weather-image
Experten warnen vor Staub

Hantaviren stecken im Mäusedreck: Vier Infektionen im Landkreis Hameln-Pyrmont

WESERBERGLAND. Es beginnt wie eine gewöhnliche Grippe: mit Kopf- und Gliederschmerzen, Erkältungssymptome und Fieber. Anzeichen, die nicht nur bei einer Influenza auftreten. Es kann sich um ebenfalls eine Infektion mit in Mitteleuropa vorkommenden Hantavirus-Typen handeln. Laut Informationen des in Berlin ansässigen Robert-Koch-Instituts wurden in diesem Jahr bislang bundesweit 1558 Fälle gemeldet – auch Hameln-Pyrmont ist mit vier Fällen betroffen.

veröffentlicht am 24.10.2017 um 17:40 Uhr

Die natürlichen Wirte der Hantaviren sind verschiedene Nagetiere wie Mäuse, Ratten und Spitzmäuse. Die Viren werden von infizierten Nagern über Speichel, Urin und Kot ausgeschieden. Foto: dpa
Frank Neitz

Autor

Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

In einer folgenden Krankheitsphase können Blutdruckabfall und schließlich Nierenfunktionsstörungen bis zum akuten Nierenversagen auftreten.

Mögliche Hautveränderungen, wie eine sich ausbreitende Rötung nach einem Zeckenbiss, gibt es nach einer Übertragung von Hantaviren nicht. Die Bazillen stecken im Mäusedreck. Menschen infizieren sich, indem sie aufgewirbelten Staub einatmen, der den Erreger enthält. Auch durch den Biss einer Maus kann eine Übertragung erfolgen. Von Mensch zu Mensch soll die Krankheit nicht übertragbar sein, so Experten. Für eine Ansteckung über Haustiere – etwa Mäuse jagenden Katzen – liegen bisher noch keine Belege vor, heißt es vom Friedrich-Loeffler-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit.

Die Krankheit ist meldepflichtig. Laut Informationen des in Berlin ansässigen Robert-Koch-Instituts wurden in diesem Jahr bislang bundesweit 1558 Fälle gemeldet. Bekannte Risikogebiete sind Franken, Teile des Bayerischen Waldes sowie die Schwäbische Alb. Im Norden sind Infektionen vermehrt im Raum Osnabrück nachgewiesen worden.

Ganz außen vor bleibt das Weserbergland in der Statistik nicht. Auch an das Gesundheitsamt des Landkreises Hameln-Pyrmont wurden dieses Jahr vier Fälle gemeldet, wie eine Sprecherin mitteilt. Im Landkreis Holzminden gab es im Jahr 2012 eine Meldung. Die jährlichen Fallzahlen schwanken stark. Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland lediglich 282 Meldungen, 2012 zehnmal so viele (2825).

Die Ursache für die hohen Zahlen in 2017 soll ein starkes Vorkommen von Bucheckern im vergangenen Jahr sein. Sie sind die Hauptnahrungsquelle der Rötelmaus, deren Bestand durch die gute Futtersituation stark gestiegen ist. Auch Brandmäuse verbreiten den Krankheitserreger. Mögliche weitere Virusreservoire sind Gelbhalsmaus, Feldmaus, Erdmaus und die Wanderratte.

Am häufigsten infizieren sich Männer zwischen 40 und 50 Jahren. Um sich zu schützen, sollten Menschen nach Expertenangaben vor allem in Gebieten mit viel Buchenwald den Kontakt mit Ausscheidungen von Nagern vermeiden. Vorsicht auch bei Holzarbeiten in Wald und Garten sowie bei der Reinigung von Kellern, Schuppen, Scheunen und Ställen. Eine Staubentwicklung beim Reinigen kann durch vorheriges Befeuchten vermieden werden. Handschuhe und eng anliegende Atemschutzmasken schützen bei sichtbarem Mäusebefall ebenfalls, raten Wissenschaftler im Robert-Koch-Institut. Einen Staubsauger sollte man nicht benutzen, da Viren über die Abluft abgegeben werden könnten. Vor Reinigungsbeginn sollten Fenster und Türen für mindestens 30 Minuten geöffnet werden.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare