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Campingplatzbetreiber lässt Andreas V.s Parzelle räumen

Elbrinxen: Bagger macht mutmaßlichen Tatort platt

LÜGDE-ELBRINXEN. Befreiungsschlag mit dem Bagger: Seit Dienstag lässt der Betreiber des Campingplatzes im Lügder Ortsteil Elbrinxen die Behausung des Missbrauchs-Hauptverdächtigen Andreas V. (56) am südöstlichen „Eichwald“-Rand abreißen.

veröffentlicht am 10.04.2019 um 14:35 Uhr
aktualisiert am 10.04.2019 um 23:00 Uhr

Die Ermittlungen am mutmaßlichen Haupt-Tatort auf dem Elbrinxer Campingsplatz sind abgeschlossen, die Staatsanwaltschaft hat die Parzelle von Andreas V.s freigegeben. Ende der Woche sollen die Überbleibsel der unheilbringenden Behausung getilgt sein.
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Die von diversen Bretterverschlägen umbauten Wohnwagen des in Untersuchungshaft sitzenden Ex-Dauercampers sind seit Bekanntwerden des Falls vor zehn Wochen ein Sinnbild für mutmaßlich mehr als 1000 Sexualverbrechen an mehr als 50 Kindern geworden – und für den Behördenskandal, zu dem sich der ohnehin monströse Fall aufgrund von Versäumnissen und Fehlleistungen durch Polizei und Jugendämter ausgewachsen hat.

Der Campingplatz-Chef hätte den Bagger gern früher anrücken lassen an diesem unheilbringenden Ort. Doch die Staatsanwaltschaft Detmold gab das Areal erst Ende März frei, als die Ermittlungen in Elbrinxen endgültig abgeschlossen waren. Inzwischen sind auch die letzten rechtlichen Fragen geklärt, und Frank Schäfsmeier konnte die Räumung des mutmaßlichen Haupttatorts angehen. „Das muss da erstmal alles weg“, sagt er.

Nachdem die Entrümpler die diversen Räume und Verschläge von Andreas V.s Behausung geleert haben, landen nun alle hölzernen Teile in einem großen roten Container. Metall- und Elektroschrott müssen gesondert entsorgt werden. Heizkörper, Lampen, Ventilatoren, eine Musikanlage und andere Überbleibsel der Einrichtung lagern deshalb zunächst auf Extra-Stapeln rund um das etwa 100 Quadratmeter große Areal.

Bevor Ende März die teils mit Sichtschutz-Folien verkleideten Bauzäune und das Flatterband entfernt wurden, hatte die Polizei die Parzelle seit Dezember fünfmal durchsucht. Bis Ende Januar führte die Polizei Lippe die Ermittlungen. Wegen der ausufernden Dimensionen übertrug NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) den Kriminalfall dann der Kripo Bielefeld.

Dass die Spurensicherer auch noch bei der letzten Durchsuchung fündig wurden, gilt manchem als Beweis für das anfangs von Reul gegeißelte „Polizeiversagen“. Der Blick auf die Barackenreste gibt jedoch eine Ahnung davon, vor welche Herausforderungen das zugemüllte, verwinkelte Chaos die Ermittler gestellt haben mag. Noch im März wurden hier, auch mithilfe eines speziell ausgebildeten Spürhunds, zuvor übersehene Datenträger entdeckt.

Neu vermieten will Frank Schäfsmeier die vor 30 Jahren von Andreas V.s Eltern bezogene Parzelle nicht. „Das wird eine Grünfläche“, sagt er. Weitere Pläne für den Campingplatz hat er einstweilen noch nicht. Seine derzeit 200 Dauercamper halten ihm zwar die Treue. Aber insgesamt muss er abwarten, „wie es sich überhaupt entwickelt“. Der Fall hat ihn sichtlich mitgenommen. „Man muss das so akzeptieren“, sagt er. „Es muss eine gewisse Zeit vergehen….“

Die vielen Fernsehteams auf seinem Platz ist Schäfsmeier schon lange leid. Der ohnehin eher ruhige 54-Jährige mag eigentlich nichts mehr sagen. Schon gar nicht in irgendwelche Mikrofone. Rote Schilder an den Eingängen sollen Unbefugten nun den Zutritt verwehren. Ob das Schaulustige fernhält, bleibt abzuwarten.

Aber, immerhin: Bald wird auf dem Platz nichts mehr an den Hauptverdächtigen und die mutmaßlich von ihm und Mario S. im Verborgenen begangenen Verbrechen erinnern. „Dann kehrt hier hoffentlich Ruhe ein“, sagt Frank Schäfsmeier. Er klingt müde dabei. Zermürbt vom Grübeln, warum ihm in all den Jahren nichts auffiel. Und wohl auch beschämt, wie so viele andere, den Täuschungen durch Andreas V. aufgesessen zu sein.

Dass ihm Lügdes Bürgermeister Heinz Reker neulich am Telefon seine Unterstützung anbot, hat Frank Schäfsmeier als tröstliche Geste empfunden. Aber: „Er wusste nicht, wie er helfen soll. Und ich weiß es auch nicht.“

Beschäftigung hat der Campingplatz-Chef indes genug. „Hier ist in den letzten Monaten so viel liegengeblieben.“ Aber Zeit zum Arbeiten findet er auch jetzt nicht. Die nächsten Fernsehleute stehen an der Schranke. Er wird ihnen zu verstehen geben, dass er sie hier nicht mehr haben will.

Nach dem Prozess, der laut Staatsanwaltschaft möglichst noch im Juni vor dem Landgericht Detmold beginnen soll, wird dann vielleicht wirklich Ruhe einkehren in Elbrinxen.

Heute wird das Thema aber wieder „Stadtgespräch“ – in der gleichnamigen Diskussionssendung, die der Radiosender WDR5 ab 20 Uhr live aus dem Lügder Klostersaal überträgt. Im Fokus steht die Frage: „1000-facher sexueller Kindesmissbrauch in Lügde - Kann man so etwas verhindern?“ Auf dem Podium sitzen die , NRW-Opferschutzbeauftragte Elisabeth Auchter-Mainz, Renate Blum-Maurice vom Kinderschutzbund NRW, Lippes Landrat Dr. Axel Lehmann und Lügdes Bürgermeister Heinz Reker (Einlass ab 19.30 Uhr, Eintritt frei).



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