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An der Oberschule mit gymnasialem Angebot für Hessisch Oldendorf scheiden sich die Geister / Entscheidung auf 15. Februar vertagt

Grüne kontra CDU und FDP – Schulstreit spaltet Mehrheitsgruppe

Hameln-Pyrmont (ni). „Man muss auch mal den Sprung ins kalte Wasser wagen“, ermuntert Jan ter Horst die Skeptiker unter den Zuhörern, sich couragiert an die Gründung von „Oberschulen“ zu machen. Wann immer er Fragen aus dem Publikum zu dem neuen Schulmodell der Landesregierung nicht eindeutig beantworten kann, appelliert der für Schulen und Kitas zuständige Abteilungsleiter des Kultusministeriums an den Mut zum Risiko. Das Echo der Zuhörer ist eher verhalten.

veröffentlicht am 19.01.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 06:41 Uhr

Otto Deppmeyer (CDU)
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Landrat Rüdiger Butte hat ter Horst eingeladen, vor Schulvorständen der kreiseigenen Schulen, Hauptverwaltungsbeamten der kreisangehörigen Städte und Gemeinden sowie der Politik den aktuellen Stand der Planungen zur Oberschule vorzustellen. Drei Stunden dauert die Veranstaltung und lässt viele der Anwesenden trotzdem mehr ratlos als aufgeklärt zurück.

Nach dem Willen der schwarz-gelben Koalition in Hannover soll es die Oberschule in zwei Varianten geben: ohne gymnasiales Angebot (als Alternative zu Hauptund Realschule) und dann mindestens zweizügig mit mindestens 48 Schülern pro Jahrgang; oder mit Gymnasialangebot und dann mindestens dreizügig mit mindestens 75 Schülern, von denen wiederum mindestens 27 ausdrücklich als Gymnasialschüler angemeldet sein müssen. Doch was passiert eigentlich, wenn der Landkreis zwar die Einrichtung einer Oberschule mit Gymnasialangebot bei der Landesschulbehörde beantragt, dafür auch die Genehmigung erhält – und sich bei der Schulanmeldung im Juni herausstellt, dass die Zahl der angemeldeten Gymnasialschüler doch zu niedrig ist? So ein Fall sollte nicht eintreten, erklärt ter Horst, und dürfte eigentlich auch nicht. Denn der Kreis als Schulträger müsse in seinem Antrag „glaubwürdig darlegen, dass die für das Gymnasialangebot geforderten Schülerzahlen ausreichen“. Zum einen könne das über eine Elternbefragung geschehen, zum anderen aber auch auf der Grundlage statistischer Daten, die Aussagen über die voraussichtlichen Anmeldequoten zulassen.

Mit welchen Unsicherheiten die Sache behaftet ist, zeigt sich am Fall Hessisch Oldendorf. Laut Statistik und unterstellt, die Anmeldequoten für das Gymnasium verändern sich gegenüber dem seit Jahren zu beobachtenden Trend nicht signifikant, hätte Hessisch Oldendorf theoretisch genügend Gymnasiasten für die Oberschule mit gymnasialem Angebot aufzubieten. Auf der anderen Seite haben gerade Hessisch Oldendorfer Eltern ein großes Interesse an der Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule in Hameln bekundet. Ob die Eltern auf eine Anmeldung ihres Kindes an der IGS verzichten, wenn sie vor Ort eine Oberschule mit Gymnasialangebot haben, ob sie ihr Kind trotzdem zur IGS schicken, ob die Hamelner IGS alle aus Hessisch Oldendorf angemeldeten Kinder aufnehmen kann – diese Fragen lassen sich heute noch gar nicht beantworten.

In der Mehrheitsgruppe des Kreistages ist es deswegen zu Unstimmigkeiten gekommen. CDU und FDP drängen auf die Einrichtung einer Oberschule mit Gymnasialangebot in Hessisch Oldendorf zum Schuljahr 2011/2012. Die Grünen stellen sich quer. Sie fordern eine Elternbefragung, und zwar „nachdem wir den Eltern die Unterschiede zwischen der Oberschule und der IGS erklärt haben“, so die grüne Abgeordnete Ursula Wehrmann. Doch um diese Unterschiede wirklich hinreichend erklären zu können, „fehlen uns ja selbst noch viel zu viele Informationen“. Während man bei einer IGS-Gründung auf erprobte Unterrichtskonzepte zurückgreifen oder sich zumindest daran orientieren könne, müsste die innere Organisation der neuen Oberschulen sozusagen erst noch erfunden werden. Allein die Aussage, sie enthalte Elemente der IGS, der Kooperativen Gesamtschule und des dreigegliederten Systems, sei für Eltern keine ausreichende Information. „Eltern wollen bei der Anmeldung doch wissen, nach welchem konkreten Konzept die Schule arbeitet, und nicht, nach welchem sie theoretisch arbeiten könnte.“ Dass eine für Hessisch Oldendorf im Februar beantragte und frühestens zu Ostern genehmigte Schule bis zum Anmeldetermin im Juni ein fertiges Konzept vorweisen kann, bezweifelt Wehrmann. Ihr Fazit: Wenn überhaupt, dann könne eine solche Schule erst zum Schuljahr 2012/2013 starten.

Christdemokraten und Liberale sehen das anders. „Umfragen helfen uns nicht weiter, denn die Antworten der Eltern sind unverbindlich“, wehrt Otto Deppmeyer die Forderung der Grünen nach einer Elternbefragung ab. Die Schülerzahlen in Hessisch Oldendorf gäben die Einrichtung einer Oberschule mit Gymnasialangebot her, sagt der CDU-Fraktionschef und geht davon aus, „dass wir für diese Schule genügend Kinder kriegen“. Deppmeyer ist überzeugt, dass viele der Eltern, die sich für die IGS in Hameln ausgesprochen haben, ihre Meinung ändern werden, wenn sie vor Ort das Oberschulangebot erhalten. Und gar so neu sei diese Schulform ja auch wieder nicht, sondern lehne sich stark an das Modell der Kooperativen Gesamtschule an, in der nach Schulzweigen gegliederter Unterricht überwiege.

Gegen die Einführung einer Oberschule ohne gymnasiales Angebot – sowohl in Hessisch Oldendorf als auch in Emmerthal und Aerzen – haben die Grünen nichts einzuwenden. Sie liegen damit auf einer Linie mit Landrat Rüdiger Butte, der mit genau diesem Vorschlag in die für heute anberaumte Kreis- Schulausschusssitzung gehen wollte. Auf Wunsch der Mehrheitsgruppe wurde die Sitzung abgesagt. Sie soll nun am 15. Februar stattfinden.



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