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Eklat auf dem Extener Sportplatz: Fußballer rastet aus und tritt Gegenspieler mehrfach gegen den Kopf

„Ich dachte, er stirbt gleich“

Exten. Bei einem Fußballspiel am Sonntag zwischen TSV Eintracht Exten II und FC Stadthagen II ist ein Stadthäger Spieler ausgerastet. Er soll mehrfach gegen den Kopf eines bereits am Boden liegenden Gegenspielers getreten haben. Jetzt ermittelt die Polizei wegen des Verdachts auf gefährliche Körperverletzung.

veröffentlicht am 25.04.2016 um 17:20 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:04 Uhr

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Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Der Spieler Vedat M. (Name von der Redaktion geändert) vom FC Stadthagen soll den Extener Spieler Micha W. (Name ebenfalls geändert) mehrfach gegen den Kopf getreten haben, als dieser bereits am Boden lag. Der Attacke vorangegangen war ein Zweikampf, etwa 15 Minuten vor Spielende. Zu diesem Zeitpunkt stand es schon 4:1 für Exten (Endstand 5:1). Die Stadthäger standen bereits nur noch zu zehnt auf dem Platz, nachdem der Spieler mit der Nummer 8 in der 56. Minute die Rote Karte sah.

Dem Schiedsrichterbericht zufolge, der dieser Zeitung vorliegt, schlug Vedat M. nach dem Zweikampf dem Eintracht-Spieler mit der Hand gegen den Kopf und brachte ihn anschließend mit einem Tritt gegen die Beine zu Boden. Anschließend soll er wiederholt gegen Kopf und Rücken von Micha W. getreten haben, „bestimmt sechs bis sieben Mal“, schreibt der Schiedsrichter in seinem Spielbericht. „Ich persönlich dachte, er stirbt gleich.“

Trainer, Ordner, Zuschauer und das Schiedsrichtergespann des anschließenden Spiels seien auf den Platz geeilt und hätten den Schläger von dem am Boden liegenden Opfer getrennt.

Nach einem Zweikampf tickt der Spieler aus

Das Spiel wurde vom Schiedsrichter unterbrochen, Rettungsdienst und Polizei alarmiert. Vedat M. wurde des Platzes verwiesen, Spieler Micha W. ins Krankenhaus eingeliefert.

Christoph Wolter, Spartenleiter des TSV Eintracht Exten und selbst Spieler der zweiten Mannschaft, sagt unserer Zeitung gegenüber, dass das Spiel bis zu dieser Situation „nicht unfair“ verlaufen sei. Allerdings sei der Spieler mit der Nummer 13 schon vor seinem Ausraster dadurch aufgefallen, dass er sich „unnötig aufgeregt“ habe. Ausgetickt sei der dann nach dem Zweikampf mit Micha W. Während er mehrfach auf den Extener eintrat, soll er ihn in einer Sprache beschimpft haben, die Wolter nicht sicher benennen konnte. „Mein Mitspieler hielt sich die Hände schützend über den Kopf“, schildert Wolter. Sowohl die Spieler des TSV als auch die Kicker des FC seien sofort „ganz besonnen“ dazwischengegangen, die FC-Spieler hätten sich sogleich für den Angriff ihres Mannschaftskameraden entschuldigt.

Micha W. kann es auch einen Tag nach der Attacke noch nicht richtig fassen, dass sein Gegenspieler derart ausgerastet ist. „Ich bin echt geschockt“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Der rechte Verteidiger wurde bereits kurz nach Beginn der zweiten Spielhälfte von einem anderen Spieler gefoult, der dafür die Rote Karte sah. „Aber das war völlig okay, und der Spieler hat sich sofort bei mir entschuldigt“, schildert Micha W.

Anders verhielt es sich in der 74. Minute. Nachdem beide Spieler infolge eines Foulspiels von Micha W. an Vedat M. – für das der Schiedsrichter dem FC einen Freistoß gegeben habe – zu Boden gingen, habe der Verteidiger „nur noch aus dem Augenwinkel“ etwas auf sich zukommen sehen und dann die Tritte gespürt. Im Krankenhaus seien eine Prellung am Arm, ein geschwollenes Ohr und mehrere blaue Flecke festgestellt worden. „Die Ärztin stellte eine leichte Schädelprellung fest“, so Micha W. Der will jetzt Strafanzeige erstatten. „Denn so was geht auf keinen Fall“, sagt er.

„Mit Sicherheit ein Fall fürs Sportgericht“

„Wo kommen wir denn langsam hin?“, fragt sich Wilhelm Kläfker, der Vorsitzende des Schiedsrichterausschusses, angesichts dieses Vorfalls, und schildert die Konsequenzen, die dieser Ausraster nach sich zieht. Der Schiedsrichterbericht werde an den Staffelleiter weitergereicht, der ihn an den Spielausschuss weitergebe. „Und der befindet mit Sicherheit, dass es sich hierbei um einen Fall fürs Sportgericht handelt“, so Kläfker. Dort werde dann das Strafmaß verhandelt. Demnach drohe Vedat M. eine Spielsperre von bis zu einem Jahr. Unterdessen ermittelt die Polizei wegen des Verdachts auf gefährliche Körperverletzung. „Mit Stollenschuhen jemanden so zu treten, ist schon heftig“, sagt ein Sprecher der Polizei Rinteln.

Kläfker gibt der Fall zu denken. Bei einer anderen Partie am Wochenende, es spielte Evesen gegen Niedernwöhren, sei ein Schiedsrichter von Spielern angegangen worden sein. „Und das in der C-Jugend!“, betont Kläfker. „Und bei einem Schiedsrichter von 1,85 Meter!“ C-Jugend-Spieler sind gerade mal zwölf bis 14 Jahre alt.

Bei einem weiteren Spiel, Rot-Weiß Stadthagen II gegen SVD Auhagen II (Vierte Kreisklasse), hätten die Rot-Weißen nach 40 Minuten einfach den Platz verlassen, weil sie mit dem von Auhagen gestellten Schiedsrichter nicht zufrieden gewesen seien. Angesichts solcher Vorfälle habe Kläfker zunehmend Verständnis dafür, dass sich immer weniger als Schiedsrichter anböten.

Unbestätigten Informationen zufolge soll Vedat M. schon mehrfach aus dem FC Stadthagen rausgeworfen worden sein, ebenfalls wegen Ausraster wie diesem. Nach seiner Attacke am Sonntag soll er abermals mit sofortiger Wirkung aus dem Verein geschmissen worden sein. Der FC Stadthagen war gestern bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.pk



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