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Jetzt beginnende Einschlagssaison soll nach Fichten-Bergung leer gefegte Laubholz-Lager füllen

Forstarbeiter im Dauereinsatz

WESERBERGLAND. Haushoch stapeln sich Fichtenstämme in den Wäldern Südniedersachsens. Während das Sturm- und Borkenkäferholz aus den Nadelwäldern nach dem Dürresommer in großen Massen auf die Weiterverarbeitung wartet, ist die Nachfrage nach frisch geerntetem Laubholz derzeit groß.

veröffentlicht am 25.11.2018 um 17:20 Uhr

Laubholzernte im Solling. Motorsägen und Forstmaschinen sind in diesem Jahr nahezu pausenlos im Einsatz. Foto: landesforsten

Autor:

Joachim Zieseniss
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Die Niedersächsischen Landesforsten haben mit der Ernte von Buche, Ahorn, Esche und Eiche begonnen – und dass, obwohl die Lagerkapazitäten im Wald begrenzt sind. Die Nachfrage kommt aus den Sägewerken und der holzverarbeitenden Industrie: deren Laubholz-Lager sind leer gefegt und die Betriebe sind auf Frischholzlieferung angewiesen. „Die Holzeinkäufer stehen uns derzeit auf den Füßen“, so Christian Weigel, Leiter des Niedersächsischen Forstamtes Oldendorf.

Bis auf das Industrieholz, das zu Spanplatten verarbeitet werden soll, werden Laubbäume nur in der kalten Jahreszeit geschlagen, erklärt Weigel. Denn die beste Holzqualität wird erzielt, wenn die Laubhölzer keinen „Saft führen“, also den Wasser- und Nährstofftransport unter der Rinde, der im Winter ruht, haben. Sägewerke und andere Holzverarbeiter sind auf diesen Ernte-Rhythmus eingestellt. Nun benötigen sie wieder dringend Frischholz. Verwender von Laubhölzern aus heimischen Wäldern sind Möbelhersteller, Küchenbauer oder Produzenten von Holzfußböden, Treppen und Türen. Sie alle suchen in den kommenden Wochen und Monaten Buchenstämme aus dem Weserbergland, Eschen und Eichen aus dem Göttinger Land, Bergahorn und Roterlen vom Harzrand. Genauso planen die Hersteller von Holzstielen für Speiseeis oder Grillkohleproduzenten: Die Stiele müssen in rauen Mengen vor der warmen Jahreszeit beim Eishersteller bereitliegen und die Holzkohlelager bis zum Beginn der Grillsaison gefüllt sein.

„Wir verarbeiten solche Buchenstämme zu Grillkohle, die im Rahmen einer Durchforstung bei der Waldpflege anfallen. Die dünnen bis mittelalten Stämme eignen sich dafür am besten“, weiß Benedikt Wingen. Der Holzeinkäufer von Profagus aus Bodenfelde kauft in den umliegenden Wäldern seinen Rohstoff ein und achtet auf möglichst kurze Transportwege in sein Werk an der Weser. Auch andere Holzkäufer sorgen sich darum, in der laufenden Saison ausreichend Rohstoffe am Markt einzukaufen.

Die eingeschweißten Sturmbruchfichten – hier in Grohnde –sollen erst in zwei bis drei Jahren geöffnet werden. Foto: Wal
  • Die eingeschweißten Sturmbruchfichten – hier in Grohnde –sollen erst in zwei bis drei Jahren geöffnet werden. Foto: Wal

„Der letzte Winter war völlig verregnet. Auf den weichen Waldböden musste die Forstämter vorzeitig die Laubholzernte einstellen“, erinnert sich Wolf-Georg Fehrensen. Der Sägewerksbetreiber und Holzhändler aus Hedemünden hat langfristige Lieferverträge mit den Landesforsten. „Die in der vergangenen Saison ausgehandelten Laubholzmengen sind teilweise wegen des damals völlig durchnässten Waldbodens noch nicht erfüllt“, erklärt Oldendorfs Forstamtsleiter Weigel. Hier müsse jetzt bei erhöhter Nachfrage umgehend nachgearbeitet werden. Denn bis zuletzt hatte die Sturmaufarbeitung und Borkenkäferbekämpfung Vorrang, begründet Weigel den Umstand, weshalb es jetzt in den Revieren des Weserberglandes nahtlos verstärkt an den Bucheneinschlag geht.

Waldbesucher sollten sich deshalb jetzt nicht wundern, wenn Motorsägen und Forstmaschinen in diesem Jahr nahezu pausenlos im Einsatz sind. „Aber das sind zwei Paar verschiedene Schuhe“, sagt Klaus Jänich, Vizepräsident der Landesforsten, „während Nadelholz in Mitteleuropa als Ladenhüter gehandelt wird und ein Überangebot den Preis einbrechen lässt, können wir unsere Laubholz-Kunden nicht einfach verhungern lassen“, betont Jänich und verweist auf bestehende Lieferverträge. Mit Nadelholz könnten die meisten holzverarbeitenden Betriebe in der Region nichts anfangen, so der Vizepräsident. Er bitte Waldbesucher um Verständnis dafür, dass sich die aktuelle Laubholzernte nahtlos an die Aufarbeitung der Schadhölzer anschließt. „Es geht hier um das Überleben wichtiger holzverarbeitender Betriebe, von denen wir in Südniedersachsen nicht mehr viele haben“, meint der Landesforsten-Vizepräsident.



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