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Die Gülkes bewirtschaften in sechster Generation ihren Hof – so läuft ihr Jahr

Im Märzen der Bauer …

Ein Bauernhof mitten in Weenzen. Genau so, wie man sich einen Hof auf dem Land vorstellt: ein altes Bauernhaus, einen Stall voller Kühe und Hunde, die einen freundlich begrüßen, sobald man aus dem Auto steigt. Der Hof von Familie Gülke ist ein Familienbetrieb. Drei Generationen wohnen unter einem Dach. Der Mittvierziger Jens Gülke führte zunächst den Hof mit seiner Frau Iris und seinen Schwiegereltern. Das Ehepaar hat vier Kinder: Jörn (22), Cosima (21), Selina (16) und Malte (14). Mittlerweile sind auch die beiden älteren Kinder in den Familienbetrieb eingestiegen. Eine echte Landwirte-Familie.

veröffentlicht am 27.02.2015 um 21:40 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 04:21 Uhr

Autor:

von Anna Weinholt und Nora Menzel
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Jörn wird den Hof einmal übernehmen. Cosima macht im Sommer ihren Bachelor in Agrarwissenschaften, will aber nicht wie ihr Bruder auf dem Hof bleiben. „Entweder ich mache noch einen Master oder ich bekomme einen Job bei der Landwirtschaftskammer“, sagt sie. Wir haben die Gülkes gefragt: Haben die alten Bauernregeln des hundertjährigen Kalenders auch heute noch ihre Gültigkeit?

Dem alten Volkslied nach zu urteilen: „Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt. Er setzt seine Felder und Wiesen in Stand. Er pflüget den Boden, er egget und sät und rührt seine Hände früh morgens und spät.“ Üblicherweise wird jetzt im März die Saat der Rüben gesetzt, im Fachjargon heißt das gedrillt – damit sie von Oktober bis Dezember geerntet werden können. „Bei gutem Wetter kommen ab März auch die Kühe auf die Wiesen“, erklärt Cosima: „Hauptsache, der Boden ist nicht zu matschig, sonst werden die Grasnarben durch die Hufe zerstört. Aber wenn die Temperaturen es zulassen, bleiben die Kühe bis zu drei Monate draußen.“

Familie Gülke hat 75 Milchkühe mit eigener Nachzucht. Alle zwei Tage holt ein Lastwagen 3400 Liter Milch ab. Die Kühe werden morgens und abends gemolken. „Da stehen wir um 6.30 Uhr schon im Stall, damit die Tiere versorgt sind“, meint Jörn. Jedes Tier ist für die Gülkes „wie ein Familienmitglied“ – kein Wunder also, dass alle Kühe einen eigenen Namen haben. „Bestimmte Namen kann ich mir merken, zum Beispiel Himalaya“, grinst Jörn. „Nicht?“, fragt Cosima überrascht und lacht. Denn sie kennt alle – und das, obwohl übers Jahr rund 30 neue Kälber hinzukommen. Die stehen dann zunächst in einem abgetrennten Bereich des Stalls. „Das dient vor allem dazu, dass die Kälber nicht die ganze Milch der Mutterkühe trinken und natürlich zum eigenen Schutz der kleinen, auf den eigenen Beinen noch etwas unsicheren Kälbern“, sagt Cosima.

„Neben der Viehzucht betreiben wir auch noch Ackerbau.“ Weizen, Gerste, Raps, Hafer und Zuckerrüben werden regelmäßig auf insgesamt 260 Hektar Nutzfläche angebaut – auch um die eigenen Tiere versorgen zu können.

Im April fällt neben den täglichen Arbeiten das Düngen von Getreide, Rüben und Mais an, die im Jahr zuvor gesät wurden. Weiter geht es dann im Mai mit dem Abmähen des 80 Hektar großen Grünlandes. Dreimal im Jahr wird daraus Grassilage hergestellt, welches als Futter für die Kühe dient. „Hierbei ist der Aufwand geringer. Und außerdem können die Kühe es besser verdauen als Heu“, sagt Cosima. Die Heuproduktion ist besonders auf gutes und vor allem trockenes Wetter angewiesen. „Sehr ärgerlich ist es natürlich, wenn es am letzten Tag der Heuernte regnet und wir wieder von vorn beginnen müssen“, ergänzt Cosima.

„Während der Haupterntezeit im Spätsommer sind wir auf Hilfe von befreundeten Bauern oder Erntehelfern angewiesen“, gibt Jens zu. Unter anderem müssen dann Weizen und Raps gemäht und weiterverarbeitet werden. Viele Stunden und einige Nächte müssen dann auf dem Mähdrescher verbracht werden, denn größtenteils macht die Familie noch alles selbst.

„Im Oktober beginnen wir dann unter anderem mit den ersten Vorbereitungen für die nächste Aussaat.“ Die Bodenbearbeitung ist ein wichtiger Arbeitsschritt, bei dem Schäden ausgebessert werden. Das klassische Pflügen zum Auflockern des Bodens steigert die Verfügbarkeit von Nährstoffen, damit ein guter Grundstein gesetzt ist. Ebenfalls im Herbst holt Familie Gülke zur Maiserntezeit aufgrund der sinkenden Temperaturen die Kühe von der Weide in den Stall.

Mit dem Beginn des Winters müssen die Zuckerrüben von den Feldern geholt werden. Das Rübenroden und den Abtransport hat die Familie aber komplett abgegeben. „Da lohnt es sich nicht, alles selbst zu machen, weil die nötigen Maschinen einfach zu teuer sind für die Menge an Rüben“, sagt Jörn, während er gemeinsam mit seinem Vater im Kuhstall kräftig fegt. Mit den Rüben neigt sich die Erntezeit dem Ende zu, die Kühe stehen im Stall und Familie Gülke hat in den Wintermonaten ein wenig mehr Zeit. Auch in der letzten Strophe des alten Volksliedes heißt es: „So geht unter Arbeit das Frühjahr vorbei, da erntet der Bauer das duftende Heu; er mäht das Getreide, dann drischt er es aus; im Winter, da gibt es manch’ fröhlichen Schmaus.“ Langeweile kommt allerdings nicht auf, denn auf dem Hof gibt es immer etwas zu tun.

Der Hundertjährige Kalender ist auf dem Hof der Gülkes zwar vorhanden, aber er bestimmt nicht das komplette Jahr der Familie. Ganz nach Jörns Motto: „Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter, oder bleibt, wie es ist.“

Auf die Frage, in der wievielten Generation der Betrieb mittlerweile geführt wird, musste die Familie übrigens erst einmal überlegen. „Da müssen wir mal Oma und Opa fragen, vielleicht wissen die das genauer,“ sagt Jörn und verschwindet aus der Tür. Nachdem die Großmutter zurate gezogen wurde, war klar: Es sind mindestens sechs Generationen gewesen, die auf dem Hof Gülke ihre Arbeit geleistet haben. In dem alten Bauernhaus, mitten in Weenzen.

Bauernregeln sind meist in Reimform gefasste alte Volkssprüche über das Wetter und die Folgen für die Landwirtschaft. Haben die Sprüche heute noch Bestand? Wir haben eine Bauernfamilie besucht – und gefragt.

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