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Rapper macht jetzt als Angler Karriere

Enrico Di Ventura ist Weltmeister im Raubfischangeln

MINDEN. Eine Hälfte des Weltmeister-Duos im Raubfischangeln kommt von der Weser: Enrico Di Ventura (38) hat beim World Predator Classic-Turnier in Holland mit Teampartner Frank Bußmeyer den 1. Platz belegt. Die Trophäe markiert den Höhepunkt in der Angelkarriere des Mindeners – der auch schon als Rapper Erfolge gefeiert hat.

veröffentlicht am 18.06.2018 um 11:44 Uhr
aktualisiert am 18.06.2018 um 19:20 Uhr

Weltmeister Enrico Di Ventura mit einem kapitalen Hecht. Foto: Martin Nanko/pr
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite

Angler war er im Grunde schon immer. Aber zwischendurch war Enrico Di Ventura als Italo Reno auch Teil der legendären Mindener Rap-Crew „Der Klan“. Im Jahr 2000 veröffentlichte er mit Mattias Voß alias Lord Scan und Denis Lindahl alias Germany das längst zum Klassiker avancierte Album „Flashpunks“. In der Folgezeit nahm er mit Germany das Mix-Tape „Big Minden“ (2003) und das Album „Hart, aber herzlich“ (2004) auf. Später veröffentlichte er noch das Soloalbum „Zu schön, um wahr zu sein“ (2007).

Die Angelei floss immer wieder in die Musik mit ein. Im Intro von „Hart, aber herzlich“ wird etwa geschildert, wie sich Italo Reno und Germany als Kinder im Schwimmbad kennenlernten und im Angeln eine große Gemeinsamkeit fanden. Sie wurden Freunde fürs Leben. Manchmal rappen sie sogar noch zusammen. „Bin fischen mit Denis!“, lautet Di Venturas permanenter Whatsapp-Status.

Der gebürtige Mindener ist gleich in zwei Fischereivereinen Mitglied, in Minden und in Schaumburg, erzählt Di Ventura im Gespräch mit der Dewezet. Mit dem Angeln ist er großgeworden. Als er noch ein kleiner Junge war, nahm ihn sein Vater zum Fischen mit an die Weser. Spätestens als er seinen ersten Fisch fing, „ein kleines Rotauge“, hatte er sein Herz an die Angelei verloren. „Ich war sehr stolz und wollte direkt mehr fangen, öfter angeln und ging damit meinem Vater bestimmt auch etwas auf die Nerven“, sagt er und lacht. „Wenn man an der Weser als Angler in den 80ern aufgewachsen ist, dann ging man immer nur auf Friedfisch mit der Stipprute.“ Also auf Rotfedern, Brassen, Barben ... „Da gab es noch keine Kunstköder, erst recht keine ultrarealistischen, so, wie das heute der Fall ist“, schildert er.

Enrico Di Ventura (2. v. li.) und sein Teampartner Frank Bußmeyer (2. v.re.) bejubeln ihren Sieg. Foto: Peter Castle/pr
  • Enrico Di Ventura (2. v. li.) und sein Teampartner Frank Bußmeyer (2. v.re.) bejubeln ihren Sieg. Foto: Peter Castle/pr

Heute ist er leidenschaftlicher Raubfischangler, hat es auf Hecht, Zander und Barsch abgesehen. „Den Moment, wenn ein Raubfisch anbeißt, muss man sich wie einen starken Ruck vorstellen, der sich je nach Angelrute wirklich heftig anfühlt“, beschreibt Di Ventura. „Je größer die Fische, desto kräftiger auch der Biss. Der Reiz ist einfach, dass jeder einzelne Wurf alles verändern kann – jeder!“

Enrico Di Ventura alias Italo Reno ist nicht der einzige Rapper, der gerne angelt. Rap-Stars, wie Sido, Bushido, MC Fitti und Marteria fischen ebenfalls. „Marten fischt sehr viel an den gleichen Gewässern wie ich, sodass wir uns darüber auch manchmal austauschen“, sagt Di Ventura über Marteria. Vor geraumer Zeit rappte der Mindener Rap-Veteran Curse mal über seine „Kosengs“ Germany und Italo Reno: „Denis und Reno gehen ständig angeln, das hört sich gut an / So entspann’ die sich, mit Kescher und Fisch / Da sind Beats und Raps ja fast lächerlich!“

Tatsächlich hat Enrico Di Ventura sein Hobby, das Angeln, später zu seinem Beruf gemacht, die Musik gegen das Angelgeschäft eingetauscht. Erst als Angestellter, dann als Selbstständiger. Seit 2014 betreibt er in Minden die Predax Fishing GmbH. Die Firma stellt spezielles Zubehör für Raubfischangler her, ist im Großhandel tätig. Bei dem skandinavischen Unternehmen Westin Fishing ist der Mindener Verkaufs- und Marketingleiter.

Als Rapper hatte er früher in Interviews öfter davon gesprochen, dass das Angeln für ihn ein Ausgleich zum Alltag sei. Und heute? Als Geschäftsinhaber und Wettfischer? „Ich muss schon zugeben, dass das Angeln nicht mehr so unbeschwert und spontan ist, da einfach der Faktor Zeit eine maßgebliche Rolle spielt“, antwortet der zweifache Familienvater. Er brauche lange, um abzuschalten. „Aber dann bin ich voll bei der Sache, fokussiert und konzentriert. Und dann ist es definitiv ein Aufladen meines Akkus.“

Fokussiert und konzentriert – so richtig nach Entspannung klingt das zwar auch nicht. Aber es ist auch noch kein Weltmeister vom Himmel gefallen. Vor etwa sechs Jahren fand Di Ventura zum Wettfischen. „Ich bin generell ein sehr kompetitiver Mensch, was manchmal aber auch Stress und zu viel Ehrgeiz bedeutet“, sagt er.

In Deutschland ist Wettfischen verboten. Bis zu einer gewissen Körpergröße und während der Schonzeit müssen die Fische wieder ins Wasser zurückgesetzt werden und ab einer gewissen Größe dürfen sie nicht mehr zurückgesetzt werden. In anderen Ländern ist das anders, dort dürfen die Fische immer zurückgesetzt werden. Folglich sind die Schauplätze der großen Meisterschaften im Ausland. Catch and Release heißt das im Anglersprech, also Fangen und Freilassen.

Die WM fand letzte Woche im holländischen Hellevoetsluis statt. 100 Teilnehmer in 50 Booten kämpften darum, die größten Hechte, Zander und Barsche an Bord zu ziehen. Am Ende setzten sich Di Ventura und sein Teampartner und langjähriger Freund Frank Bußmeyer aus Münster durch.

Erst Anfang Juni waren die beiden bei der Predator-Tour Vize-Europameister geworden.



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