das historische Objekt, für das Sonderbestimmungen gelten, in seiner Einzigartigkeit erhalten zu können. Schließlich sei es einer der letzten noch fahrenden und mit Kohle befeuerten Schaufelraddampfer Deutschlands.

Technik aus einem vergangenen Jahrhundert fährt heute noch mit, wenn das 57,20 Meter lange Denkmal auf der Elbe seine Rundfahrten macht. Reich erklärt: Mit dem vom Förderverein geführten Schifffahrtsarchiv und dem Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ als schwimmendem Museumsobjekt bilde das unter der Trägerschaft der Stadt Lauenburg geführte Elbschifffahrtsmuseum eine Einheit, die sich national und international einen sehr guten Ruf erworben habe. Dabei sollte das Flaggschiff, das zuvor in anderen Gewässern unterwegs war, schon vor 44 Jahren auf dem Schrottplatz landen – wäre es nicht nach Lauenburg geholt worden. Die dortigen Dampferfreunde kauften das Schiff, brachten es auf Vordermann für Ausflugsfahrten auf der Elbe.

2 Bilder
Raddampfer waren immer eine besondere Attraktion: Dieses historische Bild zeigt das Passagierschiff „Kaiser Wilhelm“ mit viel Publikum. pr

Ein Blick zurück in die wechselvolle Geschichte des „Kaisers“: Der Dampfer wurde im Auftrag der Oberweserdampfschifffahrt des Hamelner Wesermühlen-Besitzers F. W. Meyer ab 1899 in der Dresdner Maschinenfabrik und Schiffswerft AG gebaut. Am 20. Mai 1900 lief das Schiff vom Stapel. Es wurde über die Elbe und die Nordsee auf die Weser überführt. 1910 wurde die „Kaiser Wilhelm“ um zehn Meter verlängert. Bis Spätsommer 1970 war sie von der Oberweser-Dampfschifffahrt im Liniendienst eingesetzt, doch dann endete diese Ära.

„Wir waren damals natürlich sehr daran interessiert, dass man das Schiff nicht verschrottete“, sagt Reich. Es sei ein Vorzeige-Exponat, das die Sammlung des Elbschifffahrtsmuseums bereichere. Vor 44 Jahren trat der Weserdampfer dann die rettende Reise ins schleswig-holsteinische Lauenburg an: Über den Mittellandkanal und die Elbe, durch die damalige DDR, ging es unter eigenem Dampf gen Norden, wo das Schiff am 25. Oktober 1970 eintraf. „In Lauenburg war die Schifffahrt mit Raddampfern bereits 1961, nach mehr als 100 Jahren, eingestellt worden“, erzählt Reich. Mit der „Kaiser Wilhelm“ sollte die alte Tradition an der Elbe wieder aufleben.

Das letzte Kapitel des Raddampfers sei noch längst nicht geschrieben, betont Reich. Auch, weil immer wieder neue Unterlagen auftauchen. Wie etwa jetzt historische Originalfotos von dem Raddampfer und eine Aufnahme von 1900, die den ersten Kapitän August Kleemann (1855-1917) zeigt. Dessen Urenkel Klaus Doerhage aus Kiel hat sie dem Museum zur Verfügung gestellt. Seine Mutter Ilse erzählt, dass ihr Ehemann Karl, der 1970 auf der letzten Fahrt des Raddampfers auf der Weser als Gast an Bord war, Bilder von der „Kaiser Wilhelm“ gesammelt habe. Immer wieder seien diese Erbstücke an die Verwandten weitergegeben worden, erinnert sich die 88-Jährige aus Hannoversch Münden-Gimte. Den Heimathafen haben diese Fotos nun erreicht. Markus Reich: „Sie werden unsere Dokumentation weiter vervollständigen.“

Stolze 113 Jahre alt, über 57 Meter lang, technisch etwas ganz Besonderes: Der Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ – einst für die Weser gebaut – fährt seit vielen Jahren auf der Elbe. Ein Schiffsausflug.



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