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Museum Springe bekommt Kinderschuhe aus Hameln von 1910

Fußspuren einer Familie

Springe (ric). So klein sie auch sind, so spannend ist doch die Familiengeschichte, die dahintersteckt. Dem Museum auf dem Burghof wurde ein ledernes Paar Kinderschuhe vermacht. Für eine Einwandererfamilie sind sie ein Symbol für die Gastfreundschaft in ihrer neuen Heimat.

veröffentlicht am 19.12.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 21:41 Uhr

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Sie kamen von der Küste. Helga Walters Vater war das jüngste von drei Geschwistern. Geboren in der Provinz Nordholland, wo schon der Großvater als Böttcher tätig war, machte er eine Bäckerlehre. Die Vorfahren ihrer Mutter Maria Adriana waren Walfänger, später Lotsen, Steuermänner und Kapitäne. Geboren wurde Helga van der Gaag im September 1944, sie wuchs in Santpoort auf, inmitten einer lärmenden Kulisse von Fischereihafen, Hochseeschleusen und Stahlwerken. „Unter der deutschen Besatzung hatten wir vorerst nicht zu leiden“, erinnert sie sich. Doch das änderte sich schnell. Die Mutter arbeitete als Pflegerin in einem noblen Sanatorium, wollte nach Deutschland auswandern, wurde krank, reiste zurück. Dann wurde der Vater als Reservist nach Berlin abberufen. Und Maria wollte ihm nachreisen, die guten Ratschläge der Verwandten ignorierend. In Hameln dann stieg die mutige Frau aus, mit einem Koffer voller nasser Windeln und einem wenige Wochen alten, schreienden Baby. Eine Frau der Bahnhofsmission kümmerte sich um die Neuankömmlinge, vermittelte eine Wohnung in Klein Berkel. „Mama war sehr wohlerzogen und nahm großen Anteil am Leben dieser lieben Menschen.“ Jemand schenkte ihr einen alten Kinderwagen, die kleine Tochter lernte zu laufen. Und dann schenkte ihr jemand die kleinen Schühchen aus dem Jahr 1910, wohl ein Soldat. Ein von der Lebensmittelkarte besorgtes Brot wechselte im Gegenzug die Besitzer. „Die Schuhe hatte der damalige Schuster in Klein Berkel von Hand hergestellt – ich lernte ihn später noch kennen“, erzählt Helga Walter, die heute in Hameln wohnt. Im April 1945 kamen die Alliierten. Und Maria van der Gaag reagierte schnell. Weil es weit und breit kein weißes Leinen gab, musste das Babyhandtuch als Zeichen der Kapitulation gehisst werden. Der drohende Beschuss der Ortschaft blieb aus. Die Geschichte zu den Schuhen kam Helga Walter erst kürzlich wieder in Erinnerung. Der Kontakt zum Springer Museum entstand, als sie auf den Beginn einer Landsommer-Führung wartete. Weil sie dort so herzlich empfangen wurde und die Schuhe in guten Händen weiß, überließ Helga Walter sie den Ehreamtlichen.

Museumshandwerker Jörg Wolf (Schuhgröße 45) zeigt die ledernen Minischuhe, die um 1910 bei Hameln gefertigt wurden und von vielen Kindern getragen wurden.

Foto: ric



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