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Was mache ich bei Gewitter?

Gewitter-Mythen: Was ist richtig, was ist falsch?

WESERBERGLAND. Ganz schön krass war das Gewitter am Donnerstagabend. In zwei Dachstühlen hat es sogar gebrannt. Jedes Jahr kommen im Schnitt in Deutschland zehn Menschen durch Blitze ums Leben. Die Sachschäden durch Gewitter gehen in die Millionen. Für viele bleibt die Frage: Wie verhalte ich mich richtig, wenn das Gewitter naht? Wir haben mit den wichtigsten Gewitter-Mythen aufgeräumt.

veröffentlicht am 16.06.2017 um 08:09 Uhr
aktualisiert am 16.06.2017 um 13:14 Uhr

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Tomas Krause

Autor

Tomas Krause Onlineredakteur zur Autorenseite
Mythos 1: Im Auto bin ich sicher
Stimmt: Geschlossene Autos mit einem Metalldach bieten eine relativ hohe Sicherheit. Die Karosserie bildet einen sogenannten Faradayschen Käfig. Dieser leitet die elektrischen Ströme außen am Fahrzeug ab. Fahrzeuge aus Kunststoff oder mit Stoffdach bieten einen schlechteren Schutz. Grundsätzlich gilt auch im Auto: Fenster zu, Finger weg vom Radio.

Mythos 2: Eichen sollst Du weichen, Buchen sollst Du suchen
Falsch: Sie sollten alle Bäume meiden, egal welcher Art. Die meisten Blitzopfer standen unter oder in der Nähe eines Baumes.

Mythos 3: Im Haus ist man sicher
Im Prinzip schon: Im Grund ist man im Haus sicher, wenn man ein paar Regeln beachtet. Vermeiden sie den Kontakt mit Leitungen, die nach außen führen. Dazu zählen eingesteckte Elekrtogeräte, Telefone mit Kabel oder Badezimmerarmaturen (denn das enthaltene Wasser leitet gut). Sie sollten sich auch nicht in der Nähe eines Fenster aufhalten. Hat ein Blitz in der Nähe eingeschlagen, dann kann er eine Druckwelle erzeugen, die schon so manche Scheibe zum Bersten brachte.

Mythos 4: Bei Gewitter flach auf den Boden legen
Falsch: Zwar bieten sie im Liegen keinen erhöhten Punkt für den Blitz, wenn er aber in der Nähe einschlägt, dann durchfließt der Strom ihren gesamten Körper - vom Kopf bis zu den Füßen. Besser ist es, sie hocken sich auf den Boden und ziehen den Kopf zwischen die Knie. Sich bei Gewitter draußen aufzuhalten ist aber grundsätzlich keine gute Idee. 

Mythos 5: Menschen die vom Blitz getroffen wurden soll man nicht anfassen. Sonst bekommt man selbst einen Schlag.
Falsch: Ein Körper kann keine Elektrizität speichern. Erste Hilfe ist nach einem Blitzschlag dringend notwendig. Direkt nach dem Blitzschlag liegt die Überlebensrate bei 90 % - wenn sofort Hilfe da ist: Eine Reanimation per Herzdruckmassage und eine Mund-zu-Mund-Beatmung können Leben retten. Vorsicht ist bei einem Strom-Unfall durch eine Leitung gegeben.  Kontrollieren sie zu erst die Sicherung, bevor sie helfen.

Mythos 6:  Dinge aus Metall ziehen Blitze an
Falsch: Die Höhe, eine spitze, herausragende Form und der Grad der Isolation ist für den Blitz entscheidend. Aus welchem Material der Gegenstand ist, ist dem Blitz egal. Bäume oder Berge sind schließlich auch nicht aus Metall. Dennoch sollten sie sich von metallischen Gegenständen fernhalten. Geländer, Zäune, Rohre leiten den Strom weiter - selbst wenn dieser in einiger Entfernung eingeschlagen hat. Auch Brillen oder Schmuck können unter Umständen gefährilich werden. Sie ziehen zwar keine Blitze an, aber kommt es zu einem Blitzeinschlag in der Nähe, dann können sie sehr heiß werden und so zu Verbrennungen  führen.

Mythos 7: Sport im Freien - Wir spielen das Spiel noch zu Ende, obwohl es donnert
Falsch: Sobald ein Gewitter aufzieht, sollte das Spiel abgebrochen werden. Das gilt besonders für Wassersportler. Die zweitgrößten Gruppe der Blitz-Opfer wurden auf einem Sportplatz vom Schlag getroffen. In den USA hat es jeden fünften Blitztoten auf dem Golfplatz erwischt.

Mythos 8: Ein Blitz schlägt niemals zweimal an der gleichen Stelle ein:
Im Gegenteil: Hohe Objekte werden deutlich häufiger vom Blitz getroffen. Das Empire-State Building wird pro Jahr mindestens 25 Mal getroffen. Deshalb befand sich dort jahrelang ein Blitz-Labor.

