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Mögliches Überbleibsel einer Grabkammer / Kommunalarchäologe: Klinge ist etwa 3500 Jahre alt

Hobbyschatzsucher entdeckt Bronze-Dolch

STADTHAGEN. Tief verborgen in der aufgewühlten Erde eines Ackers hat seit mutmaßlich 3500 Jahren die Klinge eines Dolches aus der Bronzezeit geruht. Der Stadthäger Stefan Wildhagen entdeckte den historischen Gegenstand am Sonnabend mithilfe seines Metalldetektors.

veröffentlicht am 18.06.2016 um 09:00 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:48 Uhr

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Autor:

Martina Koch
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„Aus dieser Zeit gibt es vielleicht zehn weitere Fundstücke, weshalb es sich um eine ganz besondere Entdeckung handelt“, sagte der Kommunalarchäologe Jens Berthold, der die etwa zehn Zentimeter lange Klinge im Gespräch mit deieder Zeitung ausgiebig begutachtete.

Der sensationelle Fund kam für den Hobbyschatzsucher unerwartet: „Ich bin seit mittlerweile einem Jahr regelmäßig unterwegs und man findet auch viel Schrott“, gab Wildhagen zu.

Als sein Detektor anschlug, entdeckte er in der Erde etwas Schimmerndes. „Ich buddelte vorsichtig immer weiter und schickte schließlich Herrn Berthold ein Foto“, sagte Wildhagen. Ob er etwas Brauchbares gefunden habe, wollte er wissen. Als er erfuhr, dass sein Fundstück dem ersten Eindruck zufolge etwa 2000 Jahre alt sein muss, ging ihm „ordentlich die Pumpe“.

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Berthold wollte das Fundstück schließlich aus nächster Nähe betrachten. „Gewisse Spuren an der Klinge deuten darauf hin, dass es sich um einen Dolch handeln muss, eventuell sogar um den Rest eines Schwertes“, sagte der Archäologe. In Schaumburg ist bisher nur ein weiteres Schwert aus der Bronzezeit bekannt, welches in Reinsen gefunden wurde und heute im Museum Eulenburg in Rinteln zu sehen ist.

Was die Geschichte des Dolches betrifft, äußerte Berthold eine ziemlich konkrete Vermutung: „Wahrscheinlich war an dieser Stelle ein Grabhügel, der im Lauf der Zeit durch die landwirtschaftliche Nutzung eingeebnet worden war. Die Grabkammer wurde weggepflügt“, schlussfolgerte der Archäologe. Männer wurden nach ihrem Tod in der Bronzezeit häufig mit Schwertern beigesetzt, der Dolch könnte aber auch ein absichtlich vergrabenes Opfer sein, erklärte der Wissenschaftler.

Berthold ist als Kommunalarchäologe für die Landkreise Schaumburg, Nienburg und Hameln zuständig. Er betonte, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen ihm und Schatzsuchern wie Wildhagen ist. Der Stadthäger hat sich nämlich, so wie es in diesem Bereich geregelt ist, eine Bescheinigung zugelegt, die ihm das Suchen offiziell erlaubt.

„Wir hatten schon oft Gerichtsverfahren, in denen wir es mit Menschen zu tun hatten, die illegal nach historischen Dingen suchen“, sagte Berthold. Das Problem sei dabei nicht nur, dass die zum großen Teil ahnungslosen Schatzräuber bei ihren Streifzügen Schauplätze von historischer Bedeutung zerstören – „Messer, Münzen oder ähnliche Gegenstände, die einfach mit nach Hause genommen werden und irgendwo verstauben, sind für uns verloren“. Wer ohne Bescheinigung bei der Räuberei erwischt wird, muss mit einem Bußgeld rechnen, warnte der Experte.

Wildhagen hingegen hat sich auf offiziellem Wege das Grundwissen angeeignet. „Und wenn ich mir bei etwas unsicher bin, habe ich ja mit Jens Berthold einen Ansprechpartner, der mir schnell weiterhelfen kann“, betonte der Stadthäger.

Bevor der Dolch an ein Museum, in diesem Fall das Museum Amtspforte in Stadthagen, übergeben werden kann, muss er gefestigt werden: „Dafür verwenden wir eine wachsartige Substanz, die dafür sorgt, dass der Dolch an den Kanten nicht bröckelt“, so Berthold. Bis dahin kann Wildhagen seinen Fund genießen und Freunden und Familie stolz präsentieren. „Ich glaube nicht, dass ich so etwas noch einmal finde.“



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