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Das Weserbergland hilft – 600 Freiwillige kämpfen gegen die Flut / Bislang größter Hochwasser-Einsatz

Erschöpft, aber glücklich

Weserbergland. Der Pegel der Elbe steigt und steigt. Die Lage wird immer bedrohlicher: Deiche brechen, Siedlungen und Straßen sind überflutet, Anwohner flüchten, Städte und Dörfer werden evakuiert. Hilfsorganisationen, die von Bürgern von nah und fern unterstützt werden, sind seit Tagen im Großeinsatz. Es ist ein Kampf gegen die Naturgewalt, einer, von dem niemand weiß, ob er zu gewinnen ist. Dennoch tun die Freiwilligen aus dem Weserbergland, die die Menschen in den Flutgebieten von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt unterstützen, alles, was in ihrer Macht steht. 600 Helfer von Feuerwehr, THW und DRK aus den Kreisen Hameln-Pyrmont und Schaumburg sind am Samstag und am Sonntag von der Weser an die Elbe gefahren, um Sandsäcke zu füllen, aufgeweichte Deiche zu sichern, Sickerstellen zu stopfen – und um Wasser aus dem Magdeburger Stadtteil Cracau zu pumpen.

veröffentlicht am 10.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 12:21 Uhr

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Autor:

Ulrich Behmann
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Es ist der bislang größte Katastrophenschutz-Einsatz in der Geschichte der Kreisfeuerwehr Hameln-Pyrmont – erstmals werden sowohl die Feuerwehr-Bereitschaft West als auch die Bereitschaft Ost zeitgleich eingesetzt: Freiwillige sind (bereits zum zweiten Mal) bei Pommau/Amt Neuhaus (Niedersachsen) und in Randau, das südlich von Magdeburg (Sachsen-Anhalt) liegt, im Hochwasser-Einsatz. Weil derzeit 251 heimische Feuerwehrleute mit 57 Fahrzeugen fort sind, wurde im Kreis Hameln-Pyrmont die sogenannte Alarm- und Ausrückeordnung der Feuerwehr geändert. Um im Falle eines Brandes oder einer technischen Hilfeleistung rasch genug Personal zur Verfügung zu haben, wird vorsorglich mehr als nur eine Feuerwehr alarmiert. „Es gibt keinen Engpass“, sagt Kreisbrandmeister Frank Wöbbecke. „Sollte es jedoch an einem Werktag einen Großeinsatz geben, wird es noch kritischer als das sonst schon unter der Woche der Fall ist“, sagt der oberste Feuerwehrchef. Die Frauen und Männer der Kreisbereitschaft Ost haben seit mehr als 24 Stunden kein Auge zugemacht. Gestern Vormittag werden sie endlich von der Feuerwehrbereitschaft Göttingen abgelöst. „Um 3 Uhr haben wir damit begonnen, einen Deich bei Randau mit 15 000 Sandsäcken zu verstärken“, berichtet Frank Melde, stellvertretender Bereitschaftsleiter. An einer Stelle war bereits Wasser durchgesickert. „Ja, gemeinsam haben wir hier viel bewegt“, meint Cord Pieper aus Diedersen. Der Vize-Gemeindebrandmeister von Coppenbrügge ist erschöpft, aber glücklich. „Wir sind hochmotiviert. Langsam lassen allerdings unsere Kräfte nach“, meint Pieper. Auf dem Hof der ehemaligen Bertolt-Brecht-Schule in Dodendorf haben DRK-Köche aus Hameln-Pyrmont bereits etwas zur Stärkung vorbereitet. „Es gibt Nudeln Bolognese und dazu einen frischen Salat“, sagt die stellvertretende Chefin des 1. Einsatzzuges des DRK aus Marienau, Vanessa Koch. Auf zwei Etagen haben die ehrenamtlichen Rotkreuzler in Klassenräumen Feldbetten aufgestellt. Dort sollen die Feuerwehrleute aus Hameln-Pyrmont „eine Mütze voll Schlaf nehmen“ können, bevor sie abermals zur Deichsicherung ausrücken müssen. Das Technische Hilfswerk aus Hameln hilft in Lüchow und in Magdeburg. Der Aerzener Andreas Weiher ist derzeit Chef von 139 THW-Helfern, die aus Hameln, Rinteln, Bückeburg, Stadthagen, Langenhagen, Peine und Sarstedt kommen. Feldbetten werden knapp: THW-Chef Tobias Tasler hat gestern die Hilfsorganisation Interhelp um Unterstützung gebeten. „Unsere Medical Task Force hat dem THW sämtliche Betten, die wir besitzen, gespendet, sagt Vorstandsmitglied und Sanitäter Alexander zu Schaumburg-Lippe.

Seit Sonntag, 2 Uhr, laufen die Pumpen der Kreisfeuerwehrbereitschaft „Schaumburg Nord“ im Magdeburger Stadtteil Cracau auf Hochtouren. „Derzeit lenzen wir 30 000 Liter pro Minute“, sagt Hauptlöschmeister Jens Thürnau. Auch die DLRG Hameln ist schon ausgerückt. „Bei Amt Neuhaus hat unser Bootstrupp jede Menge Sandsäcke gefüllt und gemeinsam mit 43 Helfern des DLRG-Einsatzzuges Süd einen Elbdeich um 30 Zentimeter erhöht“, sagt Peter Breitkopf. Eine Welle der Hilfsbereitschaft schwappt durch das Weserbergland. „Die Solidarität mit den Menschen in den Flutgebieten ist groß. Auf unseren Konten sind bereits erste Geldspenden eingegangen“, erzählt zu Schaumburg-Lippe.

Kurze Pause nach einem harten Nachteinsatz am Deich: Feuerwehrleute der Hameln-Pyrmonter Bereitschaft Ost schlafen in Magdeburg neben ihren Einsatzfahrzeugen. Die Bundeswehr fliegt Sandsäcke zu den Sickerstellen. Feuerwehrleute der Schaumburger Bereitschaft Nord verstärken einen Damm.

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D. Giffhorn/T. Kasten/KFW Schaumburg



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