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Was muss beachtet werden?

Erste Hilfe leisten: Wichtige Infos im Überblick

Als Verkehrsteilnehmer, Unfallbeteiligter oder Passant Erster Hilfe leisten zu können, kann nach einem Unfall lebensrettend sein. Die ersten Sekunden nach einem Unfall können bereits entscheidend sein, noch bevor der Rettungsdienst eintrifft. Daher ist es wichtig, auf mögliche Unfallsituationen besser vorbereitet zu seien. Oft liegt der Erste-Hilfe-Kurs schon länger zurück. Dies führt zu Unsicherheiten, wie man sich richtig verhalten sollte. Wir fassen die wichtigsten Schritte zur Vorbereitung auf einen Ernstfall zusammen.

veröffentlicht am 30.10.2020 um 09:00 Uhr

Zu den Schritten, die zu beachten sind, zählt das eigene Verhalten, sobald man an der Unfallstelle ankommt. Das Institut für Zweiradsicherheit (ifz) empfiehlt eine bestimmte Reihenfolge der Ersten Hilfe, die wir vorstellen.  Vor allem Sofortmaßnahmen können ausschlaggebend sein und nach einem Unfall Schlimmeres verhindern. Mit diesen Szenarien sollte man sich auskennen: Ist der Patient bei Bewusstsein oder bewusstlos? Falls er bei bewusstlos ist, atmet er oder hat die Atmung ausgesetzt?

Wir erklären, wie Erste Hilfe bei bewusstlosen Patienten geleistet wird (Helmabnahme, Prüfung der Atmung, stabile Seitenlage), wie die Herz-Lungen-Wiederbelebung bei Kreislaufstillstand  durchgeführt werden sollte und, wie man Verletzungen versorgt oder einen Schockzustand erkennen kann, um sofort lebensrettende Maßnahmen einzuleiten.

Rettungskette (per Klick vergrößert sich die Grafik):

 

Für das richtige Verhalten am Unfallort wird folgende Reihenfolge empfohlen:

  1. Als erstes muss der Ersthelfer das Unfallopfer und sich, wenn nötig, aus der Gefahrenzone bringen. Die deutliche Sicherung der Unfallstelle steht an erster Stelle, um den nachfolgenden Verkehr und sich selbst nicht zu gefährden. Dazu zählen: Einschaltung des Warnblinkers beim eigenen geparkten Fahrzeug, Tragen einer Warnweste, die Aufstellung eines Warndreiecks oder bei Motorradfahrern eine über den Helm gezogene Warnhaube. Diese sind je nach Schnelligkeit des Verkehrs in einer Entfernung von bis zu 100 Metern aufzustellen. Sind mehrere Helfer vor Ort, kann einer die nachfolgenden Fahrzeuge zum Langsamfahren oder Anhalten auffordern. Ist die Unfallstelle großräumig gesichert, kann der Verletzte auch dort versorgt werden.
  2. Als nächstes wird der Verletzte angesprochen und sein Bewusstsein und die Atmung geprüft. Dies sind wichtige Informationen für den Notruf und das weitere Vorgehen.
  3. Es erfolgt das Absetzen des Notrufes 112, falls kein Beteiligter dies bisher getan hat. Folgende W-Fragen sind dabei wichtig (per Klick vergrößert sich die Grafik):

Der Verletzte ist der Situation entsprechend zu beobachten, zu betreuen und medizinisch zu versorgen, bis der Rettungsdienst eintrifft und übernimmt. Einmalhandschuhe aus dem Verbandskasten schützen den Ersthelfer dabei vor möglichen Infektionen.

Erste Hilfe bei Bewusstlosigkeit

Helmabnahme nach Motorradunfall!

Motorradfahrern, die das Bewusstsein verloren haben oder die bewusstseinsgetrübt sind, muss nach einem Unfall der Helm abgenommen werden! Es sei überholt, den Helm auf den Kopf einer bewusstlosen Person zu lassen, so steht es in der Broschüre des ifz. Auch in Erste-Hilfe-Kursen wird auf diesen Mythos hingewiesen. Nach Möglichkeit soll die Abnahme des Helms zu zweit erfolgen. Auf der Internetseite des DRK wird beschrieben, wie die Helmabnahme durch zwei Helfer oder nur durch einen Helfer erfolgt. Wichtig dabei sind die Stabilisierung der Halswirbelsäule und die Fixierung des Kopfes.

Ist das Unfallopfer bewusstlos, müssen die Atemwege frei gemacht werden.

Atmung vorhanden?

Der Bewusstlose wird in die stabile Seitenlage gebracht (per Klick vergrößert sich die Grafik):

Die Atmung muss fortlaufend kontrolliert werden. Falls sie aussetzen sollte, muss mit der Wiederbelebung begonnen werden.

Keine Atmung?

