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„Inklusion hat Grenzen“

Grundschul-Lehrkräfte fühlen sich allein gelassen

DECKBERGEN. Für Kinder mit emotionalen-sozialen Auffälligkeiten fehlen speziell geschulte Fachkräfte und auch das Schulgebäude müsste modernisiert werden, beklagen die Lehrkräfte an der Grundschule Deckbergen. Vom Schulträger fühlen sie sich allein gelassen.

veröffentlicht am 11.09.2017 um 19:26 Uhr
aktualisiert am 11.09.2017 um 20:50 Uhr

Die Grundschule „Unter der Schaumburg“ in Deckbergen hat Schlagzeilen produziert. Es gibt Probleme bei der Inklusion. Foto: la/Archiv
Kerstin Lange

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Kerstin Lange Redakteurin zur Autorenseite
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Normale Tage gibt es an der Grundschule Deckbergen schon länger nicht mehr. „Seit den Sommerferien gibt es täglich einen Zwischenfall an unserer Schule“, erzählt Schulleiterin Claudia Buschke. Am vergangenen Freitag musste die Grundschulleiterin in Deckbergen die Polizei zu Hilfe rufen. Drei Drittklässler waren ausgerastet, hatten einen Klassenkameraden verprügelt und waren dann weggelaufen.„Die Kinder haben sich völlig verweigert und wollten nicht wieder ins Gebäude kommen“, erzählt Klassenlehrerin Miriam Skoruppal. Da sie selbst die Klasse nicht verlassen konnte, um dort ihre Aufsichtspflicht nicht zu verletzen, sich obendrein um den Jungen kümmern musste, der geschlagen worden war, rief sie die Schulleiterin dazu.

„Ich konnte nicht anders handeln, als die Polizei zu rufen und die Mitarbeiter der Hirschkuppe in Steinbergen zu verständigen, denn dort leben die drei Jungen“, erzählte Buschke. Gemeinsam hätten Polizei und Hirschkuppen-Mitarbeiter die Jungen gesucht und schließlich im nahen Wald gefunden. Das Ganze klingt nach einer Ausnahmesituation, aber im Gespräch mit der Schulleiterin und den Lehrerinnen Miriam Skurppa und Anika Golgath wird deutlich – das ist Alltag an der Grundschule Deckbergen und auch an den weiteren Rintelner Grundschulen.

„Bei uns sind die Probleme etwas geballter, denn wir haben derzeit elf Kinder aus der Hirschkuppe und noch weitere aus dem Schaumburger Kinderhaus und aus Familienbetreuungen. Das sind alles Kinder mit emotionalen-sozialen Auffälligkeiten“, erklärte Buschke. Die Betreuung sei so nicht mehr zu leisten. Die Lehrkräfte fühlen sich alleingelassen vom Schulträger, der Stadt Rinteln, vom Land Niedersachsen und vom Jugendamt des Landkreises Schaumburg.

„Wir sind pädagogische Zehnkämpfer, müssen Aufgaben als Streitschlichter, Polizisten, Kinderpsychologen, Familientherapeuten, Krankenschwestern, Sekretärinnen, Ersatzmamas, Rechtsanwälten, Organisationsprofis, ach ja und auch die von Lehrern ausfüllen. Das geht so nicht. Hier hat Inklusion seine Grenze“, so Buschke. Die Kinder könnten nichts dafür. Sie kommen aus zerrütteten Familien, haben in ihrem kurzen Leben schon viel durchgemacht und seien daher emotional und sozial auffällig. „Die Kinder mit emotional-sozialem Status machen das nicht mit Absicht. Sie sind schlicht überfordert, und zwar nicht, weil sie dumm sind, ganz im Gegenteil. Viele sind sehr intelligent, aber sie sind einfach überfordert mit vielen Situationen“, erklärte Skoruppa.

„Diesen Kindern muss geholfen werden, aber dazu müssen wir speziell geschulte Fachkräfte haben“, mahnt Buschke. Außerdem müssten die Schulgebäude entsprechend modernisiert werden. Man könne nicht die Förderschulen abschaffen, Inklusion einführen und nicht für die entsprechenden Rahmenbedingungen sorgen.

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