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1999 waren es 157 / Familienbetriebe trifft es besonders hart

Hameln-Pyrmont hat nur noch 40 bis 60 Milchbauern

WESERBERGLAND. Die Milchpreiskrise bedroht zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe. Schon seit Langem hat die Branche einen schweren Stand, die nun abermals einbrechenden Milchpreise in Europa machen zusätzlichen Druck. Das Problem entsteht hauptsächlich durch ein Überangebot an Milch. Investitionen in die Aufstockung der Milchviehhaltungen vor wenigen Jahren, als ein vergleichsweise guter Preis für Milch erzielt werden konnte, sorgen ebenso wie das Wegfallen der umstrittenen „Milchquote“ 2015 für eine Mehrproduktion. Zeitgleich sorgt das Importembargo Russlands für EU-Agrarprodukte in der Folge des Ukraine-Konflikts für den Verlust wichtiger Abnehmer im Osten.

veröffentlicht am 29.05.2016 um 20:23 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:48 Uhr

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Autor:

Paul Kopf
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Besonders hart treffe es Familienbetriebe ohne geklärte Hofnachfolge, sagt Karl-Friedrich Meyer, Kreislandwirt und stellvertretender Vorsitzender im Bauernverband Weserbergland des Landvolkes Niedersachsen. Diese müssten unter Umständen bei den aktuellen Preisen von durchschnittlich 23 bis 24 Cent pro Kilogramm Milch über eine Schließung nachdenken. Und damit würden sie einem schon lange andauernden Trend folgen: Die Zahl der Milchbauern sinkt seit vielen Jahren.

Noch 1999 gab es im Landkreis Hameln-Pyrmont 157 Milchviehbetriebe, zehn Jahre später waren es mit 81 nur noch etwa halb so viele. Davon schlossen bis zum heutigen Stand nochmals ein Drittel bis die Hälfte. Schätzungsweise 40 bis 60 Milchbauern hat Hameln-Pyrmont nur noch. In ganz Niedersachsen gingen die Zahlen in einem vergleichbaren Zeitraum von ungefähr 20 000 auf 11 200 zurück. Parallel dazu stieg der Bestand der Milchkühe allerdings von 730 000 auf 849 500 an, das einzelne Unternehmen hält also durchschnittlich mehr Tiere.

„Die Zahl der Betriebe wird durch den Preisdruck weiter abnehmen“, prognostiziert Kreislandwirt Meyer. Und das wäre nicht nur für die Bauern und die Wirtschaft schlecht, auch für die Erhaltung von Grünland-Flächen sei es wichtig, dass sie durch Milchviehhaltung genutzt werden.

Es scheint aber Hilfe zu geben: Die deutschen Milchbauern können wegen der dramatischen Preiskrise auf staatliche Unterstützung in Millionenhöhe hoffen. Vor einem „Milchgipfel“ bei Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) am heutigen Montag zeichnete sich ein Hilfspaket ab, damit Betriebe finanzielle Engpässe wegen der seit Monaten fallenden Erlöse besser überbrücken können. Schmidt stellte für das Treffen in Berlin „schnelle direkte Hilfen“ in Aussicht. „Wir werden eine Reihe von Betrieben über Bürgschaften, Kredite sowie steuerliche Erleichterungen stützen“, sagte er am Wochenende dem Magazin „Focus“. Im Gespräch ist ein Hilfspaket von mindestens 100 Millionen Euro. Schmidt will zudem erreichen, die Risiken des Milchmarktes fairer zu verteilen, die bisher vor allem bei den Bauern liegen. Zum „Gipfel“ sind Spitzenvertreter der Landwirte, der Molkereien und des Einzelhandels ins Ministerium eingeladen. Die Milchpreise für die Bauern sind zuletzt teils unter 20 Cent je Liter gefallen, zur Deckung der Kosten gelten mindestens 35 Cent als nötig.

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