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Politiker beginnen nachzudenken

Im Bummelzug in die Zukunft des Personenverkehrs Löhne–Elze

HAMELN-PYRMONT. Seit zwei Jahren zeichnet sich ab, dass die Bahnstrecke Hameln–Elze elektrifiziert wird. Hameln-Pyrmonts Kreisverwaltung hat die Zeit nicht genutzt, um Pflöcke für einen verbesserten Personenverkehr einzuschlagen. Erst jetzt kommen der Landrat und die heimischen Politiker langsam in Bewegung.

veröffentlicht am 26.11.2018 um 18:38 Uhr

An der Süntelstraße in Hameln – direkt am künftigen Bildungs- und Gesundheitscampus, in der Nähe weiterer Schulen sowie des Behördenzentrums – wünscht sich die Stadt einen Haltepunkt der Regionalbahn. Die Elektrifizierung zwischen Hameln und Elze kön
Marc Fisser

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Der 9. Dezember 2018 dürfte für Einbeck ein historischer Moment werden: Nach 44 Jahren werden ab dann wieder fahrplanmäßige Personenzüge in die Brauereistadt rollen. Dank der Reaktivierung der 4,5 Kilometer langen Stichstrecke von Salzderhelden an der Hauptachse Hannover–Würzburg kann die Regionabahn direkt nach Göttingen pendeln – das geht schneller und komfortabler als mit dem Bus. Wohl kaum einer der 15 000 Einwohner in Einbecks Kernstadt hatte in den vergangenen Jahrzehnten noch daran geglaubt, jemals den Anschluss ans Eisenbahnnetz zurückzubekommen. Ganz ähnlich dürften im Landkreis Hameln-Pyrmont die Menschen zum Beispiel in Fischbeck, Afferde oder Behrensen denken. Doch der Verkehrssektor in Deutschland befindet sich in vielfacher Hinsicht im tiefen Umbruch. Hierzu gehört, sich angesichts überfüllter Straßen und verschmutzter Umwelt auf die Stärken der Bahn als Massenverkehrsmittel zu besinnen. Während anderswo Gleise erneuert und Stationen wiederbelebt und damit Fehleinschätzungen der Vergangenheit korrigiert werden, wird in Hameln-Pyrmont noch vorsichtig rangiert.

Die CDU-Kreistagsfraktion wollte am Montagabend erstmals über die Folgen des vom Bund initiierten Oberleitungsbaus zwischen Hameln und Elze sprechen. Der Vorsitzende Hans-Ulrich Siegmund betonte im Vorfeld: „Die Elektrifizierung ist erst einmal positiv. Wir freuen uns, dass die Strecke erhalten bleibt. Aber auch die Ängste wegen der Güterzüge sind nachvollziehbar.“ Es sei nun zu klären, „ob es wirklich alles so schlimm kommt, wie der Landrat behauptet“. Dazu sei es wichtig, miteinander zu reden – auch mit dem Parlamentarischen Staatssekretär
im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU). Tjark Bartels (SPD) fühlt sich als Chef der Kreisverwaltung von Ferlemann schlecht informiert, sogar hintergangen. Wie Siegmund mahnt auch
die CDU-Landtagsabgeordnete Petra Joumaah: „Nur im Gespräch können Probleme gelöst werden.“ Sie selbst war nach ihren Angaben zu der Runde regionaler Politiker und Trassenausbaugegner nicht eingeladen, die Bartels kürzlich im Landtagsgebäude in Hannover organisiert hatte; im Kreishaus sagen die Verantwortlichen, die Einladung sei rausgegangen. Joumaah wünscht sich „einen optimierten Personennahverkehr und natürlich nur das absolute Minimum an Güterverkehr“ – konkreter wird aberauch sie nicht.

Da ist die FDP/DU-Kreistagsgruppe etwas weiter. Sie bereitet nach Worten ihres Sprechers Rüdiger Zemlin (FDP) einen Antrag vor, einen kommunalen Schienenbusverkehr zwischen Fischbeck sowie Nordstadt und Bahnhof in Hameln einzurichten. Die Strecke könne die Bundesstraße 83 und in Hameln Reherweg, Reimerdeskamp, Fahlte und Basbergstraße entlasten, meint Zemlin. Ein Haltepunkt an der Süntelstraße sei ideal – wegen der Nähe zum künftigen Bildungs- und Gesundheitscampus, zu weiteren Schulen und zu den großen Behörden. Der Liberale möchte die Öffis als Verkehrsgesellschaft des Landkreises verpflichten, eine Lösung zu erarbeiten und Fördergelder einzuwerben. Bei Bedarf ließe sich das Modell bis Hessisch Oldendorf erweitern. Zemlin hat also ein „kleines“ Modell im Auge; Afferde und eventuell das zum Ithtal verkehrsgünstig gelegene Behrensen mit Haltepunkten einzubeziehen, lässt er bislang außer Acht, ebenfalls die Konkurrenz zu den Regionalbahnen, die auf selbem Gleis im Auftrag der Landesnahverkehrsgesellschaft von Löhne über Hameln nach Hildesheim fahren. Hier gibt es seit Jahren Beschwerden von Reisenden vor allem wegen verpasster Anschlüsse. Der Fischbecker Landtagsabgeordnete Dirk Adomat (SPD) betont: „Das Wesertal braucht einen verlässlichen Bahnverkehr und eine bessere Taktung.“ Hier biete sich nun eine große Chance. „Verhindern wäre der falsche Weg“, signalisiert Adomat in Richtung seines Parteifreundes Bartels. Auch Michael Ebbecke von den Grünen im Kreistag hält das Projekt „Süntelstraße“ für eine „tolle Option“. Manche Busfahrt durch Hameln ließe sich dadurch einsparen. An den Bahnhaltepunkten müsste es Vertaktungen zu Zubringerbussen geben, zudem Möglichkeiten zum Abstellen von Autos und Fahrrädern sowie zum Aufladen von E-Bikes.

Konsens herrscht in der Kreispolitik, dass für den Lärmschutz von Anliegern das Bestmögliche herausgeholt werden muss. Zemlin, der auch dem Hamelner Stadtrat angehört, möchte im Rathaus prüfen lassen, inwieweit in den Bebauungsplänen Lärmschutzzonen ausgewiesen sind oder werden können. Darauf könnten sich dann Ansprüche gegenüber dem Bahnnetzbetreiber auf eine umfassende Vorsorge gründen, meint der Jurist.



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