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Winziges Leck im nuklearen Bereich des Meilers / „Keine radioaktiven Stoffe in Umwelt gelangt“

Erneut Störung– AKW vom Netz

GROHNDE. Erneut ist das Kernkraftwerk Grohnde in die Schlagzeilen geraten – der Betreiber hat den Meiler am Samstagabend eilig vom Netz genommen. Nach Angaben von Preussen Elektra ist es im nuklearen Kontrollbereich der Anlage zu einer „Tropfleckage“ gekommen. Es seien jkeine radioaktiven Stoffe in die Umwelt gelangt.

veröffentlicht am 01.08.2016 um 18:58 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:04 Uhr

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Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Das Niedersächsische Umweltministerium teilte mit, eine Begehung im Beisein eines Sachverständigen habe am Sonntag ergeben, dass eine Schweißnaht an einer Kleinleitung der Hauptkühlmittelleitung undicht war. Das Ministerium, das die Atomaufsicht hat, sprach am Montag von einer „Kleinstleckage“ und erklärte: Das Kernreaktor-Fernüberwachungssystem (KFÜ) des Landes habe bestätigt, dass keine radioaktiven Stoffe in die Umwelt gelangt seien. Das Vorkommnis sei meldepflichtig (unterste Meldestufe).

„Die Reparaturarbeiten werden jetzt geplant und unterliegen der Aufsicht des Umweltministeriums“, sagte der Sprecher des Ministeriums, Rudi Zimmeck. Die Ursache für die Leckage müsse gründlich untersucht werden, so der Referatsleiter.

Auf Anfrage der Dewezet sagte Almut Zyweck von der Preussen Elektra (ehemals e.on Kernkraft): „Aus einer Messleitung am Primärkreis bei einer Hauptkühlmittelpumpe sei zunächst Dampf ausgetreten.“ Nun, da die Anlage runtergefahren worden sei, tropfe es. Für die Leckortung habe man das Kraftwerk abschalten müssen, um auch Sperrbereiche, die während des laufenden Betriebs nicht betreten werden dürfen, untersuchen zu können.

Der Kontrollbereich, in dem die Reparatur durchgeführt werden muss, liegt unterhalb der Kuppel. Da das Kühlmittel radioaktiv sei, könnten Rohrleitungen „eine höhere Aktivität aufweisen, also strahlen, sagte Zyweck. In Fällen wie diesem würden stets Experten des Strahlenschutzes hinzugezogen. Das sei Routine. Der Meiler war am Samstag gegen 18.30 Uhr runtergefahren worden. Bereits um 21 Uhr war er vom Netz. Die Ingenieure hätten während dieses Prozesses eine Reaktor- und eine Turbinenschnellabschaltung eingeleitet und die Kernspaltung gestoppt, erklärt Zyweck.

Zimmeck teilte am Montagnachmittag mit, ein Mitarbeiter des Umweltministeriums sei vor wenigen Stunden in der Anlage gewesen. Das Kraftwerk könne erst nach erfolgter Reparatur und Ursachenklärung und Durchführung aller erforderlichen Übertragbarkeitsprüfungen wieder den Betrieb aufnehmen. Zurzeit sei noch unklar, wie lange Grohnde vom Netz bleiben werde. Preussen Elektra hatte als möglichen Zeitpunkt für ein Wiederanfahren den Mittwoch oder den Donnerstag ins Auge gefasst. Ob sich der Termin halten lasse, sei noch unklar, sagte Almut Zyweck. Man müsse zunächst ein Reparaturkonzept erarbeiten und dieses der Atomaufsichtsbehörde zur Genehmigung vorlegen. Experten prüfen derzeit, ob das Leck abgedichtet oder das Rohr ausgetauscht werden muss. Dafür müsse jedoch zunächst einmal das radioaktive Kühlmittel in einem anderen Bereich gepumpt werden, was aber kein Problem darstelle.

Den Kraftwerksbetreiber kommen solche Störungen teuer zu stehen – mal ganz abgesehen von einem drohenden Imageschaden. Jeder Tag, an dem kein Strom produziert wird, kostet bares Geld. Schon die jüngste Revision, die am 2. April gestartet wurde, dauerte erheblich länger als geplant. Bei den Prüfungen zur Wiederaufnahme des Betriebs waren zunächst zwei undichte Stellen an Rohrverschraubungen entdeckt worden. Zudem ließ sich eine von vier Nachkühlpumpen nicht einschalten. Fehlendes Fachpersonal verlängerte die Zwangspause für das Kernkraftwerk Grohnde. Das Problem: An einer Pumpe hatte sich eine Laufradmutter gelöst. Das führte nicht nur zu Schäden an der Pumpe selbst. Material wurde abgetragen. Metallspäne – insgesamt 20 Kilogramm – verteilten sich in der Anlage. Erst Mitte Juni ging die Anlage wieder ans Netz.

Im Jahr 2014 war Panne auf Panne gefolgt. Der Betreiber hatte den Reaktor am 25. April für eine Revision mit Brennelemente-Wechsel heruntergefahren. Auch vor zwei Jahren blieb das Kraftwerk deutlich länger vom Netz als geplant.

Zunächst war ein Millionenschaden am Generator entdeckt worden. Später sorgten Defekte an neun Drosselkörpern im Reaktorkern, also im nuklearen Bereich, für Aufregung. Erst am 21. Juni wurde damit begonnen, das AKW wieder hochzufahren. Eon musste 63 Millionen Euro in die Überprüfung und Instandhaltung des Kraftwerks stecken. Die Summe geht deutlich über das übliche Investitionsvolumen einer regulären Revision weit hinaus.

Im Dezember trat erneut ein technisches Problem auf. Bei einer routinemäßigen Inspektion des Dampfsystems der Turbine im konventionellen Teil fiel auf, dass sich eine Armatur nicht vollständig schließen ließ.

Spätestens zum 31. Dezember 2021 soll der Meiler endgültig vom Netz gehen. Laut Preussen Elektra gibt es keine Überlegungen, das Kernkraftwerk früher als geplant, abzuschalten.



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