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Landwirte im Weserbergland klagen über Ertragseinbußen

Ernte geht zwei Wochen früher los

WESERBERGLAND. Für die Ackerbauern spitzt sich die Lage auf den Feldern infolge der lang anhaltenden Trockenheit deutlich zu. „Ertragseinbußen von zum Teil erheblichem Ausmaße müssen leider landesweit einkalkuliert werden“, schildert Karl-Friedrich Meyer, Vorsitzender des Landvolkes Weserbergland, die Stuation: „In diesem Jahr haben wir es mit einer relativ schlechten Entwicklung des Sommergetreides zu tun.

veröffentlicht am 25.06.2018 um 12:30 Uhr
aktualisiert am 25.06.2018 um 13:30 Uhr

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Henry Griesefell Reporter
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Durch die Trockenheit und Hitzephasen der vergangenen Tage und Wochen befinden wir uns phänologisch gesehen bereits seit vier Wochen im Sommer.“ Hart getroffen habe diese Entwicklung vor allem Standorte im Weserbergland mit schlechteren Bodenwerten wie etwa an Hangregionen oder flachgründigen Flächen. Dort ist die Wasserversorgung noch schlechter als auf besseren Böden. Mit dem Ergebnis, dass es auf knapperen Standorten in den Getreidebeständen zu einer einer geringeren Kornbildung und stark verfrühten Abreife kommt. Im Gegensatz zu früheren Jahren werde die Ernte nach der Einschätzung des Vorsitzenden des Landvolkes Weserbergland deshalb vermutlich etwa 14 Tage früher einsetzen. Meyer: „Ende Juni wird zunächst mit der Ernte von Wintergerste zu rechnen sein, danach folgen der Winterraps und der erste, frühe Weizen.“

Folkart Müller, Berater der Landberatung Hameln-Holzminden, erklärt: „Alle Getreidebestände haben im Anbaujahr 2017/18 unter zwei Wetterextremen zu leiden gehabt: Ein extrem nasser Herbst 2017 hat die Bestellarbeiten sehr behindert, sodass insbesondere viele Gerstenschläge gar nicht bestellt werden konnten und nur Weizen unter zum Teil katastrophalen Bedingungen ausgesät wurden. Zum zweiten erleben wir seit Februar dieses Jahres das andere Extrem mit einer ausgeprägten Frühjahrstrockenheit bei einem relativ späten Vegetationsbeginn.“ Besonders das Sommergetreide habe stark darunter gelitten.

Die Wintergerstenernte wird in der Region daher nach seiner Einschätzung in den ersten Julitagen beginnen. Insbesondere auf den leichten Standorten mit hohen Sand- und Kiesanteilen stehe die Gerste kurz vor der Vollreife, so Folkart Müller: Bei der Wintergerste erwarte man im Weserbergland einen nur knapp durchschnittlichen Ertrag.

„Beim Winterweizen hatten wir ein sehr langes Aussaatfenster von Mitte September bis in den Januar hinein,“ Erklärt Müller. Die Folge sei, dass bei diesem Getreide der Entwicklungsstand auch recht unterschiedlich ist: frühe Saaten auf leichten Standorten, aber auch Stein- und Tonköpfen reagieren wegen der Trockenheit bereits mit einer Notreife; damit ist das vorzeitige Absterben der Bestände mit der Ausbildung von kleinen Körnern („Kümmerkorn“) beschrieben. Aber auch auf den tiefgründigeren Lehmböden zeige der Weizen bereits Trockenstress mit Reduzierung der Triebzahl pro Pflanze und Einrollen der Blätter, so der heimische Landberater. In den späteren Saaten könnte der Regen dieser Tage aber die Kornfüllung noch positiv beeinflussen. Die Ernte des Winterweizens werde dennoch auch hier etwa zehn Tage früher und damit um den Monatswechsel Juli/August beginnen, prognostiziert Müller. Die Erträge werden je nach Standort und damit Wasserverfügbarkeit recht stark schwanken, witterungsbedingt werde beim Weizen eine unterdurchschnittliche Ernte erwartet. Schlecht sehe die Situation bei Sommergerste und –weizen aus: „Durch Wassermangel bedingt dünne Bestände mit mäßiger Kornanlage lassen für die Mitte August anstehende Ernte wenig Gutes erwarten“, so der Landberater.

Bereits im vergangenen Jahr fiel die Getreideernte in Niedersachsen mit sechs Millionen Tonnen nur unterdurchschnittlich aus. Im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2015 ernteten Niedersachsens Ackerbauern 7,4 Tonnen Getreide je Hektar, dieser Wert wird 2018 bei weitem nicht erreicht werden können. Nach dem derzeitigen Stand könnte die anstehende Getreideernte eine der niedrigsten der vergangenen 20 Jahre werden. Die englische Bauernweisheit „Regen macht Korn“ bewahrheitet sich in diesem Jahr: Kein Regen, kein Korn.

Niedersachsen ist mit dem ganzen Nordosten Deutschlands besonders stark von Trockenheit und Hitze betroffen. Ähnliche Probleme gibt es auch in anderen Regionen des Ostseeraums wie Dänemark, Schweden und Polen bis hin zum Baltikum, wo üblicherweise hohe Exportüberschüsse an Getreide erzeugt werden. Die Trockenheit wirkt sich mittlerweile in allen Kulturen aus: Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais leiden ebenfalls unter dem Wassermangel. Die im Norden Niedersachsens gebräuchliche Beregnung wirkt nur noch wie der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein und kann das Defizit bei weitem nicht mehr ausgleichen. Auch auf den Wiesen, wo ein guter erster Schnitt geerntet wurde, fehlt jetzt bereits der zweite Aufwuchs für die Futtersilos.



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