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Diesjährige Sommerhitze hat auch dem Wald arg zugesetzt / Auf der Suche nach geeigneteren Baumarten

Eine ganze Waldgeneration vertrocknet

WESERBERGLAND. Nicht nur die Landwirtschaft, auch die Forstwirte vermelden jetzt Schäden, die durch die unerträgliche Hitze dieses Sommers entstanden sind. Nicht nur, dass ausgewachsene Waldbäume Hitzeschäden im Blätterdach zeigen; Totalausfälle sind bereits bei Neuanpflanzungen zu verbuchen.

veröffentlicht am 09.08.2018 um 12:38 Uhr
aktualisiert am 09.08.2018 um 22:00 Uhr

Christian Weigel, Leiter des Staatlichen Forstamtes Oldendorf, kontrolliert die vertrockneten Baumsetzlinge. Fotos (2): dana
Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Coppenbrügge-Salzhemmendorf zur Autorenseite
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So vermeldet Christian Weigel, Leiter des Staatlichen Forstamtes Oldendorf, rund acht Hektar Forstkulturen, auf denen die frisch angepflanzten Lärchen, Bergahorne und Douglasien aus Wassermangel vertrocknet sind. „Wir müssen da wohl nachpflanzen, hoffen aber auch auf natürliche Verjüngung“, meint der Forstfachmann zu den Schäden im Staatlichen Forstamt. Und in den Genossenschaftsforsten dürfte es wohl ähnlich aussehen.

Ebenso wie die Landwirtschaft fordert deshalb mittlerweile auch der Bund Deutscher Forstleute (BDF) von Bund und Ländern eine Milliarde Euro für den Wald. 500 Millionen junge Pflanzen, die laut Deutschem Forstwirtschaftsrat (DFWR) jedes Jahr im deutschen Wald gepflanzt werden, würden dieses Jahr kaputtgehen, weil sie keine Wasserversorgung haben. „Eine ganze neue Waldgeneration vertrocknet einfach, und die Bemühungen von Forstleuten und Waldeigentümern für einen neuen stabilen, klimafesten und gemischten Wald sind dahin“, so der Bund in einer Mitteilung.

Aber nicht nur an verdorrten Neuanpflanzungen, auch in den Altbeständen sind in den heimischen Wäldern Hitzeschäden derzeit nicht mehr zu übersehen. Wie Weigel berichtet, haben die Buchen teilweise bereits auf Harbstmodus umgeschaltet und werfen ihr Laub ab. Dasselbe gilt für die Früchte: Bucheckern und Eicheln fallen schon jetzt zu Boden. Und das noch relativ klein. Weigel: „Wir haben deshalb in unseren Saatgutbeständen schon Sammelnetze ausgelegt.“ Die Frage sei nun aber, ob das Saatgut schon ausgereift und damit keimfähig sei, meint der Baum-Fachmann.

An exponiert stehenden Bäumen sind die Blätter verbrannt.
  • An exponiert stehenden Bäumen sind die Blätter verbrannt.

Erst Orkantief Friederike, darauf folgend die große Sommerhitze: Dennoch meint Christian Weigel, es sei kein Grund, in wilde Panik und Aktionismus verfallen zu müssen. Sicher seien Überlegungen anzustellen, wie man sich bei Wiederaufforstungen in den Friederike-Kahlschlägen mit geeigneteren Baumarten für künftig zunehmende Trocken- und Hitzeperioden einstellen kann. So sei sicher ein verstärktes Augenmerk auf wärmeliebende Holzarten wie Elsbeere, Lärche, Douglasie oder Eichen zu legen. Sein Rat ist daher, den Wald der Zukunft mit einer noch breiteren Palette an Baumarten anzulegen. Er warnt jedoch vor einem Horror-Szenario infolge eines Extremjahres: „Die Buche wird aus unseren Wälder auch in Zukunft nicht wegzudenken sein.“

„Prinzipiell ist die Situation bei uns ein wenig anders als in der Landwirtschaft – während dort Ernteausfälle drohen, stirbt bei uns nicht gleich der gesamte Wald“, meint auch Michael Blaschke vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Zwar gebe es einzelne Ausfälle, jedoch hitzebedingt kein flächendeckendes Baumsterben im benachbarten Nordrhein-Westfalen. Auch er hofft nun auf die natürliche Verjüngung. In Lippe experimentiere man zusätzlich mit fremdländischen Baumarten wie dem Mammutbaum. „Wir testen, ob exotische Sorten unseren heimischen Wäldern in die Zukunft verhelfen können.“ Das Saatgut komme etwa aus Kroatien und sei klimastabiler als hiesige Pflanzen. „Das Ganze ist extrem aufwendig. Der Umbau zu klimastabilen Wäldern ist damit teuer. Natürlich müssen wir den Folgen des Klimawandels begegnen.“

Bevor jetzt aber Milliardenhilfen gefordert würden, plädiert Michael Blaschke allerdings dafür, erst einmal abzuwarten, was die Hitze tatsächlich angerichtet hat. In Ostwestfalen-Lippe – Paderborn und Höxter ausgenommen – sei die Situation nicht dramatisch. „Wir haben es dort mit keinem flächendeckenden Ausfall aufgrund der Hitze zu tun.“ Paderborn und Höxter profitierten, derweil von den Folgen des Sturms Friederike: Die Aufarbeitung der Sturmschäden sei noch nicht abgeschlossen; deshalb habe man auch noch keine Jungpflanzen nachpflanzen können.

„Zum Glück“, wie auch sein Hessisch Oldendorfer Kollege Weigel vom Staatlichen Forstamt meint: Wegen der Aufforstungen der Friederike- Schäden mit vielen Kulturen hoffen die Forstleute im kommenden Jahr auf einen verregneten Sommer...



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