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Führerloses Auto demoliert Gastank / Einsatzkräfte holen Nachbarn aus ihren Häusern

Explosionsgefahr in Neersen

NEERSEN. An einen ähnlich großen Feuerwehreinsatz können sich Feuerwehrführungskräfte wie Stadtbrandmeister Maik Gödeke oder der stellvertretende Kreisbrandmeister Kay Leinemann nicht auf Anhieb erinnern. Mehr als 250 Kräfte von Feuerwehr, DRK und Polizei waren am Dienstag nach Neersen ausgerückt. Im Dorf bestand höchste Explosionsgefahr. Propangas war aus einem Tank ausgetreten.

veröffentlicht am 22.01.2019 um 20:47 Uhr
aktualisiert am 23.01.2019 um 10:30 Uhr

Neersen ist abgesperrt. Die Feuerwehr bereitet sich darauf vor, Anwohner, die dicht an der Unfallstelle wohnen, aus ihren Häusern zu holen. Die Evakuierten kommen im Feuerwehrhaus unter. Foto: ti
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Klaus Titze Reporter
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Was war geschehen? Im Ort soll ein Bad Pyrmonter an seinem abgestellten Pkw Frostschutz nachgefüllt haben, wurde erzählt. Plötzlich habe sich der Volkswagen auf abschüssigem Gelände langsam in Bewegung gesetzt. Der Fahrzeugbesitzer (74) habe noch versucht, den Wagen aufzuhalten, sei dabei gestürzt und habe sich verletzt, erzählte ein Polizeibeamter. Der an Fahrt zunehmende VW sei nach rund 60 Metern gegen einen Flüssiggastank gekracht, hieß es von der Polizei.

Die Kollision blieb nicht folgenlos. Der 2700 Liter Propangas fassende Tank wurde beschädigt, hatte offenbar ein Leck. Gas strömte unkontrolliert aus. Propangas ist schwerer als Luft, Wolken davon „liefen“ über den gefrorenen Boden in Richtung Neersener Unterdorf. Offenbar strömten Gaswolken auch in die Kanalisation. Die Gefahr, dass es zu einer Explosion kommen konnte, war groß.

Kurz darauf war es mit der Ruhe im sonst beschaulichen Dorf vorbei. Im Minutentakt fuhren Feuerwehrfahrzeuge nach Neersen. Blaulichter zuckten, lautstarke Kommandos waren zu hören, Metallkupplungen knallten auf den Asphalt. Schnell hatten Feuerwehrtrupps zum Brandschutz eine Schlauchleitung bis zum Unfallort gelegt.

Einsatzkräfte untersuchen die Unfallstelle. Foto: Feuerwehr

In den 300-Seelen-Ort gelangte – mit Ausnahme von Helfern – keiner mehr. An den Ortseingängen standen Polizei- und Feuerwehrwagen. Die Einsatzkräfte sperrten die Straße, die von Baarsen in Richtung Glesse durch Neersen führt, komplett ab. Niemand durfte passieren, weder mit Fahrzeug noch zu Fuß.

„Da davon auszugehen ist, dass sich das Propangas in der Kanalisation und in Kellern der in der Nähe stehenden Häusern ausgebreitet hat, wurden die Gebäude im Umkreis von 250 Meter zur Unfallstelle evakuiert“, sagte Feuerwehrsprecher Jan Bolte. Feuerwehrtrupps gingen im Unterdorf von Haus zu Haus, informierten die Bewohner und holten sie aus den Gebäuden. Auch Lautsprecherdurchsagen soll es gegeben haben, wurde erzählt. „Es besteht hohe Explosionsgefahr. Entfernen Sie sich sofort“, lautete die kommandierende Ansprache.

Im Neerser Feuerwehrgerätehaus wurde für die Evakuierten eine Sammelstelle eingerichtet. Mit Mannschaftstransportern wurden nach und nach Bewohner dorthin transportiert – vom Kleinkind bis zum betagten Einwohner. Der beheizte Aufenthaltsraum im Gerätehaus wurde brechend voll. Fast das halbe Dorf soll dort untergekommen sein, hieß es von der Feuerwehr. Fragen nach der Dauer des Einsatzes oder danach, wann Einwohner wieder in ihre Häuser zurückkönnen, blieben zunächst unbeantwortet. Die Evakuierten bekamen im Feuerwehrhaus nicht mit, wie aufwendig im Hintergrund gearbeitet wurde. Angeforderte Messwagen der Kreisfeuerwehr trafen ein, auch Fahrzeuge aus dem Nachbarkreis Lippe. Eisiger Wind zog durch die Einsatzkleidung. Das Thermometer zeigten minus 5 Grad Celsius an. Nach kurzer Zeit waren die Feuerwehrleute durchgefroren. Anwohner zeigten ein Herz, kochten heißen Kaffee. Feuerwehrleute hatten im Ort Zelte errichtet, in denen sich die Helfer aufwärmen konnten. Mehrere mit schwerem Atemschutz ausgerüstete Trupps gingen in die verlassenen Wohnhäuser, kontrollierten mit Spezialmessgeräten die Raumluft. Ein explosionsfähiges Gas-Luftgemisch stellten sie nicht fest, sagte Jan Bolte. Gegen 20 Uhr hatten die Spezialkräfte alle Häuser inspiziert. Im Tank haben sich Propangasreste befunden, die ausgespült wurden, so der Sprecher. Um kurz nach 20 Uhr konnten die Neersener wieder in ihre Häuser zurückkehren, teilte die Feuerwehr mit.



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