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Streit um Stromnetze: Stadtwerke Hameln klagen, andere Kommunen in Hameln-Pyrmont warten noch ab

e.on lässt es auf einen Prozess ankommen

Hameln-Pyrmont. Wenn Aerzens Bürgermeister Berhard Wagner auf den Lichtschalter drückt, wird es hell. Auch die Computer und Kaffeemaschinen im Rathaus laufen anstandslos. Alles in bester Ordnung also im Stromnetz des Weserberglandes? Mitnichten: Jeder Stromfluss erinnert den Gemeindechef in Aerzen wie auch seine Kollegen in Emmerthal, Coppenbrügge, Salzhemmendorf, Hessisch Oldendorf und Hameln an ein „Ärgernis“: Das Stromnetz wird noch immer von der e.on Westfalen Weser AG betrieben, obwohl die Kommunalpolitiker die Konzessionen hierfür längst anders vergeben haben. „e.on rückt das Netz nicht raus“, bringt es Wagner auf den Punkt. Und er befürchtet, dass sich daran möglicherweise auf Jahre nichts ändern wird.

veröffentlicht am 09.04.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:16 Uhr

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Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Tatsächlich will sich die e.on-Tochter, die unter anderem aus dem einst in Hameln beheimateten Versorger „Wesertal“ hervorgegangen ist, nicht kampflos von ihrem Stromnetz trennen. Schließlich handelt es sich um ihr „Produktionsmittel“: Die e.on Westfalen Weser AG betreibt das durchaus lukrative und für eine feste Zeitspanne sichere Netzgeschäft. Der Gewinn generiert sich aus den Netzentgelten, die ihr die Stromlieferanten überweisen, also letztlich über die von den Privat- und Firmenkunden individuell zu zahlenden Strompreise.

In Hamelns Ortsteilen sollen auf Beschluss des Stadtrates seit Anfang 2012 die Stadtwerke Hameln das Stromnetz betreiben. In Aerzen, Emmerthal, Coppenbrügge und Salzhemmendorf sind die Konzessionen von den Kommunalpolitikern an die neue „Netzgesellschaft Weserbergland“ vergeben worden, an der die Gemeinden zu 51 Prozent beteiligt sind, die Stadtwerke Hameln zu 49 Prozent. Angesichts dieser Verflechtungen stellt e.on Westfalen Weser das Vergabeverfahren infrage. Die Paderborner Zentrale bezweifelt, dass es den Vorschriften gemäß transparent, offen und diskriminierungsfrei zugegangen ist. „Wir streben eine gerichtliche Überprüfung an“, sagt Sprecher Michael Wippermann. „Rechtssicherheit liegt im Interesse beider Seiten“, betont er.

Offensichtlich fährt e.on bislang aber besser mit seiner Verzögerungstaktik: abwarten und weiterhin kassieren. Denn die Klage gegen die Vergabe würde möglicherweise viel Geld kosten – und die Entscheidung zudem vorantreiben. Deshalb ergreifen jetzt die Stadtwerke Hameln die Initiative: Sie verlangen vor dem Landgericht Dortmund die Herausgabe des zugesprochenen Netzgebietes – und Schadenersatz von der Tochter des Düsseldorfer Energiekonzerns. An den Feststellungen der Landeskartellbehörde kommen die Richter nicht vorbei, ist Treptow überzeugt. Die Wettbewerbsexperten aus Hannover hätten soeben bestätigt, dass das Vergabeverfahren in Hameln korrekt gelaufen sei und e.on Westfalen Weser in mehreren Punkten schlechter abgeschnitten habe als die Stadtwerke Hameln.

Treptow wie auch Wagner bedauern, dass durch die e.on-Haltung „viel Geld verbrannt wird“. Wippermann versichert, dass sein Unternehmen unverändert eine sichere Stromversorgung garantiere und alle dafür nötigen Investitionen tätige – allein schon, um bei der angestrebten Neuvergabe des Netzes weiterhin mit der Zuverlässigkeit punkten zu können. Kritiker glauben, dass es e.on Westfalen Weser eigentlich darum geht, einen möglichst hohen Preis für seine Netze herauszuholen – und bei der Neuordnung des Konzerns, der seine regionalen Töchter inzwischen abstoßen will, so gut wie möglich dazustehen.

e.on-Land

(aus Sicht von e.on Westfalen Weser)

Stromnetzgebiet e.on Westfalen Weser AG andere Netzbetreiber

Standorte e.on Westfalen Weser AG

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