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Keine Wasserstoffzüge wie im Norden

Im Wesertal dieselt es noch bis 2033

HAMELN-PYRMONT. Die Revolution auf Schienen findet zwischen Buxtehude und Cuxhaven statt – nicht im Weserbergland! 81,3 Millionen Euro pumpt das Land Niedersachsen, 8,4 Millionen Euro der Bund in die Region zwischen Weser- und Elbmündung für die ersten Züge mit umweltfreundlichem Brennstoffzellenantrieb.

veröffentlicht am 08.03.2018 um 12:55 Uhr
aktualisiert am 08.03.2018 um 19:17 Uhr

Abgasfreier Zug trifft auf Abgasbetrüger: der weltweit einzigartige Brennstoffzellen-Triebwagen Coradia iLint vor dem VW-Werk in Wolfsburg. Eine in Salzgitter gebaute Flotte von 14 Wasserstoffzügen wird in den nächsten 30 Jahren in Bremervörde beheim
Marc Fisser

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Einziges „Abgas“ der in Salzgitter gebauten Triebwagen vom Typ Coradia iLint ist Wasserdampf – aus der Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff. Wird der Wasserstoff unter Einsatz von Windenergie-Überschüssen produziert, ist es ein echter Beitrag zum Klimaschutz sowie zur Energie- und Verkehrswende. Rund 1000 Kilometer kann der iLint mit einer Tankfüllung zurücklegen; er ist bis zu 140 Stundenkilometer schnell.

14 Exemplare des Modells hat Niedersachsen kürzlich beim Eisenbahnbauer Alstom bestellt. Die Fachwelt schaut nun gespannt in die Provinz zwischen Hamburg und Bremen – im Wesertal dürfte derweil Neid aufkommen. Denn die Entscheidung der Verantwortlichen in Hannover für „das nasse Dreieck“ im Norden als Ort des Pilotprojektes bedeutet zugleich, dass es zwischen Löhne, Bad Oeynhausen, Rinteln und Hameln noch mindestens bis zum Jahr 2033 dieseln wird. Parallel zu dem Brennstoffzellen-Projekt hat die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) nämlich beschlossen, elf auf der Wesertalstrecke seit 2003 verkehrende herkömmliche Coradia Lint 41 bei Alstom in Braunschweig für weitere anderthalb Jahrzehnte fit zu machen. Sie sollen ab Ende 2019 nach und nach runderneuert auf die Strecke gehen.

„Wir sind Treuhänder von Steuergeldern“, erklärt LNVG- Sprecher Rainer Peters. Die wirtschaftliche Nutzungsdauer von Zügen liege bei 30 Jahren, deshalb sei das zur Mitte der Lebensdauer geplante „Redesign“ sinnvoll. Dass im Innenraum künftig LED-Lampen leuchten, drahtloses Internet zur Verfügung steht, Handys und Laptops aufgeladen werden können und Videokameras das Geschehen im Abteil zur Sicherheit aufzeichnen, dürfte den Fahrgästen durchweg gefallen, ebenso die neuen Sitze, der Stellplatz für Rollstühle und der Bereich für Fahrräder. Aber bei den vergleichsweise anzugsschwachen und lauten Dieselmotoren, die sich nachteilig auf den Fahrplan und die Umsteigezeiten auswirken, wird es damit noch lange bleiben.

Die 15 Jahre alten Diesel-Triebwagen der Regionalbahn im Wesertal lässt der Eigentümer, das Land Niedersachsen, aufhübschen – und danach weitere anderthalb Jahrzehnte fahren. Foto: Dana
  • Die 15 Jahre alten Diesel-Triebwagen der Regionalbahn im Wesertal lässt der Eigentümer, das Land Niedersachsen, aufhübschen – und danach weitere anderthalb Jahrzehnte fahren. Foto: Dana

Gleichzeitig plant der Bund – aus übergeordneten Gründen, nämlich der Umfahrung de Knotens Hannover im Falle einer großen Störung – die Elektrifizierung zwischen Elze und Hameln, einer Teilstrecke der Weser- und Lammetalbahn. Werden die blaugelben Triebwagen, die die LNVG als Eigentümer hier der Nordwestbahn als Betreiber zur Verfügung stellt, also unter dem Fahrdraht entlangdieseln? Vielleicht nicht. Für „zirka 2026“ erwartet die Nahverkehrsbehörde „belastbare Aussagen“, ob der Betrieb der Wasserstoffzüge so gut funktioniert, dass diese Technik für andere Diesel-Strecken in Niedersachsen – 45 Prozent des Netzes sind nicht elektrifiziert – übernommen werden sollte. Unabhängig davon müsste kurz darauf überlegt werden, wie im Weserbergland in den 2030er Jahren weiter zu verfahren ist, erklärt Peters. Der Planungsvorlauf sei im Bahnwesen sehr lang. Vielleicht entscheide sich die Behörde für die Brennstoffzellen, vielleicht für einen Batterieantrieb oder für Hybridzüge. „Die Hybridtechnik ist hier interessant, falls die Strecke dann elektrifiziert sein sollte“, betont der Experte. Denn diese Elektrozüge überbrücken eine Lücke beim Fahrdraht per Batterie. Peters schätzt, dass es bis 2033 dauern könnte, bis die 29 Kilometer lange Trasse zwischen Hameln und Elze eine Oberleitung hat. Noch ist die Entscheidung im Bund auch nicht gefallen, die Chancen stehen aber gut, seitdem ein Sonderprogramm für derartige Lückenschlüsse erwogen wird.

Dass Niedersachsen ab diesem Jahr seine ersten Wasserstoff-Flotte an der Küste verkehren lässt, hat laut Peters „strategische und betriebliche Gründe“. Das Land hält die Mehrheit am dortigen Verkehrsunternehmen EVB; und mitten im Netz, in Bremervörde, gebe es eine Werkstatt zur Wartung der Wagen. Das Unternehmen Linde wird dort die weltweit erste Wasserstoff-Tankstelle für Züge errichten und betreiben. Der Vertrag der Beteiligten ist auf 30 Jahre angelegt. Enak Ferlemann (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, freut sich über das Vorzeigeprojekt in seinem Wahlkreis.



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