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Dreifach-Mord von Hille: Polizei findet Nazi-Symbole und Munition

Hitler-Bilder, Waffen und reichlich Müll

HILLE/STADTHAGEN. Das Thermometer zeigt neun Grad und es fällt leichter Nieselregen, als die Ermittler der Mordkommission „Wilhelm“ am 13. März auf dem landwirtschaftlichen Anwesen in Hille – dem Hof des mutmaßlichen Dreifach-Mörders Jörg W. – eintreffen, auf dem sie am nächsten Tag zwei Leichen finden werden. Was die Polizisten bei den Durchsuchungen des Grundstücks und der Gebäude finden und als Spuren sichern, zeichnet ein genaueres Bild der Menschen, die auf dem Hof gelebt haben.

veröffentlicht am 22.11.2018 um 18:34 Uhr
aktualisiert am 22.11.2018 um 21:36 Uhr

Autor:

Stefanie Dullweber
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Der Vorsitzende Richter Dr. Georg Zimmermann kündigte am Donnerstag an, er wolle den Tatortbericht des Hofes verlesen lassen, auf dem der Angeklagte Jörg W. und sein ebenfalls beschuldigter Ziehsohn Kevin R. bis zu ihrer Festnahme gelebt haben. Die Ermittler entdecken Dinge, die Fragen aufwerfen – etwa einen Rahmen mit einem Hitlerbild und der Aufschrift „Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen“, Tassen mit Hakenkreuzsymbolen sowie jede Menge Waffen und Munition.

Immer wieder ist in dem Bericht der Ermittler die Rede von Unrat, Spinnweben und Staub. Die Bilder, die der Richter über einen Bildschirm im Gerichtssaal zeigt, belegen das. Sowohl das Außengelände als auch das Innere des Wohnhauses sowie die Stallgebäude wirken heruntergekommen. Es gibt ein Jagdzimmer, in dem Geweihe und ausgestopfte Tiere hängen – laut Angaben der Familie W. stammen sie vom Vorbesitzer. Im Zimmer von Kevin R. hängt eine Deutschlandfahne; außerdem stellen die Ermittler ein Taschenmesser sicher.

Der 25 Quadratmeter große Wohnraum des landwirtschaftlichen Helfers und Mordopfers Jochen K. gleicht den Angaben zufolge einer Rumpelkammer. Die Mordkommission stellt einen Karton mit Munition, diversen Messern, einer Digitalkamera mit Speicherkarte, Geldkassetten und persönlichen Schriftstücken sicher. Außerdem findet sie Pornozeitschriften und Filme, jede Menge Werkzeug und Müllsäcke voller Kleidung.

Die „Schwester“ des Getöteten, die ihren Bruder in der ersten Zeit auf dem Hof besucht hat, kann nicht glauben, was sie auf den Bildern sieht. „Das Zimmer von Jochen war immer aufgeräumt. Es standen längst nicht so viele Möbel rum, alles war übersichtlich“, sagt die Nebenklägerin am Rande des Prozesses. Auch die Vielzahl der gefundenen Messer und Munition könne sie nicht erklären.

Die Aufnahmen des Dachbodens zeigen ein Gewehr, die Ermittler entdecken Briefe, adressiert an die beiden Mordopfer Gerd F. und Jochen K. Auf den Fotos, die die Ermittler gemacht haben, sind diverse Bilder mit nationalsozialistischem Bezug zu sehen, eine französische Fahne, ein Einsatzgürtel, leere Patronenhülsenketten sowie eine Handgranaten-Attrappe. In einem Dachbalken steckt ein Kampfmesser mit Blutspuren. Die spätere Analyse ergibt, dass es sich dabei um das Blut von Jochen K. handelt.

Der Tatortfundbericht beinhaltet ebenfalls die Umstände über das Auffinden der beiden Leichen, die zwischen Bäumen verscharrt und in Folie eingewickelt waren. Zuerst entdecken die Ermittler die Leiche von Jochen K. in rund 80 Zentimeter Tiefe. Beim Freilegen des Leichensacks bemerken die Polizisten ein weiteres Folienstück und finden wenig später die Leiche des vermissten Gerd F. in der Grube. Der zuständige Beamte vermerkt in seinem Bericht, dass die Ehefrau des Beschuldigten gefragt habe, wie viele Personen gefunden wurden.

Wie noch bekannt wurde, haben sich die Verteidiger von Jörg W. beim Gericht über dessen Haftbedingungen beschwert. Demnach werde der Angeklagte stets von zwei Beamten begleitet, wenn er von einem Ort zum anderen gebracht werde. Dies sei jedoch aufgrund des Personalmangels oft schwierig. Die Justizvollzugsanstalt prüfe jetzt, ob ein Beamter ausreicht. Rechtsanwalt Samir Omeirat konnte über dieses Ansinnen nur den Kopf schütteln: „Es ist schon eine Frechheit, dass er den Gerichtssaal ohne Handschellen betreten darf.“

Der Prozess wird am 4. Dezember fortgesetzt.mt



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