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Frauen machen Schule – beim Modellprojekt geht es nicht nur um die gesunde Ernährung

„Gegen den Mist, der im Einkaufswagen liegt“

Hameln. Entspannt sitzen sie am sorgfältig gedeckten Tisch, die Mädchen und Jungen der Koch AG, und warten, dass ihnen die Lehrerin guten Appetit wünscht. „Die Suppe schmeckt echt gut, kann ich noch eine Kelle voll haben?“, fragt Franziska während Türkan überlegt, ob sie das Rezept zu Hause nachkochen wird. Gemeinsam haben zehn Siebtklässler der Wilhelm-Raabe-Realschule, wie an jedem Mittwoch in diesem Schuljahr, die Mahlzeit zubereitet.

veröffentlicht am 07.11.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 18:41 Uhr

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Autor:

Barbara Jahn-Deterding
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„Am besten geschmeckt haben die Pfannkuchen, die habe ich schon zu Hause ausprobiert“, sagt Teoman. Gerade lässt er sich noch einmal zeigen, wie der Lauch in feine Ringe geschnitten werden muss. Neben ihm brät Almi das Hackfleisch an und erzählt, dass er seiner Mutter auch manchmal beim Kochen helfe. Auf die Frage, ob ihn die Haube, die alle Teilnehmer der Koch AG tragen müssen, nicht stört, antwortet er lachend: „Ne, das ist wegen der Hygiene, wir wollen ja keine Haare im Essen haben.“ Alle Mädchen und Jungen hantieren konzentriert mit den verschiedenen Küchengeräten, lesen im Rezept nach oder bitten um Hilfe, damit alle Speisen rechtzeitig fertig werden. Denn auf die gemeinsame Mahlzeit legen sie großen Wert, „da müssen wir uns auch gut benehmen“, lacht ein Mädchen.

„Es geht in der AG aber nicht nur um die gesunde Zubereitung gesunder Lebensmittel, um die Grundlagen gesunder Ernährung. Wichtig ist auch, dass die Schüler landestypische Speisen und Tischkulturen ihrer Mitschüler kennenlernen“, betont Ilse Amelung, Kreisvorsitzende der Landfrauen. So habe man mit einem polnischen Mitschüler Piroggen zubereitet, führt sie als Beispiel an. Die Mädchen und Jungen haben währenddessen das Dessert, eine Quarkspeise, aufgegessen und überlegen schon mal, wer heute abwaschen muss. „Wir haben einen Ämterplan, da steht drin, was wir machen müssen“, erklärt Türkan, und sie holt ihre Mappe heraus, in der auch die Rezepte sorgfältig in Klarsichthüllen abgeheftet sind.

Die Schülerinnen und Schüler sind Teilnehmer am Modellprojekt „Frauen machen Schule“ des Kreisverbandes der Landfrauenvereine Hameln-Pyrmont. An fünf Haupt- und Realschulen in Hameln, Salzhemmendorf und Bad Münder unterrichten hauswirtschaftliche Fachkräfte eigenverantwortlich in der Sekundarstufe I.

Ilse Amelung freut sich, dass nach zweijähriger finanzieller Unterstützung durch den Landkreis nun auch das niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung die Durchführung der Arbeitsgemeinschaften fördert. „Für die Frauen, sie sind entweder Meisterinnen der ländlichen Hauswirtschaft oder Hauswirtschaftsleiterinnen, ist die Arbeit als Quereinsteiger in den Schuldienst eine große Chance. Hauswirtschaftslehrer sind knapp und diese Tätigkeit bietet eine Einkommenssicherheit für Frauen im ländlichen Raum“, erklärt die Kreisvorsitzende von rund 1200 Mitgliedern, die in sechs Ortsvereinen organisiert sind.

Werner Schmidt, Schulleiter der Wilhelm-Raabe-Schule, dankt den Landfrauen für ihr Engagement. Als Spezialist für Kinder und gar als Spezialist für Kinder an einer Brennpunkschule der Südstadt wisse er, dass „es wichtig ist, gegen den Mist, der oft im Einkaufswagen liegt, etwas zu tun.“ Hameln-Pyrmonts Landrat Rüdiger Butte ist davon überzeugt, dass es gut sei, Geld für dieses Projekt auszugeben. Er wisse, dass sich in einer Koch AG viele Kinder erstmals mit der Thematik der gesunden Ernährung und ihrer Zubereitung auseinandersetzen. „Es ist wichtig, dass ihr mehr kennenlernt als McDonald, und dass ihr mit einem Küchenmesser umgehen könnt“, sagt er zu den Schülern, um dann auch das Rezept des Tages, die Lauch-Käsesuppe, zu probieren.



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