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Kreisjägermeister ruft zur verstärkten Bejagung auf / Hemmung, kleine Frischlinge zu schießen

Es droht Explosion der Wildschweinbestände

Hameln-Pyrmont (bj). Wildschweine haben bald alle Regionen Deutschlands erobert. Und obwohl immer mehr Schwarzkittel alljährlich von den Jägern zur Strecke gebracht werden: Ihre Zahl nimmt weiter zu. „Die Vermehrungsrate liegt bei 300 Prozent“, betont Hameln-Pyrmonts Kreisjägermeister Jürgen Ziegler. Und in diesem Jahr rechnet nicht nur er mit einer weiteren Explosion der Wildschweinbestände.

veröffentlicht am 23.05.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 01:41 Uhr

Viele Jäger haben Skrupel, die putzigen kleinen Frischlinge, die noch Streifen zeigen, zu erlegen.
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Am Freitag bei der Feier des 20-jährigen Bestehens des Wildbiologischen Institutes der Medizinischen Hochschule in Hannover wurde beim Symposium den Schwarzkitteln große Aufmerksamkeit gewidmet. Dr. Oliver Keuling beschäftigte sich dabei mit dem Thema: „Human dimension der Schwarzwildbejagung.“ Dahinter verbergen sich Willen und Möglichkeiten der Jäger bei der regulativen Bejagung. „Human dimension“ bedeutet in diesem Zusammenhang die menschliche Dimension bei der Betrachtung der Methoden zur Verringerung der Schwarzwildbestände. Dabei geht es darum, wie am effektivsten gejagt werden kann. Kreisjägermeister Jürgen Ziegler macht sich für revierübergreifende Bewegungsjagden stark. Auch Dr. Oliver Keuling, einer der Referenten beim Symposium des Wildbiologischen Institutes im Maritim-Hotel in Hannover, hält diese Jagdart für unbedingt erforderlich. Er verweist dabei auf die „Bewegungsmuster und die Lernfähigkeit des Schwarzwildes“. Er hält Schulungen zu Biologie und Bejagung dieser Wildart für unumgänglich.

Für die Hameln-Pyrmonter Jungjäger, die vor einigen Tagen ihre Prüfung abgelegt haben, folgte eine Schulung, die sich mit dem Bau von Drückjagdböcken beschäftigte. Björn Oppermann zeigte in Hemeringen den Waidgesellen, wie man geeignete Jagdeinrichtungen baut, die bei Bewegungsjagden gute Plätze für die Schützen bieten. Der Kreisjägermeister führt aus, dass es „heute unbedingt wichtig ist, bei der sehr großen Population der Wildschweine geeignete Jagdeinrichtungen zu haben, um bei Drückjagden effektiv in den Bestand eingreifen zu können“. Und noch etwas hält Jürgen Ziegler für wichtig: eine gute Vorbereitung auf die Jagden, bei denen Hundeführer durch Bestände und Dickungen gehen, um das Wild in Bewegung zu bringen. Für die Jungjäger, die auf Jagdeinladungen bei den kommenden Drückjagden setzen, rät der Kreisjägermeister: „Gehen Sie auf den Schießstand und beweisen Sie Ihre Treffsicherheit beim Großkaliber-Schießen auf den laufenden Keiler.“

Längst sind die Wildschweine in Hameln-Pyrmont in allen Revieren anzutreffen. Noch vor einigen Jahren hielten sie sich bevorzugt im Wald auf und machten sich nachts auf, um im Feld nach Fressbarem zu suchen. Die Raps- und vor allem die großen Maisbestände bieten den Wildschweinen im Sommer inzwischen so viel Schutz und Nahrung, dass das Wild nicht mehr in den Wald zurückkehrt.

In Niedersachsen gibt es übrigens nur noch einen Landkreis, in dem noch kein Wildschwein geschossen wurde. Es ist der Kreis Wesermarsch. In seinem Vortrag zum Wildtiermonitoring – der systematischen Beobachtung und Erfassung von Tierbeständen – in Schleswig-Holstein erklärte Dr. Daniel Hoffmann, dass die Wildschweine entlang der A 1 am Wildzaun in Richtung Norden wanderten und genau dort, wo der Zaun endet, über die Autobahn gingen und sich im bis dahin schwarzwildfreien Teil des Landes in Richtung Südosten ausbreiteten.

Niedersachsens Minister für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung, Gert Lindemann, hob bei der Feier des 20-jährigen Bestehens des Institutes für Wildtierforschung, die Wichtigkeit der Wildtiererfassung hervor. Diese sei eine „verlässige Informationsquelle und bietet wichtige Zahlengrundlagen“, lobt Lindemann. Am Monitoring beteiligen sich auch seit Anbeginn die Reviere im Weserbergland. Die Jäger liefern die Daten, die vom Institut ausgewertet werden. Wie beispielsweise beim Schwarzwild können aufgrund der Ergebnisse Handlungsempfehlungen gegeben werden. Im Falle der Wildschweine wird beim Aspekt „human dimension“ beispielsweise auch betrachtet, dass die Bereitschaft, ältere Bachen zu erlegen, bei den Jägern größer ist, als gestreifte Frischlinge zu schießen. Dennoch halten mehr Jäger es für zielführend im Sinne einer Verringerung des Bestandes, stärker Frischlinge zu bejagen. Frischlingsfänge lehnen landesweit 95 Prozent der Jäger ab. Mehr als 80 Prozent sind auch gegen den Einsatz von Nachtsichtgeräten bei der Jagd. Jetzt, da die Bachen in den heimischen Revieren Nachwuchs haben, wird auf Frischlinge und Überläufer gejagt. Kreisjägermeister Jürgen Ziegler hofft, die Abschusszahl im Jagdjahr, das bis zum 31. März 2012 geht, noch steigern zu können. Im Vorjahr kamen 1819 Schweine im Kreis Hameln-Pyrmont zur Strecke. Das waren fast 650 Tiere mehr als im Jagdjahr 2009/10. Da in diesem Frühjahr Eichen und Buchen stark blühten und mit einem Mastjahr zu rechnen ist, gehen die Jäger davon aus, dass sich die Wildschweine weiter stark vermehren. Deshalb der Aufruf des Kreisjägermeisters nach einer noch intensiveren Bejagung des Schwarzwildes.



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