Mythos 9: So lange keine Wolken über mir sind, bin ich sicher
Falsch: Blitze schlagen oft mehrere Kilometer entfernt vom eigentlichen Gewitter ein - also weit weg von den dazugehörigen Wolken und dem Regen. Bei großen Wolken kann der Blitz schon mal 100 Kilometer weit entfernt einschlagen. Es ist also Vorsicht geboten, sobald sie eine typische, anbossförmige Gewitterwolke sehen. Den "Blitz aus heiterem Himmel" gibt es nicht nur sprichwörtlich.

Mythos 10: Wenn das Gewitter kommt, halte ich mich neben etwas Hohem auf
Ganz falsch: Alles was hoch und spitz ist wird häufig vom Blitz getroffen. Es gibt auch keinen Radius, in dem man sicher ist., da Strom durch den Boden geleitet wird. Halten sie Abstand von solchen Gegenständen.

Mythos 11: Wie weit ein Gewitter entfernt ist, kann man an den Sekunden zwischen Blitz und Donner abzählen
Richtig: Allerdings ist die weit verbreitete Formel "je gezählte Sekunde ein Kilometer entfernt" falsch. Ein Blitz erreicht eine Temperatur von rund 30.000 Grad Celsius. Die so stark erhitzte Luft dehnt sich schlagartig aus und wird zum Donner. Blitz und Donner gehören also zusammen und treten direkt an der Einschlagstelle auch zusammen auf. Da die Schallgeschwindigkeit aber nur 333 Meter pro Sekunde beträgt, die Lichtgeschwindigkeit aber so hoch ist, dass sie für uns nicht messbar ist, treten Blitz und Donner außerhalb der Einschlagstelle versetzt voneinander auf. Die Formel, um die Entfernung zum Gewitter zu berechnen, lautet: Gezählte Sekunden mal 333 = Abstand des Gewitters in Meter. Ein Beispiel: Zwischen Blitz und Donner liegen acht Sekunden. 5 x 333 = 1665 Meter.

Mythos 12: Bei Gewitter den Fernseher ausschalten
Richtig: Durch einen Blitzeinschlag entsteht ein starkes Magnetfeld und eine große statische Elektrizität. Das kann zu Überspannungsschäden an elektrischen Geräten führen. Um die Elktrogeräte im Haushalt zu schützen macht es daher schon Sinn, sie vom Netz zu trennen. Zwar kommt die Hausratsversicherungen in solchen Fällen meist auf, doch gerade bei Computerschäden entsteht Ärger, wenn alle Daten verloren sind. Guten Schutz bieten Steckdosenleisten mit Überspannungsschutz oder Überspannungsschutzadapter.

Mythos 13: Gewitter macht die Milch sauer
Falsch: Ein Gewitter kann Milch nicht sauer machen. Allerdings sorgt die Kombination von Wärme und Feuchtigkeit im Sommer dafür, dass Lebensmittel leicht verderben können. 

Mythos 14: Kugelblitz kommt durchs offene Fenster
Rätselhaft: Über Kugelblitze wird seit Jahrhunderten berichtet, viele halten sie für Legenden, die Wisschenschaft konnte sie noch nicht eindeutig nachweisen. Durch offene Fenster sollen sie hereinkommen, sogar in Flugzeugen soll es welche gegeben haben. Die meisten Augenzeugen beschreiben den Kugelblitz als schwebend oder sogar stillstehend in der Luft, bevor er sich nach einigen Sekunden mit einem lauten Knall auflöst. Plasmaphysiker ist es gelungen, einen Kugelblitz künstlich in einem Experiment zu erzeugen. Dennoch ist sich die Forschung uneins über das Naturphänomen. Die Physiker Josef Peer und Alexander Kendl von der Universität Innsbruck glauben, dass
Kugelblitze womöglich nur eine Sinnestäuschung sind, hervorgerufen durch starke elektrische Entladungen von anderen Blitzen. Peer und Kendl gehen davon aus, dass das Magnetfeld langer Blitzentladungen im menschlichen Gehirn den Eindruck leuchtender Kugeln – "Phosphene" – erzeugen könnte.

Mythos 15: Bei Gewitter kein Handy benutzen
Falsch: Handystrahlung in der Luft zieht Blitze an - diese Annahme ist falsch. Viele Nutzer wird diese Erkenntnis freuen.

Mythos 16: Im Flugzeug ist man bei Gewitter sicher
Richtig: Bei Gewitter fliegen ist für viele Passagiere eine Horrorvorstellung. Unvermeidlich ist das jedoch nicht. Zur Beruhigung: Auch wenn ein Blitz in das Flugzeug einschlagen sollte, muss das nicht fatale Konsequenzen haben. Hierfür ist vor allem die Bauart moderner Flugzeuge verantwortlich. Schutzsysteme sorgen dafür, dass die Energie an der Außenseite des Flugzeugs bleibt und nicht ins Innere gelenkt wird.


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