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Aufarbeitung der NS-Propaganda am Bückeberg

Gelderblom präsentiert neues Buch über „Reichserntedankfeste“

HAMELN/EMMERTHAL. Einen Anstoß gab dem Bernhard Gelderblom – so erzählt er – einst die Frage eines Schülers: „Und Hitler konnte man lieben?“, habe der sich gewundert. Nun, Jahre später, präsentierte der Hamelner Historiker im Medienraum der Dewezet sein neues Buch über die NS-Propagandafeste am Bückeburg.

veröffentlicht am 15.10.2018 um 22:00 Uhr
aktualisiert am 16.10.2018 um 10:30 Uhr

Zahlreiche Exemplare seines Buches musste Bernhard Gelderblom (re.) am Montagabend signieren – hier für Rüdiger Zemlin. Foto: fh
Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
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Einen Anstoß gab dem Hamelner Historiker Bernhard Gelderblom – so erzählt er – einst die Nachfrage eines Schülers: „Und Hitler konnte man lieben?“, habe der sich nach einem Vortrag gewundert. Bei den „Reichserntedankfesten“ der Nationalsozialisten auf dem Bückeberg, mit denen sich der Hamelner Historiker nun schon seit Jahrzehnten beschäftigt, ging es letztlich genau darum: Hier wurde gearbeitet an dieser Liebe zum „Führer“ oder wie Gelderblom bei seinem Vortrag am Montagabend sagte: „Hier wurden die Grundlagen gelegt, Hitler zu folgen bis ins Verderben.“ Es führe ein Weg vom Bückeberg bis in Konzentrationslager wie Bergen-Belsen.

Im Medienraum der Dewezet präsentierte Gelderblom sein neues Buch über die großen NS-Propagandafeste von 1933 bis 37. Eine Broschüre Gelderbloms über die „Reichserntedankfeste“ mit Hunderttausenden von Besuchern gibt es bereits (CW Niemeyer Buchverlage), nun jedoch folgt der größere Wurf, mit rund 200 Fotos und zahlreichen schriftlichen Quellen.

Darin lässt sich nachvollziehen, wie dieses Fest gerade auch die Nicht-Parteimitglieder ansprach. Wie sich die „Tätergesellschaft formierte“ – so sagte es in seiner Einführung Dr. Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten. Diese Phase sei angesichts der Monstrosität der späteren Verbrechen oft in Vergessenheit geraten. Doch seit den 1990er Jahren würden auch an „Täterorten“ Lern- und Dokumentationsstätten errichtet. Etwa 2001 am Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. An die NSDAP-Versammlungen erinnern dort noch heute wuchtige Bauten. Doch die – gemessen an den Teilnehmerzahlen – größeren Propagandaveranstaltungen der Nationalsozialisten fanden auf dem zur Naturbühne zurechtplanierten Hang bei Hagenohsen statt. Um die Spuren und die Bedeutung dieser NS-Inszenierungen zu erkennen, braucht es heute jedoch Hinweise und Erklärungen. Die möchte Gelderblom geben. Das neue Buch sei „zugeschnitten“ auf die acht auf dem Bückeberg geplanten Info-Inseln des vom Kreistag beschlossenen Dokumentations- und Lernortes. So sei das Buch etwa geeignet, um mit Schülern einen dortigen Besuch vor- oder nachzubereiten.

Doch die Debatte über den Lernort ist noch nicht beendet. Gelderblom musste in den vergangenen Monaten scharfe, nicht selten beleidigende Angriffe verkraften. Dass ihn das getroffen hat, wurde auch am Abend der Buchvorstellung deutlich. „Der weitere Verlauf der Auseinandersetzung ist gegenwärtig nicht abzusehen“, räumt Gelderblom am Ende seines Buches ein.

Kritik wurde aus den Reihen der knapp 100 Zuschauer am Montagabend jedoch nicht laut – dafür viel zustimmender Applaus. Kritiker sind der Buch-Premiere offenbar ferngeblieben. Auch Gesprächsangebote hätten diese in der Vergangenheit wiederholt abgelehnt, so Gelderblom.

Ihn habe erschreckt, sagte der Autor, „wie sehr es die AfD geschafft hat, die heimische Meinungsbildung zu bestimmen.“ Die bürgerliche Mitte – und damit meint er die CDU – habe dazu geschwiegen. Und wie es sich für einen Historiker gehört, beendete Gelderblom das Thema an diesem Abend mit einem geschichtlichen Vergleich: „Es waren nicht die Rabauken der SA, die Hitler an die Macht gebracht haben. Es war die bürgerliche Mitte.“


Info: Bernhard Gelderblom: „Die NS-Reichserntedankfeste auf dem Bückeberg. 1933 – 1937“, Verlag Jörg Mitzkat, 200 Seiten, 19,80 Euro.



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