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Bund erwägt Programm zum Bahnbau

Hameln–Elze bald elektrisch? Lückenschluss zeichnet sich ab

HAMELN-PYRMONT. Die Havarie beim Bau eines Eisenbahntunnels im August 2017 in Rastatt am Rhein könnte für das gut 400 Kilometer entfernte Weserbergland eine ungeahnte Bedeutung entfalten. Die bösen Erfahrungen im Süden – das Fehlen einer durchgängig elektrisierten Ausweichroute – werden möglicherweise dem Projekt, die Strecke Hameln–Elze mit einem Fahrdraht zu versehen, Schub geben.

veröffentlicht am 10.01.2018 um 17:28 Uhr
aktualisiert am 10.01.2018 um 18:05 Uhr

Komfortabel und beliebt: der Regionalexpress Enno. Wird er eines Tages zwischen Wolfsburg und Hameln pendeln? Foto: pr/metronom
Marc Fisser

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Nach dem Zwischenfall in der Tiefe im Zuge der Neubaustrecke Karlsruhe–Basel war die darüberliegende Rheintalbahn für sieben Wochen außer Betrieb gesetzt – dabei ist sie eine Schlagader des europäischen Bahnverkehrs. Täglich bis zu 30 000 Reisende mussten während der Sperrung mit Bussen befördert werden, auch der Güterverkehr ließ sich teils nur noch über die Straße abwickeln.

Ein Kollaps, der den Verantwortlichen im Bundesverkehrsministerium die Augen geöffnet hat – und damit demnächst wohl auch ihre Kasse. Die Befürchtung, dass auch der Bahnverkehr in Hannover einmal zusammenbrechen könnte, hat durch die Erfahrungen unter anderem in Rastatt neue Nahrung erhalten. Zwischen Berlin und Ruhrgebiet wäre im Störfall eine Umfahrung des Knotens via Hameln überaus nützlich. Deshalb ist nach Einschätzung von Insidern die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Bahnstrecke Hameln–Elze bald elektrifiziert wird.



Das Bahnprojekt Hameln– Elze war Ende 2016 überraschend in den Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgenommene worden. Gegen das ungewöhnliche Verfahren – ohne die Information und Diskussion in der betroffenen Region – hatten die meisten Anrainer der Strecke, darunter Hameln-Pyrmonts Landrat sowie Hamelns und Bad Pyrmonts Stadtchefs, beim Bund protestiert. Der hatte daraufhin versprochen, das weitere Verfahren sehr transparent zu gestalten. Doch seit einem Jahr herrscht Funkstille. Das Gutachten, mit dem das Ministerium den Ausbau bewerten lässt, verzögert sich.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), ist aber, wie er sagt, „in froher Erwartung“, dass der Bund einen Fahrdraht auf dem 29 Kilometer langen Abschnitt nach Elze ziehen wird. „Es wird wohl ein Sonderprogramm zur Netzergänzung geben“, kündigt der Politiker im Gespräch mit der Dewezet an. Kleine Lückenschlüsse sollen das über Jahrzehnte geschrumpfte Bahnnetz wieder belastbarer machen.

Bevor es hier zu Beschlüssen kommen kann, müsse die neue Regierung gebildet und der Bundestag voll arbeitsfähig sein. „Ein volkswirtschaftlicher Nutzen ist bei einer Elektrifizierung immer vorhanden“, sagt Ferlemann. Für den Bund gehe es darüber hinaus um weitere Vorteile für den Fernverkehr.

Ferlemann hat den Protest von Teilen des Weserberglandes gegen den zeitweise erwogenen Ausbau der Wesertalstrecke zwischen Löhne über Hameln nach Elze zur Hauptgütertrasse noch in den Ohren. „Beim jetzigen Projekt geht es nicht um einen zweigleisigen Ausbau, sondern nur um den Fahrdraht“, betont er – wenngleich sich das in der Projektbeschreibung zum Bundesverkehrswegeplan anders liest.

