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Kaum Berufsanfänger in Gastronomie

Es muss nicht immer ein Studium sein

WESERBERGLAND. Am Dienstag war für viele Jugendliche betrieblicher Ausbildungsstart. Im Pflege- und Gesundheitsbereich sowie in der Gastronomie hält Azubi-Mangel an. Nicht nur im Handwerk, sondern auch im Gastro-Bereich wird die Situation, wenn es so weiter geht, dramatisch, klagen viele Gastronomen.

veröffentlicht am 03.08.2017 um 17:04 Uhr
aktualisiert am 03.08.2017 um 17:50 Uhr

Auszubildende im Hotel Stadt Hameln (v.li.): Dominik Duttmann (3. Lehrjahr) und Florian Waltersdorf (2. Lehrjahr) . Foto: Wal
Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Coppenbrügge-Salzhemmendorf zur Autorenseite
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Berufsbilder wie Koch, Hotelfachfrau/-mann oder Restaurantfachfrau-/mann leiden wegen der Arbeitszeiten unter Imageproblemen. So gibt es im Arbeitsamtsbereich 27 unbesetzte Stellen für Hotel-, 37 für Restaurant-Fachleute. 33 Stellen für Koch- oder Köchinnen-Azubis konnten nicht besetzt werden.

Für viele Betriebe ist das bereits eine existenzbedrohende Situation, wie die Vorsitzende des Dehoga-Kreisverbandes Hameln Stadt und Land, Gabriele Güse, versichert: „Es gibt Kollegen, die nicht wissen, wie sie es noch schaffen sollen“, so Güse. In Hinblick auf Arbeitszeiten, Bezahlung und Überstunden-Stress habe das Image in der Gastronomie arg gelitten, argumentiert die Dehoga-Vorsitzende. Und da hätten auch die vielen TV-Koch-Shows nichts geändert. Doch den Spruch „Wer nichts wird, wird Wirt“ solle möglichst aus dem Zitatenschatz gestrichen werden, hofft Güse.

Christina Rasokat, Pressesprecherin bei der Arbeitsagentur in Hameln, hat auch vor dem jüngsten Ausbildungsstart wieder beobachtet, dass eine betriebliche Ausbildung bei Abiturienten weiterhin hinter der Aufnahme eines Studiums und dem Besuch weiterführender Schulen bei Haupt- und Realschülern rangiert. „Dabei bietet gerade eine betriebliche Ausbildung heute oft bessere Karrierechancen als angenommen“, erklärt Rasokat. Wurde früher auf dem Arbeitsmarkt nach Akademikern gesucht, so sei heute gerade im mittleren Führungssegment der Fachkräftebedarf in Handwerk und Gewerbe besonders stark und Karriere versprechend. Ein Grund sei, dass im Handwerk dringend Betriebsnachfolger gesucht würden; zum anderen gingen in den Gewerbebetrieben die Führungskräfte aus den geburtenstarken Jahrgängen in absehbarer Zeit in den Ruhestand. Allen Schulabsolventen sei deshalb dringend anzuraten, zu sehen, was alternativ zum Besuch überlaufener Hochschulen (hier nähme nicht zuletzt deshalb die Zahl der Studienabbrüche zu) im betrieblichen Bereich infrage käme, meint Christina Rasokat: „Vielfach ist es heute Erfolg versprechender, dual zu denken, und erst mal eine Ausbildung zu machen, um dann möglicherweise noch seinen Fachhochschulabschluss zu machen.“

Bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur empfehle man deshalb seit geraumer Zeit verstärkt auch diesen Karriereweg. Ein Studium ist nämlich nicht mehr automatisch eine Garantie für den Porsche in der eigenen Garage. Und mancher Akademiker muss bei schnell wechselnder Job-Marktlage dann auch mit dem Job als Taxifahrer vorliebnehmen. Da sei man – das zeige die Berufsberatung – derzeit aber immer noch in einem langsamen Prozess der Umorientierung, hat Rasokat beobachtet. „Dabei ist eine gute betriebliche Ausbildung längst nicht mehr der Spatz in der Hand, und der Studienplatz nicht mehr die Taube auf dem Dach,“ gibt Christina Rasokat als Rat für Berufssuchende zu bedenken.

Information

45 Lehrstellen mehr

Im aktuellen Berufsberatungsjahr, das vom 1. Oktober 2016 bis zum 30. September .2017 läuft, wurden bei der Arbeitsagentur Hameln, die die Landkreise Hameln-Pyrmont, Holzminden und Schaumburg umfasst, bis Juli insgesamt 2746 Ausbildungsplätze zur Besetzung gemeldet – das sind 45 Lehrstellen mehr als im vergangenen Jahr (+1,7%). Auf der anderen Seite haben sich 3037 Jugendliche auf der Suche nach einer Lehrstelle bei der Berufsberatung als Bewerberinnen und Bewerber gemeldet (+9/+0,3%). Davon waren im Juli 877 Jugendliche weiterhin als Ausbildungssuchende gemeldet, dem standen 928 noch als offen gemeldete Ausbildungsstellen gegenüber.



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