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Sein Vorwurf: Jugendamt hat auf Anrufe nicht reagiert

Fall Lügde: Vater von Pflegekind äußert sich

LÜGDE/HAMELN. Im Missbrauchsfall Lügde hat sich zum ersten Mal der leibliche Vater des Mädchens, das vom Hameln-Pyrmonter Jugendamt beim Hauptbeschuldigten Andreas V. (56) auf dessen Campingplatz-Parzelle in Elbrinxen untergebracht worden war, geäußert. Gegen das Hameln-Pyrmonter Jugendamt erhebt der Vater im NDR Vorwürfe.

veröffentlicht am 05.05.2019 um 23:26 Uhr
aktualisiert am 06.05.2019 um 09:25 Uhr

Die Campingplatz-Parzelle in Elbrinxen beim Abriss.
Im Missbrauchsskandal auf einem Campingplatz in Elbrinxen bei Lügde gibt es neue Vorwürfe gegen das Jugendamt des Landkreises Hameln-Pyrmont. Es steht bereits in der Kritik, ein damals sechsjähriges Mädchen trotz mehrfacher Hinweise auf Pädophilie in die Obhut des arbeitslosen Dauercampers Andreas V. (56) gegeben zu haben. Gegen den Mann laufen Ermittlungen wegen des Verdachts des tausendfachen sexuellen Kindesmissbrauchs.

Jetzt äußert sich erstmals der leibliche Vater des Mädchens. Er sagte dem NDR-Magazin „Hallo Niedersachsen“, er habe von dem mutmaßlichen Missbrauch seiner Tochter aus der Presse erfahren. Vom Jugendamt habe er sich alleingelassen gefühlt. „Da kam telefonisch nichts, es kam per Post nichts, es kam per E-Mail nichts. Ich wurde auch nicht dazu befragt, wie es weitergeht.“ Der 25-Jährige hat die Vaterschaft anerkannt, das Sorgerecht lag allein bei der Mutter.

2016 gab das Jugendamt das Kind auf Wunsch der Mutter bei dem Camper in Pflege. Der Vater erfuhr zufällig davon und beteuert, er habe das Jugendamt danach mehrfach angerufen und seinen Protest auf dem Anrufbeantworter hinterlassen: „Ich sagte, wie kann es sein, dass ein Kind auf einem Campingplatz abgegeben wird? Ob die sich da mal umgeschaut haben, wie ver-wahrlost das ist?“ Doch einen Rückruf habe er nie bekommen.

Das Hameln-Pyrmonter Jugendamt verweist nach dem NDR-Bericht in einer Stellungnahme auf den Datenschutz: Es könne keine detaillierte Auskunft zu konkreten Personen geben. Alle Entscheidungen würden unter Würdigung der Willensäußerung der sorgeberechtigten Person gefällt, habe es aus dem Kreishaus geheißen. Der Pflegschaftsforscher Klaus Wolf von der Universität Siegen nennt das einen „gravierenden fachlichen Fehler“: „Wenn man zu dem Vater sagt: Du bist unterhaltsverpflichtet, weil du die Vaterschaft anerkennst, aber ansonsten informieren wir dich nicht darüber, wie dein Kind lebt – dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn er das Gefühl eines unfairen Umgangs hat.“

Unterdessen gerät der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) immer mehr unter Druck. Weil es bei der Aufdeckung des massenhaften Kindesmissbrauchs auch zu zahlreichen Fehlern und Versäumnissen der Polizei gekommen war, hatte die SPD-Opposition Reul unlängst zum Rücktritt aufgefordert. „Da kann ich nicht mit dienen im Moment“, sagte der Innenminister am Samstag bei einem Landesparteitag der NRW-CDU in Düsseldorf.

Doch nach der AfD fordern nun auch die Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag einen Untersuchungsausschuss. Denn nach Informationen des WDR war den Behörden das Ausmaß des Missbrauchsfalls schon Mitte Januar klar. Der Sender beruft sich auf einen internen Polizeibericht, der am 11. Januar von der Polizei Lippe an das Landeskriminalamt und drei Tage später auch ans Innenministerium in Düsseldorf geschickt worden sei. In dem Polizeibericht sei bereits die Rede von „möglicherweise 30 und mehr Kindern und jugendlichen Opfern“. Die Öffentlichkeit erfuhr erst Ende Januar von den Missbrauchsfällen – durch eine Pressekonferenz von Polizei und Staatsanwaltschaft. Auch für Innenminister Reul sei dies zu diesem Zeitpunkt „der Knall“ gewesen, sagte er.



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