weather-image
22°
Erntemaschinen arbeiten effektiver – Fruchtertrag fällt dementsprechend höher aus

Immer mehr Hightech fährt mit

Weserbergland. Kolosse mit gigantischer Arbeitsbreite, die per Joystick und Touchscreens übers Feld rollen und Autopiloten, die aufs Genaueste das Spurenhalten ermöglichen, Computer, die jede Leistung der Maschine präzise berechnen und Satelliten-Navigation, die die Fahrt auf dem Acker überwacht… Wenn der Landwirt die Ernte einholt, fährt immer mehr Hightech mit. „Die heutigen landwirtschaftlichen Maschinen arbeiten effektiver und der Fruchtertrag fällt dementsprechend höher aus“, sagt der Mann in der Fahrerkabine, der mit Nachnamen Stille heißt, jetzt aber gegen das Dröhnen des Dreschers laut anreden muss. Still ist es im Cockpit nicht gerade, dafür aber kühl. Heinrich-Wilhelm Stille schaltet die Klimaanlage höher. Die 30 Grad, die draußen herrschen, können den Landwirt aus Bisperode nicht ins Schwitzen bringen. Hightech sei schon von Vorteil, sagt der 55-Jährige. „Gerade, wenn man 15 Stunden täglich die Ernte einfährt.“ Die Gerste ist bereits eingeholt, zurzeit ist die Rapsernte in vollem Gange, danach folgen Roggen und Weizen. Der Rotordrescher, der vor acht Jahren 235 000 Euro gekostet hat und den sich Heinrich-Wilhelm Stille mit zwei weiteren Landwirten teilt, ist zwar nicht wie die moderneren Modelle mit einer automatischen Lenkung oder einer GPS-Steuerung ausgestattet. „Da werden wir aber zwangsläufig noch hinkommen, wenn wir die Maschine austauschen müssen“, sagt Stille. Doch auch dieser Drescher kann einiges an technischer Raffinesse vorweisen. Der Landwirt checkt Einstellungen und Daten auf den Displays: Trommelabstand 50 Millimeter und 830 Umdrehungen pro Minute, das Reinigungsgebläse zeigt 890 Umdrehungen pro Minute an, die Siebe sind richtig eingestellt… Schon brummt der 380-PS-Diesel-Motor. Bei sechs Stundenkilometern und mit erstaunlicher Wendigkeit zieht der Rotordrescher seine Bahnen über das Rapsfeld. Das 6,50 Meter breite Schneidewerk greift die Rapsstängel, die Feldfrucht wird von der Einzugswalze geschnappt und durch einen Kanal in die Maschine befördert. Unter dem Fahrersitz befindet sich die Dreschtrommel, die die sprichwörtliche „Spreu vom Weizen“ trennt. „Die Körner fallen auf ein Sieb und gelangen schließlich in den Korntank“, erläutert Stille weiter. Stroh und blassgelber Staub wirbeln hinter der schmutzigen Panoramascheibe auf. Der Schmutz käme vom hohen Ölanteil des Rapses, erklärt Stille.

veröffentlicht am 07.08.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 09:21 Uhr

270_008_6521744_lkcs104_0808.jpg

Autor:

Alda Maria Grüter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Am Feldrand steht Heinrich Flachsbart mit Traktor und Anhänger und wartet auf die nächste Ladung Raps. Stille bugsiert den Drescher Richtung Anhänger, seitlich fährt ein Rohr aus, und ein Schwall pechschwarzer, reifer Rapskörner landet im Anhänger. „Der heimische Raps bleibt im Land, wird also nicht exportiert“, sagt Markus Stukenbrock. Ohnehin müsse Deutschland Raps einführen, um den Bedarf decken zu können. Der 33-jährige Agrarökonom arbeitet in einem Beratungsbüro in Göttingen, den elterlichen Betrieb in Bisperode will er aber bald von seinem Vater Karl-Johann Stukenbrock übernehmen. Mit Ernterekorden rechne er in diesem Jahr nicht. Dennoch: „Unsere Rapserträge sind gut durchschnittlich.“ Allerdings bestimmen effektive Arbeitsmethoden und moderne Maschinen allein nicht das Ergebnis. Letztlich hänge es vom Wetter ab. „Im Mai gab es viel Regen, das kam dem Raps zugute“, sagt Markus Stukenbrock. Die wetterbedingte späte Aussaat und das kalte Frühjahr hingegen hätten Kartoffeln und Zuckerrüben hart zugesetzt, dementsprechend liegen die Erträge unter denen der vergangenen zwei Jahre. Eine andere schlechte Nachricht: „In den letzten drei Wochen sind die Rapspreise massiv gefallen.“ Das hänge damit zusammen, dass Raps ein Substitut zur Sojabohne aus den USA sei: „Dort erwartet man eine gute Ernte, das heißt, dass unsere Preise fallen.“ 2012 lag der Preis für eine Tonne Raps noch bei 485 Euro. Zurzeit sind es nur 325 Euro. Heinrich-Wilhelm Stille lenkt den Rotordrescher unterdessen weiter über den Acker. Das trockene, warme Wetter muss ausgenutzt werden: In knapp zwei Stunden ist das fünf Hektar große Feld abgeerntet. Der Ertrag: Rund 20 Tonnen Raps, die in ein Zwischenlager und dann per Lkw zu einer Ölmühle in Hamm transportiert und dort geschlagen werden. Für den Landwirt ist die Arbeit auf dem abgeernteten Rapsfeld allerdings noch nicht abgeschlossen: Zwei- bis dreimal werden die übrig gebliebenen Stoppeln bearbeitet, um spätestens Anfang Oktober Weizen aussäen zu können.

Ein Video finden Sie ab Mittag im Internet.

270_008_6521737_lkcs103_0808.jpg
  • Die Gerste ist eingeholt, zurzeit ist die Rapsernte in vollem Gange.


Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare