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Streit um Poller mitten auf dem Radweg landet vor Gericht

„Hätte mir das Genick brechen können“

PORTA WESTFALICA/MINDEN. Der Fall ist skurril, erinnert an einen Schildbürgerstreich – mit schmerzhaften Folgen für Dr. Herbert Kaufhold. Für ihn beginnt das neue Jahr gleich mit einem Gerichtstermin. Für kommenden Montag hat das Landgericht Bielefeld zum Gütetermin geladen. Kaufhold hat den Kreis Minden-Lübbecke auf Schadenersatz und Schmerzensgeld verklagt – wegen eines folgenschweren Sturzes auf dem Weserradweg vor anderthalb Jahren.

veröffentlicht am 02.01.2019 um 17:06 Uhr

Ein Schild weist vor der Kurve auf die Poller hin. Herbert Kaufhold meint, dass diese Warnung samt Fahrbahnmarkierung nicht ausreicht. Foto: MT/Dirk Haunhorst
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„Diese Konstruktion mit drei Pollern in einer S-Kurve kann einfach nicht richtig sein“, meint Kaufhold. Der Kreis habe zwar nach dem Unfall gehandelt und den Bereich auffälliger markiert. Die Situation habe sich dadurch aber nur etwas verbessert. Das Hauptproblem – der Poller mitten auf dem Radweg – steht dort weiterhin.

Den Abend des 3. Juni 2017 behält Herbert Kaufhold in schlechter Erinnerung. Gegen 20.30 Uhr ist er mit seinem Fahrrad in Barkhausen im Bereich des Drachenflieger-Landeplatzes unterwegs. Der 80-Jährige fährt den Weserradweg in Richtung Minden. Es ist diesig, die Sicht nicht sonderlich gut. Nach einer Rechtskurve übersieht Kaufhold den Poller mitten auf dem Weserradweg. Er kracht mit knapp 20 Stundenkilometern gegen das Hindernis.

„Ich hätte mir das Genick brechen können. Gut, dass ich einen Helm trug“, berichtete Kaufhold wenige Wochen nach dem Unfall. Der Mindener erlitt unter anderem einen Rippenbruch sowie Schürfwunden. Unter starken Schmerzen schob der Arzt sein Rad sieben Kilometer nach Hause.

Mitten auf dem Radweg: Die Spuren an dem Poller lassen vermuten, dass er bereits mehreren Radlern in die Quere kam. Foto: MT/ Dirk Haunhorst
  • Mitten auf dem Radweg: Die Spuren an dem Poller lassen vermuten, dass er bereits mehreren Radlern in die Quere kam. Foto: MT/ Dirk Haunhorst

Kaufhold verlangt nun Schadensersatz für das kaputte Rad und den gebrochenen Helm in Höhe von 985 Euro. Zudem fordert er vom Kreis 1500 Euro Schmerzensgeld. Der Rechtsanwalt der Behörde weist die Forderung zurück und moniert fehlende Beweise für Unfallhergang und Verletzungen, die Kaufhold selbst diagnostiziert und behandelt hatte.

Das Landgericht Bielefeld habe 2008 in einem ähnlichen Fall die Klage eines Radfahrers gegen eine Kommune abgewiesen, weil der Kläger den Beweis schuldig blieb, dass der geschilderte Unfall tatsächlich so stattgefunden hat, wie von ihm behauptet. Ferner seien die Poller auf dem Radweg aufgrund ihrer rot-weißen Warnfarbe nicht zu übersehen. Und „in jedem Fall würde eine irgendwie geartete Verkehrssicherungspflicht-Verletzung des Beklagten hinter dem massiven Eigenverschulden des Klägers“ zurücktreten, schreibt der Anwalt des Kreises.

Das sieht Kaufhold völlig anders. Sein Rechtsbeistand kommt in seinem Schreiben an das Landgericht zu diesem Schluss: „Die Versperrung des viel befahrenen Weserradwegs mitten im Trassenverlauf in einer S-Kurve ist deplatziert und unsinnig.“ Darüber hinaus habe die gesamte Konstruktion zum Unfallzeitpunkt nicht den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) entsprochen. Der Kreis teilte damals auf Anfrage mit, den Poller zwar nicht versetzen zu können, ihn aber deutlicher markieren zu wollen. Das geschah dann im September 2017 in Form von zwei langen weißen Streifen, die unmittelbar vor dem Poller breiter werde

n.

Herbert Kaufhold, den das Pollerthema seit anderthalb Jahren nicht loslässt, hält die Behördenreaktion einerseits für nicht ausreichend. „Die Poller sollten mindestens vor die Kurve gezogen werden. Dort hätten sie den gleichen Sperreffekt.“ Andererseits zeige die Reaktion des Kreises, dass zuvor offenbar etwas nicht gestimmt habe. Das würden auch Gespräche mit Radlern belegen, die ebenfalls gegen den Poller gestoßen seien. Der weise ohnehin etliche Unfallspuren auf.

Seine Chancen vor Gericht seien schwer einzuschätzen, meint Kaufhold. „Wenn der Richter sagt, die Konstruktion sei in Ordnung und wer dagegen fahre, sei selber schuld, dann ist meine Klage dahin.“ MT



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