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Beruf weniger gefragt / Zukunft von einigen Betrieben in Hameln-Pyrmont ungewiss

Hof sucht Bauer: Auf dem Land fehlt Nachwuchs

Hameln-Pyrmont (sus/jo). „Hof sucht Bauer“ statt „Bauer sucht Frau“? Der Landwirtschaft geht der Nachwuchs aus. Im Kreis Hameln-Pyrmont ist derzeit die Zukunft von 223 Höfen noch ungewiss, hat die jüngste Landwirtschaftszählung ergeben. Veröffentlicht wurden die Daten vom Statistischen Bundesamt. Etwa alle zehn Jahre werden im Rahmen der Landwirtschaftszählung die Inhaber und Inhaberinnen landwirtschaftlicher Betriebe, die 45 Jahre und älter sind, auch zur Hofnachfolgesituation in ihren Betrieben befragt. Die Hofnachfolge und der Generationenwechsel stehen in direkter Verbindung mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft. Ist kein geeigneter Nachfolger in Sicht, führt das meist zur Auf- oder Abgabe des landwirtschaftlichen Betriebs. Die Konzentrationsprozesse hin zu immer weniger, dafür immer größeren Betrieben setzen sich so schneller fort. „Aber gerade für die großen Höfe werden wiederum Fachkräfte benötigt“, erklärt Hameln-Pyrmonts Kreislandwirt Karl-Johann Stukenbrock.

veröffentlicht am 08.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 12:41 Uhr

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Von den 524 im Kreis Hameln-Pyrmont ansässigen landwirtschaftlichen Betrieben, haben 353 einen Inhaber, der mindestens 45 Jahre alt ist, und sich deshalb mit der Nachfolgefrage auseinandersetzen musste. Das Ergebnis lautet: Für 130 Betriebe gibt es eine geregelte Nachfolge, für den Rest, also für 223 Höfe, noch nicht.

Freilich steht nicht bei allen Befragten schon morgen die Hofübergabe an, vor allem nicht in der Altersgruppe der 45- bis 50-Jährigen, aber es ist auffällig, wie viele einen Nachfolger suchen. 25 966 landwirtschaftliche Betriebe mit Besitzern in dieser Altersklasse gibt es in Niedersachsen (Stand: 2010). Im kommenden Jahrzehnt steht nun bei immerhin 8222 Landwirten die Hofnachfolge an, und nur bei rund 31,7 Prozent davon ist die Weiterführung derzeit gesichert. Hierbei stellt sich die Frage, was die Ursache für diese Ergebnisse ist oder was die Ausübung landwirtschaftlicher Berufe für viele so unattraktiv gemacht hat. Egal, ob Getreideanbau, Mutterkuhhaltung, Milchvieh- oder Schlachtviehhaltung – der Alltag auf den Höfen hat wenig mit der verklärten, inszenierten ländlichen Idylle in den boomenden Hochglanzmagazinen wie „Landlust“ oder „Mein schönes Land“ zu tun. In großen Anlagen steuert längst ein Computer die Fütterung, das Kunstlicht ersetzt Sonnenlicht, Desinfektionswannen sorgen für die nötige Hygiene, und das betriebswirtschaftliche Geschick des Hofinhabers entscheidet maßgeblich über Erfolg und Misserfolg. Jedoch sei der geringe Nachwuchs in der Landwirtschaft laut Karl-Johann Stukenbrock weniger auf ein Image-Problem als auf schlechte Verdienstmöglichkeiten in der Vergangenheit zurückzuführen. Fernsehsendungen wie „Bauer sucht Frau“ vermittelten da eher ein falsches Bild und seien sogar diffamierend. Von der Landwirtschaft leben können aber längst nicht alle Landwirte. Andere Gewerbe oder die Industrie hätten dann lukrativere Alternativen geboten. Landwirte entschieden sich deshalb aus finanziellen Gründen nach Angaben des Kreislandwirtes, ein zweites Standbein aufzubauen oder wechselten komplett den Beruf. Das spiegelt sich auch in der Statistik wider. Im Kreis Hameln-Pyrmont werden 495 landwirtschaftliche Betriebe als Einzelunternehmen geführt, darunter 303 im Haupterwerb, die anderen 192 im Nebenerwerb. Stukenbrock blickt dennoch optimistisch in die Zukunft: „Die Zahl der Auszubildenden in der Landwirtschaft ist in jüngster Zeit angestiegen. Die Verdienstmöglichkeiten verbessern sich, und Landwirtschaft wird ganz neu entdeckt, zum Beispiel als Energielieferant.“

Mehr als ein Drittel aller landwirtschaftlichen Einzelunternehmen wird im Nebenerwerb geführt, und von 353 Unternehmen, die bald einen Hofnachfolger benötigen, ist bei 223 die Nachfolge ungeklärt.

Grafik: zds



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