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Förster befürchten Verfall der Holzpreise

„Friederike“ hat vor allem Fichten umgeworfen

WESERBERGLAND. Nach Orkantief „Friederike“ ziehen die Niedersächsischen Landesforsten und die Waldbesitzer nun eine erste Bilanz. Vor allem im Süden Niedersachsens haben die starken Böen auch im Forst deutliche Spuren hinterlassen. Im Solling sind Waldbestände teilweise flächig geworfen worden. Im Bereich des Staatlichen Forstamtes Oldendorf sei der Raum Welsede/Emmerthal am heftigsten betroffen, erklärt Forstamtsleiter Christian Weigel.

veröffentlicht am 22.01.2018 um 15:13 Uhr
aktualisiert am 22.01.2018 um 18:00 Uhr

In Fichten-Monokulturen wie hier im Solling, hat der Orkan wieder Schneisen in den Wald gerissen. Foto: dpa
Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Bodenwerder zur Autorenseite
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Wie groß die Schäden, die der Orkan am Donnerstag angerichtet hat, genau sind, werde derzeit von den Forstleuten noch ermittelt, erklärt Weigel. Und das werde noch einige Zeit dauern. Denn zum einen sei schwer an die Schadensbereiche heranzukommen, weil Wege blockiert sind; zum andern habe es anders als bei Kyrill vor elf Jahren diesmal weniger zusammenhängende Flächenwürfe als vielmehr Einzelwürfe – und hier wieder vor allem Fichten – an verschiedenen Stellen der Forstreviere gegeben. Diesmal rauschte „Friederike“ mit Spitzenwerten von 112 Stundenkilometern über die Höhen und war damit vergleichbar mit den Orkanböen von „Niklas“, der die Region am 31. März 2015 heimsuchte.

Weigel: „Kyrill hatte die problematischen Bestände ja schon abgeräumt. Trotzdem sind wir auch diesmal ganz schön gerupft worden. Doch war es diesmal nicht so schlimm wie die Kyrill-Katastrophe.“ Doch wie nach dem Orkan am 18. Januar 2007, als plötzlich unvorhergesehen enorme Nadelholzmengen auf dem Markt drängten, befürchtet der Forstfachmann auch diesmal wieder Preiseinbrüche: „Die Holzpreise werden sinken“, prognostiziert er. Um das Schlimmste zu verhindern, soll es demnächst eine Krisensitzung der niedersächsischen Forstämter geben, um Strategien zur Preisregulierung zu entwickeln. Weigel: „Wir werden versuchen, mit Holzeinlagerung ein Überangebot zu verhindern.“ Außerdem heißt es jetzt, mit dem Sturmholz schnell am Markt sein. Walter Henecke, der Neuhäuser Forstamtsleiter, kennt diese Szenerie. Schon im Vorfeld, als sich „Friederike“ ankündigte, hat er Harvester – große Holzerntemaschinen – reserviert. Und die sind seit Ende voriger Woche im Solling im Einsatz.

Schaulustige begeben sich im Wald in Lebensgefahr.

Christian Weigel, Forstamtsleiter

Die Borkenkäfer-Gefahr schätzen viele Förster diesmal übrigens geringer ein als bei den Kyrill-Flächenwürfen vor zehn Jahren: Zum einen werden die einzelnen vom Sturm gefällten Bäume in den Beständen nicht so schnell käfer-freundlich austrocknen; zum andern haben die um- und nicht abgeknickten Fichten über ihren, wenn auch schräg stehenden Wurzelteller, immer noch Kontakt zu Wasser und bleiben feucht, so die Forstspezialisten.

In der Zugschneise des Orkans Friederike im benachbarten Nordrhein-Westfalen sind im Raum Paderborn und Höxter zahlreiche Wälder per ordnungsbehördlicher Verordnung bereits offiziell gesperrt worden. Wer die Sperrungen missachtet, riskiert ein Bußgeld. Die Verordnungen gelten zunächst bis Ende Januar. Solche Sperrungen gibt es in Niedersachsen bislang nicht. Der Leiter des Niedersächsischen Forstamtes Oldendorf, das die Weser entlang von Rinteln bis nach Polle reicht, warnt dennoch nachdrücklich: „Wer diese Wälder betritt, begibt sich leichtsinnig in Lebensgefahr.“ Nach so einem Sturm bestehe die Gefahr, das beschädigte Bäume unvorhersehbar zu Boden stürzen und dicke Äste aus großer Höhe zu Boden krachen. Das geht in Sekundenbruchteilen, da kann keiner ausweichen. Trotzdem hat er am Wochenende beobachtet, dass Schaulustige, diese Gefahren missachtend, dennoch seelenruhig Waldspaziergänge machten.

Jetzt müssen sich die Waldexperten gemeinsam mit den Waldbesitzern erst mal einen einen Überblick über die Lage verschaffen. Wie Forstamtsleiter Weigel ankündigt, werde man diesmal dabei Drohnen und Flugzeuge zuhilfe nehmen. Anschließend wird mit den Aufräumarbeiten begonnen, um die Sicherheit im Wald wiederherzustellen. Eine zusätzliche Herausforderung bei der Aufarbeitung der Sturmschäden dürften zudem die nassen Waldböden sein. Die sind vielerorts so aufgeweicht, dass die erforderlichen Maschinen dort nicht fahren können.

Die Sicherheit für Waldbesucher ist selbst im Wildpark Neuhaus der Niedersächsischen Landesforsten derzeit nicht mehr gewährleistet. So muss der Park in den kommenden Tagen wegen Sturmschäden geschlossen bleibt. Der Leiter des Wildparks Robert Willeke kann noch nicht genau sagen, wann der Wildpark wieder geöffnet sein wird: „Wir sind zur Zeit damit beschäftigt, die Schäden zu sondieren und dann aufzuarbeiten. Sobald der Wildpark wieder geöffnet ist, geben wir es bekannt. Das WildparkHaus – das Solling-Besucherzentrum – und das Café-Bistro Rotwild sind aber wie gewohnt geöffnet.



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