Ferlemann versichert: „Es wird keinen großen Mehrverkehr von Güterzügen geben.“ Das Projekt wird vom Bund im Zusammenhang mit dem Ausbau der Weddeler Schleife bei Braunschweig betrachtet. Dort wollen das Land und der Regionalverband Großraum Braunschweig ein zweites Gleis mitfinanzieren, um den Personennahverkehr nach Wolfsburg deutlich zu verbessern. Ein Halbstundentakt würde möglich. Die Planungen sollen Mitte 2019 abgeschlossen und das Gleis 2023 gelegt sein. Von den 150 Millionen Euro Gesamtkosten will der Bund die Hauptlast tragen, weil auch der Personenfern- und der Güterverkehr profitieren werden, wie es heißt. Da dürfte der durchgängige Fahrdraht nach Hameln diesen Vorteil erst richtig wirksam werden lassen.

E. Ferlemann. Foto: dpa
  • E. Ferlemann. Foto: dpa
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„Fahrdraht ohne Zweifel sinnvoll“

Im Bundesverkehrswegeplan 2030 heißt es bei dem zu erwägenden Eisenbahnausbau zwischen Hameln und Magdeburg: „Durch die Elektrifizierung des Streckenabschnitts Hameln–Elze wird die Voraussetzung für eine südliche Umfahrung des Knotens Hannover sowie des Engpassbereiches Lehrte–Braunschweig durch Güterzüge der Relation Ruhrgebiet–Mitteldeutschland geschaffen.“

Das Umweltbundesamt schreibt in der Studie „Schienennetz 2025/2030 – Ausbaukonzeption für einen leistungsfähigen Schienengüterverkehr: „Da nahezu sämtliche Hauptstrecken elektrifiziert sind, ist der Mehrwert einer stärkeren Elektrifizierung für die Ausweichrouten zu untersuchen. Diese können (:) einige Hauptkorridore entlasten (…). Daneben steigt die Flexibilität bei Umleitungen im Störfall wie einer Streckensperrung. (…) Per Saldo ist der gezielte Ausbau des Fahrdrahtes ohne Zweifel sinnvoll.“ mafi

Einen Regionalexpress wie den beliebten „Enno“ von Wolfsburg über Hildesheim hinaus nach Hameln zu schicken, wie vom Fahrgastverband vorgeschlagen, hält Ferlemann nach der Elektrifizierung des letzten Teilstückes für denkbar. Ebenso wäre eine Verlängerung der regionalen Schnelllinie nach Paderborn nicht ausgeschlossen, wo Anschluss an den neuen Rhein-Ruhr-Express nach Köln und Kassel bestände.

Diese Züge sind Ländersache, während der Bund sich um den Fernverkehr kümmert. Im Verkehrministerium in Hannover – inzwischen unter Regie von Bernd Althusmann (CDU) – hält man die Elektrifizierung und Verbesserungen des Personenverkehrs auf dieser Strecke für eine gute Sache. Landrat Tjark Bartels (SPD) begrüßt „einen Ausbau des Personennahverkehrs, wenn dieser bedarfsgerecht, klimaverträglich und wirtschaftlich gestaltet werden würde“.

Eine Streckenführung von Berlin über Hameln nach Westen, wie es sie früher ja gegeben hat – von 1902 bis 1990 auchzweigleisig –, „wäre ein großer Gewinn für uns“. Ein eng getakteter Güterverkehr sei hingegen „nach wie vor aufgrund der Struktur der Linie durch unsere Region und unsere Orte unzumutbar“. Bartels unterstreicht, das Bundesverkehrsministerium sei hinsichtlich der Planungen „bei uns im Wort, und wir vertrauen darauf, dass, wenn diesbezügliche Pläne anstehen, wir vorher dazu gehört werden“.

Das Expertenforum, zu dem Bartels einladen will, „könnte stattfinden, sobald eine neue Regierung in Berlin steht“. Ferlemann rät, das Gutachten abzuwarten. Damit sei „hoffentlich im ersten Halbjahr“ zu rechnen. Nach einem positiven Bescheid könnte sich eine Planungsphase von rund zwei Jahren anschließen. Über die Länge der Bauzeit will der Staatssekretär nicht spekulieren, eine Elektrifizierung lasse sich aber recht schnell umsetzen – anders als der Bau eines zusätzlichen Gleises.



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