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Die Biografie von Jörg W. beschäftigt das Gericht am 15. Prozesstag

Gefälschte Lebensläufe

BIELEFELD/STADTHAGEN. Von seiner Zeit in der Fremdenlegion hat der mutmaßliche Dreifachmörder Jörg W. immer gerne erzählt, wie Freunde und Nachbarn bestätigen. Er sei Fallschirmspringer gewesen und habe im Irak-Krieg gekämpft, hat der Angeklagte immer berichtet. Dass nichts davon stimmt, steht spätestens seit Freitag fest.

veröffentlicht am 18.01.2019 um 18:12 Uhr
aktualisiert am 18.01.2019 um 20:00 Uhr

Vor dem Landgericht Bielefeld war die Biografie vom Angeklagten Jörg W. Thema am 15. Prozesstag um die Dreifach-Morde in Hille. foto: Friso Gentsch/dpa-archiv

Autor:

Stefanie Dullweber
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Lediglich zwei Monate und 28 Tage hat der heute 52-Jährige in der Fremdenlegion gedient. Vor dem Landgericht Bielefeld war die Biografie von Jörg W. Thema am 15. Prozesstag um die Dreifach-Morde in Hille.

Der Vorsitzende Richter Dr. Georg Zimmermann verlas die beglaubigte Übersetzung eines Schreibens vom Mai 2018. Darin schreibt ein Major der Fremdenlegion, dass der Hiller mit falscher Identität in der Legion war. Dort war er als Johann Wagner bekannt. Auch Geburtsdatum und Geburtsort waren verändert worden. Statt in Duisburg wurde Jörg W. den Angaben zufolge in Kassel geboren.

Am 7. Mai 1990 hatte sich der Angeklagte für fünf Jahre in der Militär-Organisation verpflichtet. Eine nicht näher beschriebene Krankheit machte ihn allerdings für den Dienst untauglich. Der Major bezeichnet W. nicht als Soldaten, sondern als „Interessierten“. Ausdrücklich, dass W. in keiner Einsatzeinheit gedient und auch nicht an Auslandseinsätzen teilgenommen hat.

Auch W.s Zeit bei der Bundeswehr war gestern Thema vor Gericht. Demnach absolvierte der Hauptschul-Absolvent seinen Wehrdienst vom 1. Oktober 1987 bis zum 24. April 1989 beim Flugkörpergeschwader 2 in Geilenkirchen im Kreis Heinsberg. Nach dem Grundwehrdienst galt W. zunächst als Soldat auf Zeit, wurde im April 1988 aber auf den Grundwehrdienst zurückgestuft. Der Anlass war W.s wiederholte unerlaubte Abwesenheit vom Dienst.

Das Gericht hatte sich außerdem Daten des Angeklagten hinsichtlich seiner früheren Arbeitgeber besorgt und eine Auflistung bei der Deutschen Rentenversicherung angefordert. Auffällig ist, dass W. in den meisten Fällen nie länger als ein paar Monate bei einem Arbeitgeber beschäftigt war. Richter Zimmermann verlas eine Liste mit rund 30 Unternehmen, bei denen W. zwischen 1982 und 2017 untergekommen war.

Nach seiner Ausbildung zum Dreher bei Thyssen Krupp folgten Beschäftigungen unter anderem bei Personaldienstleistern und beim Freihafen Duisburg. 2012 zog W. nach Hille und arbeitete dort zunächst für eine Firma, die im Baugewerbe tätig ist. Bis 2017 folgten weitere Anstellungen in Stemwede, als Fahrer für eine Mindener Bäckerei, bei einem Personaldienst, einem technischen Servicebetrieb in Minden, einer Zaunfirma in Lübbecke sowie einer Firma für Land- und Gartentechnik in Hille.

In selbst verfassten Lebensläufen, die die Mordkommission „Wilhelm“ bei Arbeitgebern beziehungsweise auf dem Computer von Jörg W. sichergestellt hatte, wich der Angeklagte von den Tatsachen ab. So gab der 52-Jährige beispielsweise an, von 1988 bis 1993 bei der Fremdenlegion gewesen zu sein. Außerdem erfand er mehrjährige Tätigkeiten als Bauleiter, als Qualitätsprüfer und als Maurer bei einem Hiller Unternehmen.

Die Ungereimtheiten passen in das Bild, dass sich Prozessbeobachter bislang von W. machen konnten. Nach seiner Festnahme hatte er zunächst gestanden, den zweifachen Vater Fadi S. aus Stadthagen mit einem Hammer erschlagen zu haben. In Untersuchungshaft sagte der Angeklagte im Gespräch mit der Psychologin Sabine Nowara, dass er genau wisse, dass er niemanden umgebracht habe. Vielmehr beschuldigte W. seinen Ziehsohn Kevin R., die Morde an Gerd F., Jochen K. und Fadi S. begangen zu haben. Der Prozess wird am 4. Februar fortgesetzt.



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