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Eltern des Tatverdächtigen trauern mit Familie des Opfers / Oliver T. hat Angst vor Blutrache

„Ich weiß, wie eine Mutter fühlt“

Hameln/Hehlen. Oliver T. (28), der im Verdacht steht, den 25-jährigen Hamelner Mahmut Khoder getötet zu haben (wir berichteten), hat offenbar große Angst vor der Großfamilie, der das Opfer angehörte. Am Montag wurde der Beschuldigte einem Haftrichter vorgeführt. Sein Pflichtverteidiger habe das Wort „Blutrache“ fallen lassen, sagte Oberstaatsanwalt Bernd Seemann. Der mutmaßliche Täter sei später von Polizeibeamten zur Justizvollzugsanstalt Sehnde gebracht worden. „Dort bleibt er, bis der Prozess beginnt.“ Man habe die JVA darauf aufmerksam gemacht, dass ein Racheakt befürchtet wird.

veröffentlicht am 19.11.2013 um 17:35 Uhr
aktualisiert am 24.01.2019 um 14:19 Uhr

Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Ein Angehöriger des Opfers sagte auf Anfrage, Oliver T. habe nichts zu befürchten. Natürlich seien gerade die jüngeren Brüder des Toten sehr aufgebracht und aufgeregt, das sei schon problematisch. „Aber Blutrache wird es nicht geben.“ Man habe auch dem Bruder von Oliver T. versichert, dass ihm nichts passieren wird. „Ich weiß aber nicht, was geschehen wäre, wenn wir Oliver T. vor der Polizei gefunden hätten.“

Ibrahim Khoder, Vater des Opfers, ist traurig und fassungslos. Er sagt: „Ich wünsche mir, dass der Mann, der meinen Sohn getötet hat, die Strafe erhält, die er verdient hat.“

Am Samstag hatte es in Hameln einen Gewaltvorfall gegeben. Mahmut Khoders Familie war zu Ohren gekommen, der 25-Jährige sei von Oliver T. erstochen worden. „30 Mann sind zu dem Vater von Oliver T. gegangen, sie wollten aus ihm herauskriegen, was mit unserem Freund und Verwandten ist“, berichtet Farhad Basir.

Offenbar kam es dort zu einer Schlägerei, bei dem der Vater und der Ehemann der Mutter des Tatverdächtigen verletzt wurden. Oliver T.s Vater sagte im Gespräch mit unserer Zeitung, er habe die Mutter seines Sohnes nicht geheiratet. Sein Sohn habe ihm lediglich gebeichtet, „dass er Scheiße gebaut hat“. Was er damit meinte, habe er nicht gewusst. „Ich bin am Samstag auf der Straße von einem jungen Mann angesprochen worden. Der hat mir gesagt, Oliver habe jemanden umgebracht.“ Das habe er dem Familien-Clan auch so mitgeteilt. „Familie T. hat von all dem nichts geahnt.“

Die Mutter des mutmaßlichen Täters sagte, es tue ihr von ganzem Herzen leid, was geschehen ist. „Ich weiß, wie eine Mutter fühlt. Wir trauern mit den Khoders.“ Oliver T.s Vater meinte: „Wenn ich es könnte, würde ich die Zeit zurückdrehen. Mit Mord will ich nichts zu tun haben.“ Mutter und Vater sagten, sie hofften, „dass Oliver seine gerechte Strafe bekommt“.

Fahnder hatten Oliver T. am Sonntag in einer Pension im Landkreis Northeim aufgespürt und festgenommen. Wenig später führte der 28-Jährige die Ermittler der Mordkommission zu der Stelle, an der die in Plastikfolie eingewickelte Leiche lag. Das Opfer war auf der Ottensteiner Hochebene neben einem Feldweg, der nach Neersen führt, versteckt worden. Kriminaltechniker fanden den Toten am Rande eines Kiefernwäldchens unter einem Grünschnitthaufen.

Der Tatverdächtige mache von seinem Recht Gebrauch, zu schweigen, sagte Oberstaatsanwalt Seemann. Daher ist das Motiv der Gewalttat derzeit noch unklar. „Aber dafür, dass wir gerade erst angefangen haben, zu ermitteln, wissen wir schon sehr viel. Wir sind weiter am Ball. Die Beweislage ist aber bereits jetzt schon so dicht, dass ich keinen Zweifel daran habe, dass wir den Richtigen haben“, meinte der Oberstaatsanwalt.

Farhad Basir, ein Verwandter des Opfers, sagte, für die Angehörigen des Toten stehe fest: „Oliver T. hat Mahmut getötet und ihm sein Geld weggenommen. Das ist sicher.“ Der Hamelner habe sich am Sonntag, 10. November, von einer Bekannten nach Hehlen fahren lassen, weil er etwas von Oliver T. kaufen wollte. „Er hatte 4000 bis 5000 Euro dabei. Das hat uns die Frau gesagt, die ihn zu Oliver T. gefahren hat.“

Tatort ist die Wohnung des mutmaßlichen Täters. In dem Haus in Hehlen, in dem Oliver T. wohnte, ist Mahmut Khoder nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Hildesheim getötet worden. Dort seien Blutspuren, blutige Kleidungsstücke und ein Messer gefunden worden, sagte Seemann. Noch liege ihm das Obduktionsergebnis nicht vor. „Wir gehen derzeit davon aus, dass das Opfer erstochen wurde.“

Oliver T. ist schon oft mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Der Mann sei mindestens zehn Mal verurteilt worden, sagte Seemann. Er stand unter Führungsaufsicht. Am Amtsgericht Hameln sollte demnächst ein Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung gegen ihn eröffnet werden.



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