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AdU-Regionalkonferenz: Verkehrsanbindungen zwischen Zuversicht und Zweifel

Es geht voran – im Schneckentempo

HAMELN. Hans-Ulrich Peschka, der Bürgermeister des Fleckens Coppenbrügge, hat zwiespältige Gefühle. Zum einen hat der jahrzehntealte Wünsch nach einer Umgehungsstraße jetzt endlich sichtbare Gestalt angenommen, zum anderen merken viele Bürger, dass sechs im Bau befindliche Brückenbauwerke und der Trassenverlauf doch ein erheblicher Eingriff in die Landschaft sind.

veröffentlicht am 17.05.2018 um 17:30 Uhr

Brückenbau für die Ortsumgehung Coppenbrücke – am Ende werden es 16 Brücken sein. Foto: Wal
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Ernst August Wolf Reporter
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Am Ende werden es 16 Brücken sein, teilte Ute Weiner-Kohl, die Leiterin des Fachbereiches Planung der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, den Gästen der 26. AdU-Regionalkonferenz Verkehrsanbindung mit.

Die jetzt baureife Umgehung von Coppenbrügge und Marienau müsse nach der Ausschreibung der Erd- und Straßenbauarbeiten viele Gewässer und sogar eine Bahnlinie überbrücken. „Der Anschluss an die Ortsumgehung Mehle ist leider nicht vorgesehen, so dass südlich des Osterwalds ein das Landschaftsbild stark beeinträchtigendes Brückenbauwerk hinkommt“, monierte Peschka. „Ich nenne das unsere Fehmarnsundbrücke. Ein Riesenbauwerk, das die Gegend dominiert. So hatten sich das viele Umgehungsstraßen-Befürworter dann doch nicht vorgestellt.“

Immerhin sind derzeit gleich drei Umgehungsstraßen-Projekte nach jahrelanger Vorbereitung baureif: neben der B 1-Ortumgehnung Coppenbrügge / Marienau auch die B 64 um Negenborn und die B 240 im ersten Bauabschnitt bei Eschershausen. „Ich habe es mal zusammengerechnet“, so der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes der Unternehmen im Weserbergland, Jürgen Lohmann. „Da kommen insgesamt 50 Kilometer Straße für fast 400 Millionen Euro heraus.“ Aus Sicht der Wirtschaft geht´s voran.

Während freilich die Südumgehung Hameln noch vor einem ganzen Bündel zu lösender Probleme steht und infolge fehlender Planungsmittel momentan ohnehin auf der Stelle tritt, gehen andere Vorhaben wie die Ith-Querung samt dazugehörenden Ortsumgehungen und Tunnelbauten gleichfalls nur quälend langsam voran.

Die Gründe fürs Schneckentempo? „Dass ein Projekt im vorrangigen Bedarf ist, heißt nicht, dass morgen die Bagger rollen“, stellt Ute Weiner-Kohl klar. Die Realisierung von Straßenbauprojekten sei mitunter eine jahrzehntelanger Vorgang. Da dauern Vergabeverfahren an Planungsbüros schon mal ein gutes Jahr und müssen von Fremdfirmen durchgeführt werden, da müssen stets sowohl die notwendigen Gelder wie auch das Personal vorhanden sein. „Südumgehung, in diesem Jahr leider ein kleiner Stopp“, bedauerte auch OB Claudio Griese. Die Bildung der Bundesregierung habe so lange gedauert, jetzt erst seien die benötigte 181000 Euro da, aber nicht abrufbar. Ein Trost: bis zu den Sommerferien werde man Nachricht aus Berlin haben. „Ärgerlich aber guter Hoffnung“, so Grieses Fazit. Derweil steige die Stickoxidbelastung in der Deisterstraße und bringe neue Probleme.

Weiner-Kohl bemühte sich anhand der Vorstellung der Planungen der regionalen Straßenbauprojekte deren größeren Zusammenhang deutlich zu machen. Die Vision ist eine schnelle Anbindung der Regionen des Weserberglands an Hannovers durch zügiges Fahren auf Straßen im 2-1 Format an die Landeshauptstadt und die Industriezentren. Verlangsamt jedoch durch ärgerliche, aber unvermeidliche Sicherungsmaßnahmen wie derzeit bei der B 83 in Steinmühle und durch Brückenerneuerungen wie der Weserbrücke in Fuhlen.

Die soll nun aber immerhin 90 Jahre halten.

Planung seien eben erst mit Geld und Personal möglich, so Weiner-Kohl. „Und die Zeiträume ergeben sich aus den komplexen Verfahren und den sich ändernden Rahmenbedingungen.“ Am Ende sind wie in Coppenbrügge die Wünsche von damals mitunter nicht mehr das Maß aller Dinge. Kein leichtes Spiel also. Und wenn die jetzt neu geschaffene Infrastrukturgesellschaft des Bundes nach der Zuständigkeit für die Autobahnen auch die der Bundesstraßen übernimmt, dann werden die Karten ohnehin wieder ganz neu gemischt. Das allerdings hat das Land abgelehnt. Vorerst.

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