30 x drücken zu 2 x beatmen im Wechsel

Wenn die Atmung nicht normal ist (z.B. Schnappatmung), ausgesetzt hat und auch wenn man sich nicht ganz sicher ist, muss sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden. Diese ist bis Ankunft des Rettungsdienstes ununterbrochen fortzuführen.

Bei Herzdruckmassage und Atemspende muss folgendes beachtet werden:

Herzdruckmassage

  • Der Verletzte liegt auf festem Untergrund
  • Oberkörper des Verletzen sind komplett freizumachen, keine falsche Scham! (Frauen auch den BH ausziehen!)
  • Druckpunkt des Brustkorbes suchen: Dieser befindet sich in der Mitte des Brustkorbes bzw. im unteren Drittel des Brustbeines.
  • Druckmassage mit nötiger Kraft durchführen! Dazu mit durchgestreckten Armen, Schultern über dem Druckpunkt, mit den Ballen der unteren Hand das Brustbein 5 cm tief und zügig eindrücken (2 Kompressionen pro Sekunde). Nach jedem Drücken muss der Brustkorb wieder entlastet sein.
  • Nach 30 Kompressionen wird der Verletze 2 x beatmet, durch den Mund oder durch die Nase.

Zweimalige Atemspende

  • durch Mund-zu-Mund-Beatmung:
    • Mund des Verletzen öffnen
    • Nase mit Daumen und Zeigefinger zudrücken
    • Eignen Mund fest auf den des Verletzen pressen, dessen Kopf dabei überstreckt halten
    • Vollen Atemstoß abgeben
    • Eignen Kopf nach der Beatmung heben und Luft holen
    • Die Beatmung ein zweites Mal durchführen
  • oder durch Mund-zu-Nase-Beatmung:
    • Mund des Verletzen zudrücken
    • Luft durch Nase des Bewusstlosen blasen

Sofort mit der Herzdruckmassage fortfahren! Falls keine Atemspende möglich ist, sollte man sich ununterbrochen auf die Herzdruckmassage beschränken, bis der Rettungsdienst eintrifft. Falls die Atmung wieder einsetzt, wird die Stabile Seitenlage hergestellt.

Erste-Hilfe, wenn das Unfallopfer bei Bewusstsein ist

Erste-Hilfe bei Verletzungen

  • Kleinere Schürfwunden: sind mit Pflastern zu versorgen
  • Brandwunden: mit sterilen Tüchern keimfrei bedecken
  • Blutende Wunde an Arm und Bein: Gliedmaßen hochlagern, wenn kein Knochen gebrochen ist
  • Bei starken Blutungen: die jeweiligen Arterien abdrücken und Druckverband anlegen. Dazu:
    • Wunde bedecken (mit Tuch, Wundauflage aus Verbandskasten)
    • Mit Bindengängen fixieren
    • Gegenstand (Mullbindenpäckchen) auf abgedeckte Wunde pressen
    • Mit leichtem Zug umwickeln, nicht zu fest! Treten Adern hervor, färben sich die Extremitäten sollte der Zug gelockert werden
  • Knochenbrüche: ruhig stellen, Arme mit Dreieckstüchern fest am Körper fixieren, Beine mit Decken o.Ä. umlagern und sichern
  • Große, offene Wunden, offene Knochenbrüche: mit sterilem Material aus dem Verbandskasten abdecken
  • Innere Verletzungen: bei Schmerzen im Brust oder Bauchraum kann ein Helfer wenig tun, dann schnellst möglich den Rettungsdienst alarmieren und Verletzen nach Wunsch lagern.

Schock!

Im Falle eines Schocks droht Lebensgefahr!

Ein Schock entsteht durch hohen Blutverlust, starke innerer oder äußere Verletzungen/ Verbrennungen, den damit verbundenen Flüssigkeitsverlust, sowie durch den Schmerz und den Schreck.

Schockanzeichen:

  • Unruhe des Betroffenen
  • Schweißausbrüche, Frieren, kalte Haut,
  • fahle Blässe
  • schneller, schwer tastbarer Puls

Schockpatienten werden zunächst bewusstlos, tragen innere Verletzungen davon und sterben, wenn nicht sofort lebensrettende Maßnahmen eingeleitet werden:

  • Blutungen stillen
  • Betroffenen vor Wärmeverlust schützen (nicht überwärmen), Decke unter den Patienten legen, damit seine Körperwärme nicht in den Boden verloren geht
  • Bewusstlose Verletzte in die Stabile Seitenlage bringen
  • Setzt die Atmung aus, mit Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen
  • Verletzte, die bei Bewusstsein sind, in Schocklage bringen, solange keine starken Schmerzen dagegen sprechen

Schocklage:

  • Beine ca. 30 cm hochlagern
  • sich intensiv um den Verletzen kümmern, ansprechen, beruhigen

Quelle: Das kleine Erste-Hilfe-Einmaleins (2020): Broschüre des Instituts für Zweiradsicherheit (ifz) und dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) mit fachlicher Unterstützung des DRK-Kreisverband Essen e.V.



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