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Heinz-Walter Wiedbrauck ist seit 25 Jahren Vorstand der Volksbank

Ein Vierteljahrhundert in der Chefetage

Hameln-Pyrmont. Er ist Jahrgang 1951 und verfügt als Banker über eine nicht alltägliche Vita. Obwohl er ursprünglich aus der Landwirtschaft kommt, hat Heinz-Walter Wiedbrauck seinen Beruf als Banker von der Pike auf gelernt. Und zwar im Hause der heutigen Volksbank Hameln-Stadthagen, in deren Dienst der gebürtige Wörderfelder am 1. Oktober 1972 eintrat. Seit nunmehr 25 Jahren lenkt Wiedbrauck als Vorstand die Geschicke des heimischen Kreditinstitutes, davon 22 Jahre als Vorsitzender. Unter seine Ägide fallen drei Fusionen: 1987 mit der Volksbank Hessisch Oldendorf, 1998 mit der Volksbank Bad Pyrmont/Emmerthal und 2004 mit der Volksbank Stadthagen.

veröffentlicht am 24.11.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 22:16 Uhr

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Hans-Joachim-Weiß-Redakteur-Lokales-Hameln-Dewezet

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Herr Wiedbrauck, 25 Jahre Vorstand einer Bank – in der heutigen Zeit eine Rarität. Haben Sie in dieser Zeit auch mal mit dem Gedanken gespielt, zu wechseln?

Ich komme ja von der Landwirtschaft, hatte vorher schon etwas anderes gemacht. Heute muss ich sagen: Mein Beruf ist sehr abwechslungsreich, ich komme viel mit Menschen zusammen, und ich habe viele Vertrauensverhältnisse zu unseren Kunden aufgebaut. Etwas bewegen zu können, ist mir sehr wichtig in meinem Leben.

Wie kommt man denn von der Landwirtschaft in den Vorstand der Volksbank?

Das waren keine besonderen Überlegungen, die mich dahin gebracht haben, sondern die einfache Tatsache, dass ich zu Hause nicht in die Leitung des elterlichen Betriebes einsteigen konnte, denn mein Vater war zu dem damaligen Zeitpunkt gerade 49 Jahre alt. Dadurch ergaben sich automatisch starke Reibereien, die dazu geführt haben, dass ich schließlich umgeschult habe.

Haben Sie noch Bezug zur Landwirtschaft?

Nach wie vor. Ich gucke mir das gerne noch an, allerdings bewirtschaftet den Betrieb heute mein Bruder. Das passt auch besser, denn er ist elf Jahre jünger.

Sie gelten als Mann klarer und offener Worte, haben kaum Berührungsängste. Ist das Ihrer bäuerlichen Herkunft geschuldet?

Das kann man sicher so sagen, denn in der Landwirtschaft gilt: ein Mann, ein Wort. Und dazu stehe ich auch heute noch. Wenn ich einem Kunden etwas zugesagt habe, dann ist das, was schriftlich folgt, nur eine Bestätigung dessen, was ich gesagt habe. Das hat das gute Vertrauensverhältnis entstehen lassen, auf das wir heute zählen können.

Wie sehen Sie unter dem Stichwort der Globalisierung die Zukunft der Volksbank Hameln-Stadthagen?

Wir werden nie als Billiganbieter fungieren können, aber weil wir vor Ort eine sehr intensive Kundenbeziehung haben, haben wir auch die Zukunftschance, unseren Marktanteil halten zu können. Wir setzen auf die Qualität der Beratung und auf die guten Kontakte zu unseren Kunden.

Unter der Prämisse, dass heutzutage die Banken die Renditen einstecken, für die Verluste aber der Steuerzahler aufzukommen hat – haben Sie da, im Rückspiegel betrachtet, auch falsche Entscheidungen getroffen?

Dazu kann ich nur sagen, dass wir als Volksbank Geschäftsmodelle haben, die grundsolide sind. Die Kunden der Region legen das Geld bei uns an, und wir geben dieses Geld wieder für Investitionen in die Region hinein. Wir sind nicht weltweit tätig und in risikoreichen Anlagen schon gar nicht.

Wie legt ein Bankvorstand privat sein Geld an?

Über die ganzen Jahre kann ich sagen, viel Geld in Immobilien angelegt zu haben. Ich war auch im deutschen Osten dabei. Sonst lege ich es nach einer konservativen Grundhaltung an. Das mache ich auch mit dem Geld der Bank.

Zockt der Privatmann Wiedbrauck auch an der Börse?

Nein.

Sie stammen gebürtig aus Lügde-Wörderfeld. Das liegt in Lippe – und die Lipper gelten als geizig. Früher hieß es, wenn ein Lipper das Portemonnaie aufmacht, fängt der Adler auf der Mark an zu blinzeln. Ist das die Ursache Ihres konservativen Anlageverhaltens?

Mag sein, dass das auch mit meiner Herkunft zusammenhängt. Ich komme aus dem landwirtschaftlichen Bereich und bin sicher auch konservativ erzogen worden. Es hängt aber auch damit zusammen, dass ich sehr gern betriebswirtschaftliche Studien betreibe, denn Betriebswirtschaft ist mein Hobby. Das habe ich mal in der Landwirtschaft gelernt und später mit in die Bank gebracht. Als ich 1972 angefangen habe, gab es in der Weise in den Banken noch keine betriebswirtschaftliche Rechnung.

Sie haben in Ihrer Vorstandstätigkeit gern und viel gebaut, eine Filiale nach der anderen umgestaltet. Machen Sie das auch privat?

Ja, wenn ich in der Bank nicht gebaut habe, habe ich privat gebaut. Sehr zum Leidwesen meiner Frau, weil immer Unruhe im Haus war.

Herr Wiedbrauck, wo wird „Ihre“ Volksbank stehen, wenn sie in den Ruhestand treten?

Eine gute Frage. Wir werden noch andere Größenordnungen haben müssen, deshalb werden andere Flächenbanken entstehen. Auch im Bereich Südniedersachsen. Im Moment führen wir zwar keine Fusionsgespräche, aber es wird dazu kommen müssen.

Ein Freund

offener und klarer Worte: Volksbankchef

Heinz-Walter Wiedbrauck.

Foto: Wal



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