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Astrophysiker mit Wurzeln in Schaumburg will bei Suche nach Außerirdischen neue Prioritäten setzen

E.T. entgegenkommen

Weserbergland. Der aus Schaumburg stammende Astrophysiker Dr. René Heller vom Max-Planck-Institut in Göttingen will außerirdisches Leben mit einer neuen Methode entdecken. Er will die Suche auf die Region am Himmel beschränken, in der mögliche Außerirdische uns bereits beobachten könnten.

veröffentlicht am 01.03.2016 um 18:00 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 14:12 Uhr

weltraum
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Weserbergland. „Ich will wissen, was da oben los ist“, sagt René Heller im Gespräch mit unserer Zeitung. Dieser Wille wurde in ihm schon früh geweckt. Damals, als er noch ein kleiner Junge war und sein Großvater mit ihm nach draußen in die Dunkelheit ging, um mit einem Fernglas in den Nachthimmel zu schauen. Diese Frage beschäftigt Heller bis heute. Nunmehr als Astrophysiker am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen. Am Dienstag veröffentlichte der 33-Jährige, der in Schaumburg seine Jugend verbracht hat, seine Forschungsergebnisse zur Suche nach außerirdischem Leben.

Der Ansatz, den Heller gemeinsam mit seinem kanadischen Kollegen Ralph E. Pudritz erarbeitet hat, stellt die bisherige Suche nach außerirdischer Intelligenz gewissermaßen auf den Kopf. Gesucht werden soll nicht mehr per se nach „den“ Außerirdischen. Jetzt sollen diejenigen Außerirdischen gesucht werden, die uns womöglich schon längst selbst beobachten und Signale zur Kontaktaufnahme senden. Es geht also darum, den Außerirdischen entgegenzukommen.

Dafür soll die Suche auf den Himmelsbereich konzentriert werden, in dem mögliche außerirdische Astronomen überhaupt in der Lage wären, die Erde zu beobachten. Dabei handelt es sich um einen schmalen Himmelsstreifen, von dem aus die außerirdischen Beobachter unseres Sonnensystems etwa den jährlichen Durchgang der Erde vor der Sonne beobachten könnten.

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René Heller will diese Transitzone nutzen.

Wenn nämlich die Erde zwischen der Sonne und seinem Beobachter vorbezieht, kommt es zu einer minimalen Verdunkelung des Sterns, also der Sonne. Daraus könnten die Außerirdischen Schlüsse auf die Atmosphäre der Erde ziehen, so wie es auch Heller bei der Untersuchung von sogenannten Exoplaneten macht, also Planeten, die anderen Planeten- und Sonnensystemen angehören als dem der Erde.

Schließlich sei es denkbar, dass die Außerirdischen die Erde mit denselben Methoden entdeckt haben könnten, mit denen Astrophysiker wie René Heller nach Exoplaneten suchen und sie charakterisieren. Über 2000 Exoplaneten sind mit dieser sogenannten Transitmethode von der Erde aus bereits entdeckt worden.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Außerirdischen uns bereits gezielte Signale zur Kontaktaufnahme senden, sei in dem Bereich des Himmels, in dem der Erdtransit sichtbar ist, also höher. Zudem könne mit der Transitmethode der für unsere Astronomen zu durchsuchende Bereich auf zwei Tausendstel des Himmels eingeschränkt werden. „So könnten wir bereits innerhalb der Zeitspanne eines Menschenlebens herausfinden, ob es außerirdische Astronomen gibt, die uns sehen können und die versuchen uns zu kontaktieren“, erklärt Heller.

82 Planeten haben Heller und sein kanadischer Kollege in dem besagten schmalen Himmelsstreifen ausgemacht, die über das nötige Alter verfügen, um überhaupt Leben entwickelt haben zu können. Weitere 100 000 Sterne könnten außerdem Planeten mit Bewohnern beherbergen, die bereits versuchen, mit der Erde in Kontakt zu treten.

Soweit die Theorie. Jetzt können Heller und sein Kollege ihre Idee nur noch anpreisen, in der Hoffnung, dass sich jemand findet, der bereit ist, ihre Theorie auch in die Tat umzusetzen. „Das kann allerdings noch ein paar Jahre dauern“, sagt Heller.pk

ZUR PERSON

René Heller kam 1982 bei Hoyerswerda zur Welt. Mit zehn Jahren zog er mit seinen Eltern nach Bad Eilsen. Später besuchte er das Gymnasium Adolfinum in Bückeburg. Sein Abitur machte er 2002 am Wilhelm-Busch-Gymnasium in Stadthagen. Beim SC Rinteln ging Heller aktiv seiner Liebe für den Fußball nach. Schon als Kind habe er mit dem Fernglas stundenlang fasziniert die Mondsichel beobachtet und sich ausgemalt, wie es wohl wäre, da oben mit einem Auto langzufahren.

Nach seinem Abitur studierte Heller Physik in Hannover und Göttingen. Von 2007 bis 2010 promovierte er an der Universität Hamburg. Anschließend arbeitete er als Postdoktorand am Leibniz Institut für Astrophysik in Potsdam. 2013 ging er für zwei Jahre an die McMaster Universität im kanadischen Hamilton. Seit 2015 ist er am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen. Dort wirkt er an der für 2024 geplanten Plato-Weltraummission mit, die sich auf die Suche nach erdähnlichen Planeten begeben soll. Die Suche nach außerirdischem Leben macht demnach nicht den Schwerpunkt von Hellers Arbeit aus. Der besteht in der Suche nach Exoplaneten unter Anwendung der im Text erläuterten Transitmethode.

Glaubt Heller denn an Außerirdische? „Glauben kann man alles Mögliche“, sagt Heller. „Deshalb möchte ich es anders ausdrücken. Ich kann mir vorstellen, dass es woanders noch etwas gibt, das nachdenkt. Ich kann mir vorstellen, dass es noch zwei, Hunderte oder Tausende Evolutionen gibt. Insofern wäre ich nicht allzu überrascht, wenn wir eines Tages eine außerirdische Botschaft empfangen würden.“

René Heller ist mit einer Stadthägerin verheiratet und hat mit ihr zwei Kinder. Er lebt mit seiner Familie in Göttingen.pk



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