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NRW-Innenminister Reul gerät nach wiederholten Polizeipannen unter Druck

Fall Lügde: SPD fordert Rücktritt eines Ministers

LÜGDE/DÜSSELDORF. Nach dem erneuten Fund von Datenträgern im Missbrauchsfall Lügde fordert die SPD-Fraktion im Landtag von NRW den Rücktritt von Landesinnenminister Herbert Reul (CDU). „Der Innenminister hat Aufklärung versprochen, er ist gescheitert“, sagt der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Hartmut Ganzke.

veröffentlicht am 14.04.2019 um 17:00 Uhr

Die Parzelle des mutmaßlichen Täters auf dem Campingplatz Eichwald im Lügder Ortsteil Elbrinxen ist abgerissen worden. Der Campingplatzbetreiber ließ den Tatort abreißen, auf dem mehrere Kinder missbraucht und dabei gefilmt wurden. Foto: dpa

Autor:

Carsten Linnhoff
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Reul habe „die Lage nicht im Griff“. Er müsse jetzt Verantwortung übernehmen und zurücktreten. Reul äußerte sich am Wochenende nicht zu der Rücktrittsforderung.

Der Fund weiterer Beweismittel sei „einfach unfassbar und erschüttert die Glaubwürdigkeit des Ministers“, teilte die innenpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion der Grünen, Verena Schäffer, mit. „Er hat die Aufklärung zu seinem Projekt gemacht – daran muss er sich messen lassen.“

Bei Abrissarbeiten am mutmaßlichen Tatort des vielfachen Kindesmissbrauchs – einem Campingplatz in Lügde – waren nach der Freigabe des Tatortes durch die Polizei und Staatsanwaltschaft weitere Datenträger gefunden worden. Im doppelten, fest verbauten Holzboden des Wohnwagens des Hauptbeschuldigten hatten Arbeiter eine CD und zwei Disketten entdeckt. Das Abrissunternehmen übergab den Fund an die Polizei. Reul schloss am Freitag nicht aus, dass auch noch weitere Funde folgen könnten.

Auf dem Campingplatz soll der 56-jährige Dauercamper Andreas V. mit einem Komplizen über Jahre hinweg Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Die beiden Verdächtigen sowie ein 48-Jähriger aus Stade sitzen in Untersuchungshaft. Heute wissen die Ermittler von 40 Opfern. Dazu kommen noch 12 Verdachtsfälle.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verteidigte am Sonntag Reul gegen die SPD-Rücktrittsforderung. „Wir stehen hinter unserem Minister“, erklärte Landeschef Michael Mertens gegenüber „Neue Rhein/Neue Ruhr Zeitung“. Dass die Ermittler das Versteck nicht gefunden hatten, könne passieren: „Durchsuchungen haben ihre Grenzen.“ Der GdP-Chef warf jedoch selbst die Frage auf, warum Polizei oder Staatsanwaltschaft den Abriss des Wohnwagens nicht begleitet hätten.

In dem Wohnwagen hatten die Ermittler bei wiederholten Durchsuchungen Festplatten und andere Datenträger mit rund 3,3 Millionen Bildern und fast 86 300 Videos sichergestellt. 155 CDs und DVDs waren dann aus der Obhut der Polizei verschwunden, woraufhin die Staatsanwaltschaft Detmold ein Strafverfahren gegen Unbekannt einleitete.

Auch wegen weiterer Versäumnisse der Ermittler hat sich der Fall Lügde zu einem Polizeiskandal entwickelt. Zudem haben die Jugendämter in Lippe und in Hameln-Pyrmont frühe Hinweise auf den sexuellen Missbrauch falsch eingeschätzt beziehungsweise unbeachtet gelassen. Nachweislich gab es bereits 2016 Hinweise an die Polizei und die Jugendämter. Mindestens seit 2008 wurden Kinder mutmaßlich tausendfach missbraucht. Der Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels (SPD), räumte Fehler seiner Mitarbeiter bei der Bewertung früher Hinweise ein. „Dass dieser Mensch das getan haben soll, konnten sich viele nicht vorstellen“, sagte er im März. Bartels räumte ein, dass das Jugendamt trotz Hinweisen auf Pädophilie und möglichen sexuellen Missbrauch 2016 ein Mädchen bei dem Dauercamper weiter wohnen ließ und ihm Anfang 2017 sogar die Pflegschaft übertrug.



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