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Verjährt: Ermittler stellen Verfahren gegen einen Vater ein

Fall Lügde: Nur noch sieben Beschuldigte

BIELEFELD / LÜGDE. Seit Mittwoch gibt es im Lügder Missbrauchsverfahren offiziell nur noch sieben Verdächtige. Die Ermittlungen gegen den Vater einer Lügderin (39) wegen Beihilfeverdachts sind mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt worden. Das haben die Staatsanwaltschaft Detmold und die Polizei Bielefeld mitgeteilt.

veröffentlicht am 24.04.2019 um 19:56 Uhr
aktualisiert am 25.04.2019 um 13:00 Uhr

Die inzwischen demontierte Behausung von Andreas V. soll Haupttatort von mutmaßlich mehr als 1000 Sexualverbrechen gewesen sein. Seit Mittwoch gibt es einen Verdächtigen weniger. Gegen einen Mann (68) aus Steinheim wird nun nicht mehr wegen Beihilfe
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Dass der zeitweilig als achter Verdächtiger geführte 68-Jährige aus Steinheim (Kreis Höxter) nun von der Liste der Beschuldigten gestrichen ist, schockiert seine Tochter. „Dass mein Vater nun einfach so davonkommt, ist unfassbar“, sagt die in Lügde lebende Michaela V.. Sie gibt an, als Elfjährige schon 1991 vom heutigen Hauptbeschuldigten missbraucht worden zu sein. Ihr mit Andreas V. befreundeter Vater habe ihr damals aber nicht geglaubt. Er erstattete keine Anzeige. Fünf Jahre später soll der Steinheimer seine nun 16-jährige Tochter mit deren wenige Monate zuvor geborenem Baby in die Obhut von V. und dessen Eltern gegeben haben. „Ich zog mit meinem Sohn in Andreas’ Wohnwagen“, sagt die 39-Jährige heute. V. habe allen erzählt, sie sei seine Freundin, „obwohl wir nicht zusammen waren“. Aber es habe niemanden gegeben, den sie hätte ins Vertrauen ziehen können. „Andreas hatte mir ja schon früher immer gesagt: ,Du brauchst keinem was zu sagen. Dir glaubt eh keiner.‘“ Wohl auch deshalb habe sie sich damals fast ein Jahr lang gefügt. Die Erinnerung an den frühen Missbrauch verdrängte sie nach eigenen Worten bis zum vergangenen Jahr. Durch ein solches Abspalten schaffen es heranwachsende Betroffene Experten zufolge, trotz ihrer unerträglichen Situation doch irgendwie weiterzuleben.

In der Erklärung aus Bielefeld heißt es nun: „Anhaltspunkte dafür, dass der Hauptbeschuldigte bei den von der Zeugin geschilderten sexuellen Handlungen Gewalt oder Drohungen anwandte, haben die Ermittlungen nicht ergeben.“ Zudem seien die geschilderten Taten bereits verjährt, sodass sie nicht mehr verfolgt werden könnten.

Detmolds Leitender Oberstaatsanwalt Ralf Vetter erklärt auf Anfrage: „Es kommt immer auf den gesetzlichen Straftatbestand zur Zeit der Tat an.“ Bei Delikten aus jüngerer Zeit könnten sich die Ermittler „mit ganz anderen Vorwürfen befassen“ als bei lange zurückliegenden Taten.

Im Fall Lügde sitzen drei Hauptbeschuldigte in U-Haft. Gegen vier weitere Männer wird wegen Strafvereitlung, Beihilfe oder Besitzes von Kinderporno-Dateien ermittelt.



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