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Zehntausende Singvögel seit Frühjahr verendet / Parasit ist die Ursache / Hameln-Pyrmont noch nicht betroffen

Großes Grünfinkensterben – Nabu mahnt zur Vorsicht

Weserbergland (tk). Seit dem Frühling sterben in Deutschland massenweise Grünfinken und auch andere Singvögel. Zunächst traten die mysteriösen Todesfälle in Schleswig-Holstein, dann auch in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen auf. Mittlerweile liegen Funde aus Bayern und Sachsen vor. An vielen Futterstellen waren tote Grünfinken gefunden worden, ohne dass der Grund dafür ersichtlich war. Jetzt haben Tiermediziner die Ursache gefunden: eine tödliche Parasiten-Infektion.

veröffentlicht am 28.07.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 20:21 Uhr

Grünfinken sind farbenfrohe Vögel. Foto: Rossen
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Verantwortlich ist der Einzeller „Trichomanos gallinae“ – ein mikroskopisch kleines Geißeltierchen, das bei den Vögeln Entzündungen im Schlund und im Rachen auslöst. Nach Schätzungen des Natur- und Umweltschutzverbandes (Nabu) sind bereits mehrere zehntausend Wildvögel an der Krankheit verendet. Obwohl im Weserbergland noch kein Fall aufgetreten ist, appellieren der Landkreis und der Nabu Hameln-Pyrmont an alle Vogelfreunde, jetzt keine Wildvögel zu füttern und Tränken vorübergehend zu schließen, damit sich die Krankheit nicht weiterverbreitet. „Auf jeden Fall sollte auf die Sauberkeit der Tränken geachtet werden“, sagt Hans Arend, Vogelexperte beim Nabu Hameln-Pyrmont. Veterinäre warnen: Futterstellen und Tränken scheinen die Drehscheibe für den Erreger zu sein. Denn vor allem dort kommen viele Tiere zusammen, entsprechend hoch sei die Ansteckungsgefahr – denn der Parasit überlebe auch im Trinkwasser. Außerdem füttere sich der Grünfink gegenseitig. Auch Tauben stehen als Überträger mittlerweile im Verdacht. Bei ihnen sind die Trichomonaden als Erreger des sogenannten „Gelben Knopfes“ bekannt. Für den Menschen besteht keine Ansteckungsgefahr.

Auch andere Vogelarten betroffen

Anders als bei den Tauben, verläuft die hochinfektiöse Krankheit bei Singvögeln jedoch meist tödlich. Betroffen sind nicht nur Grünfinken, sondern auch Buchfinken, Kernbeißer, Gimpel, Stieglitze, Dompfaffen, Elstern, Haussperlinge und Amseln. Erkrankte Tiere sind an einem verklebten Schnabel, einem gelblichen Belag auf der Schleimhaut des Schlundes und besonders aufgeplustertem Gefieder zu erkennen. Die meisten infizierten Grünfinken sterben nach kurzer Krankheitsdauer, berichtet der Nabu. Nur einige Vögel mit besonders starker Immunabwehr könnten länger überleben und werden zu einem Risiko für die Artgenossen.

„Da noch kein Fall des Grünfinkensterbens bei uns amtlich auffällig geworden ist, ergreifen wir auch noch keine speziellen Maßnahmen“, sagt Rainer Halbauer, Fachdienstleiter Naturschutz beim Landkreis. Die Ämter seien aber informiert. Nun müsse man abwarten, ob ein Fall eintritt – im besten Falle ginge der Kelch am Landkreis vorüber.

Anders als viele ziehende Singvögel, bleibt der Grünfink auch im Winter in Deutschland, anstatt in den warmen Süden zu fliegen. Geschwächt durch den Parasitenbefall, dürfte es für die Grünfinken-Population ein schwerer Winter werden: denn das Immunsystem der Vögel ist in der kalten Jahreszeit, wenn es zudem nur wenig Nahrung gibt, besonders anfällig für Infektionen. Experten und Naturschützer rechnen daher mit einem vermehrten Sterben der Grünfinken.

Seit Anfang Mai finden Menschen immer wieder tote Grünfinken: Ein Parasit setzt ihnen schwer zu.

Foto: Gerd Rossen

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