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Sechs Wochen weniger Unterricht: Konsequenzen für Lehrer, Erstklässler und Schulabgänger

Im Zeitraffer durchs neue Schuljahr

Weserbergland (ww). Ab heute steht wieder Büffeln statt Badesee auf der Tagesordnung: Nach sechs Wochen Sommerferien starten auch die Schüler im Landkreis Hameln-Pyrmont ins neue Schuljahr – in eines der Kürzesten seit der Schulreform 1966/67. Die Schüler freut‘s, könnte man meinen. Doch nicht allen zaubert der Gedanke daran, dass zwischen erstem und letztem Schultag gerade einmal 34,5 Wochen liegen, ein verzücktes Lächeln ins Gesicht.

veröffentlicht am 03.09.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 03:41 Uhr

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„Wir haben letztens mit Schrecken festgestellt, dass die Zeugnisse für die Viertklässler in diesem Jahr bereits Ende Mai fertig sein müssen“, berichtet Günter Ehling, Schulleiter der Grundschule Kirchohsen. Die Schüler der 4. Klassen wechseln zum nächsten Schuljahr auf eine weiterführende Schule, brauchen für die Anmeldung an der Haupt-, Real- oder Oberschule oder am Gymnasium eine Lehrerempfehlung und ihre Notenübersicht. „Dementsprechend früh finden im kommenden Jahr die Zeugniskonferenzen statt“, sagt Ehling, „und damit zwischen Feststehen der Noten und Ferienbeginn kein Leerlauf entsteht, lassen wir das Schuljahr gern mit Klassenfahrten, Radfahrprüfung oder Ähnlichem ausklingen“.

Der Beginn der gerade zurückliegenden Sommerferien war – um den Reiseverkehr zu entzerren, da am 26. Juli beziehungsweise 1. August 2012 auch die Ferien in den bevölkerungsreichen Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern begannen – auf Montag, 23. Juli, vorgezogen worden. Der erste Schultag fällt daher in diesem Jahr ebenfalls auf einen Montag und nicht, wie es in den Vorjahren die Regel war, auf einen Donnerstag. Das hat auch Einfluss auf den Einschulungstermin der Erstklässler: Um das ohnehin extrem kurze Schuljahr nicht noch um eine weitere Woche zu verkürzen, hatte die niedersächsische Landesregierung festgelegt, dass die Aufnahme der Grundschüler im Zeitraum von Samstag, 1. September, bis Mittwoch, 5. September, erfolgen soll. In Ausnahmefällen konnte sich auch auf den Samstag nach Schulbeginn geeinigt werden.

„Diese Termine wurden an unserer Schule kontrovers diskutiert“, erklärt der Emmerthaler Schulleiter, immerhin gebe es viele berufstätige Elternteile, die diesen für ihre Kinder so wichtigen Tag gern feiern würden. Auf der anderen Seite bedeute eine Einschulung am 8. September eine weitere Woche Betreuungszeitraum, der überbrückt werden müsse. „Wir haben uns nun auf Mittwoch, 5. September, als Einschulungstermin geeinigt“, sagt Ehling.

Der Termin für die Entlassung der Realschul-Absolventen orientiert sich wie in jedem Jahr am Stichtag für den Ausbildungsbeginn, dem 1. August. Um den gesetzlich vorgeschriebenen Urlaub vor Antritt der Lehrstelle zu garantieren, werden die Zehntklässler drei Wochen vor Ausbildungsbeginn von der Schule verabschiedet, unabhängig davon, wann die Ferien beginnen. „Im Schuljahr 2011/12 fand die Abschlussfeier am 29. Juni statt, die Ferien begannen am 23. Juli. In diesem Jahr verabschieden wir unsere Absolventen am 21. Juni, also nicht wesentlich früher“, erläutert Rektorin Ingeburg Schröder. „Dementsprechend finden auch die Abschlussprüfungen wie im letzten Schuljahr Mai und Juni statt. Richtig stressig wird es für die 10. Klassen daher nicht.“

Etwas problematisch könnte die knappe Unterrichtszeit für die sogenannten Langfächer werden, für Fächer wie Mathematik, Deutsch und Englisch: „Das Schuljahr 2012/13 ist sechs Wochen kürzer als es Schuljahre normalerweise sind, und sechs Wochen weniger bedeuten den Wegfall einer ganzen Unterrichtseinheit“, sagt Schröder. „Eventuell wird an der einen oder anderen Stelle etwas gekürzt werden müssen, was allerdings weniger die Schüler als vielmehr die Lehrer belasten wird.“ Diese würden wegen des hohen Termindrucks ohnehin stark strapaziert, gerade in den Wochen vor den Sommerferien, wenn Zeugniskonferenzen, Abschlussfeiern etc. anstehen. „Da wird es noch ein heftiges Gedränge geben“, vermutet die Schulleiterin, „das Ganze ist vom Kultusministerium einfach furchtbar geplant“.

„In der Vergangenheit hatten wir, was die Ferientermine angeht, immer relativ verlässliche Konstellationen“, erklärt der Schulleiter des Hamelner Schiller-Gymnasiums, Andreas Jungnitz. „Drei Jahre lang begann das Schuljahr früh, drei Jahre lang spät. In den kommenden Jahren werden wir aber wohl mit dieser Berg- und Talfahrt leben müssen.“ Manche Zeitplanung werde dann eben enger, manche Großveranstaltung verkneife man sich lieber, der Puffer, den es durch Projekttage und -wochen in jedem Schuljahr gebe, werde knapper gehalten. „Das ist aber alles machbar, wenn man es im Voraus gut plant, rhythmisiert und strukturiert“, fügt Jungnitz hinzu.

Für die Schüler der 12. Klassen, die 2013 am Schiller-Gymnasium ihr Abitur machen, werde die Prüfungsvorbereitung trotz des kurzen Schuljahres nicht in Stress ausarten. Jungnitz: „Die Anlaufphase wird kürzer sein, die Schüler müssen sich schneller in den Abiturbetrieb hineinfinden – ansonsten ist aber nicht mehr Stoff in weniger Zeit zu bewältigen als in den Vorjahren.“



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